Architektonische Gelassenheit

Burger Rudacs Architekten
9. Juni 2021
Modell (Foto: Burger Rudacs Architekten)

Burger Rudacs Architekten gewinnen den Wettbewerb um den Neubau des Rathauses in Buxheim. Birgit Rudacs und Stefan Burger stellen sich unseren Fragen zum Wettbewerb.

In der bayerischen Gemeinde Buxheim, Landkreis Eichstätt, wird der Neubau eines Rathauses mit Verwaltung und Sitzungssaal geplant. Worin lag die Herausforderung der Aufgabenstellung?

Das Baugrundstück befindet sich direkt am Rand der noch intakten und räumlich gefassten, dörflichen Ortsmitte. Mit dieser Randlage liegt es am Übergang in eine sich auflösende, zersiedelte Bebauungsstruktur. Schöne denkmalgeschützte Jurahäuser stehen noch verstreut in unmittelbarer Nähe, eines hat das Grundstück direkt als Gegenüber und somit als Nachbarn. Auf der Westseite ist das Grundstück aber schon mit der Leere einer Parkplatzfläche und beginnenden Auflösungsprozessen der Baustruktur konfrontiert. Die Herausforderung bestand darin, mit einem vergleichsweise kleinen Raumprogramm und entsprechend kleiner Gebäudekubatur die städtebaulich raumbildende und raumabschließende Setzung des neu hinzugefügten Gebäudevolumens generieren zu können.

Lageplan (Zeichnung: Burger Rudacs Architekten)
Wie kamen Sie zum Baukörper?

In erster Linie haben wir eine Gebäudekonfiguration gesucht, die auf städtebaulicher Ebene im Zusammenspiel mit den Bestandsgebäuden räumlich wirksame Kanten aufspannen kann. Erst dadurch konnte auch der Rathausplatz räumlich gefasst werden. Die gewünschte Durchlässigkeit des Grundstücks in Nord-Südrichtung für eine beabsichtigte zukünftige, zweite Anbindung des Rathauses wurde ebenfalls wichtiges Entwurfsthema. So entstand ein Gebäudeensemble aus zwei giebelständigen Satteldachhäusern, zueinander- und ineinandergeschoben, die über das gemeinsame Dach wieder zu Einem gefügt wurden. Auf Erdgeschossebene wurde die Schnittmenge der Häuser frei gelassen um die inszenierte und gewollte Führung durch das Haus, den Durchgang im Freien für jedermann nach Norden und zum Parkplatz anbieten zu können. Der beabsichtigten zukünftigen städtebaulichen Anbindung des neuen Rathauses an den Dorfplatz entspricht das Ensemble durch die Spiegelung der räumlichen Grammatik. Es sollte ein Haus mit zwei dem Betrachter zugewandten Gesichtern entstehen. In der Tiefe des Grundstücks an der Stirnseite des Rathausplatzes wird das im Sinne des Bedeutungsgewichtes gewichtigere Haus, das Haus mit Rathaussaal und Trauzimmer, raumabschließend positioniert. Das Langhaus dient der Verwaltung.

Blick über den Rathausplatz (Skizze: Burger Rudacs Architekten)
Wie organisieren Sie das Rathaus?

Das Erdgeschoss in Verlängerung des Rathausplatzes bildet die der Allgemeinheit verbundene Ebene des Hauses. Hier sind neben dienenden Räumen die öffentlichen- und Beratungsfunktionen, das Foyer, das Trauzimmer und der Besprechungsraum verortet. Die beiden Foyers flankieren die Platzkanten, liegen geschützt in den Kerben der Häuser und sind zum Platz hin öffen- und erweiterbar. Der Rathaussaal liegt oben im hohen Dachvolumen. Eine einläufige Treppe verbindet unteres und oberes Foyer. Die gewünschte externe Saalnutzung ist über die Schließung des zweibündigen Verwaltungshauses im Obergeschoss denkbar einfach umzusetzen. 

Schnitt (Zeichnung: Burger Rudacs Architekten)
Ansicht Süd (Zeichnung: Burger Rudacs Architekten)
Grundriss (Zeichnungen: Burger Rudacs Architekten)
Welches architektonische Thema war Ihnen besonders wichtig?

Der kraftvolle und gleichzeitig ruhige und präzise architektonische Ausdruck der bestehenden historischen Jurahäuser mit den entsprechenden Codierungen, den gemauerten Wänden und den flachgeneigten Dächern ohne Überstand, wird in der vorgeschlagenen Architektur mit den Ziegelaussenwänden und den Satteldächern fortgeführt. Dieser Ausdruck der architektonischen Gelassenheit wurde mit dem Rathausneubau fortgeführt und in die heutige Zeit übersetzt.

Detail (Zeichnung: Burger Rudacs Architekten)
Welches Materialstrategie schlagen Sie vor?

Vorgeschlagen wurde ein mineralisches Gebäude in Mischbauweise aus Mauerwerk und Betonkonstruktionen. Die Außenwände sind in zweischaligem Ziegelwandaufbau vorgesehen. Die Oberfläche der Wände wird hell geschlämmt. Die Fensteröffnungen umlaufende bündige Betonrahmen bilden gleichzeitig konstruktive Elemente - wie Schmuckelemente. Innenflächen von gemauerten Wänden werden mit Kalkputz geglättet. Gegangen wird auf Holzdielenböden. Es war uns ein großes Anliegen, den Rathausneubau als solides, im Ort verankertes Gebäude vorzuschlagen. Angestrebt wurde Langlebigkeit, gutes Altern sowie sparsamer Umgang mit anfälligen haustechnischen Ausstattungen. 

Gibt es schon einen geplanten Fertigstellungstermin?

Nein, einen Fertigstellungstermin gibt es noch nicht. Soweit wir wissen, will die Gemeinde ihr neues Zuhause aber zügig angehen. Das wäre natürlich sehr schön.

Neubau Rathaus in Buxheim
Begrenzt offener Realisierungswettbewerb 
 
Auslobung
  • Gemeinde Buxheim
Betreuung
  • Pfab, Rothmeier Architekten, Regensburg
 
Jury
  • Prof. Thomas Neumann, Architekt, München (Vorsitzender) | Christian Süppel, Architekt, Kreisbaumeister, Landratsamt Eichstätt | Prof. Arthur Wolfrum, Architekt, München | Benedikt Bauer, 1. Bürgermeister Buxheim | Christian Sengl, 2. Bürgermeister Buxheim
 
1. Preis
  • Burger Rudacs Architekten, München | Stefan Burger, Birgit Rudacs | Mitarbeit: Melanie Schlanser
  • Modellbau: Peter Corbishley
 
2. Preis
  • Bathke Geisel Architekten GbR, München | Steffen Bathke, Lutz Geisel | Mitarbeit: Markus Paesch
     
3. Preis

Verwandte Artikel

Andere Artikel in dieser Kategorie