Spatenstich am Kulturforum

Manuel Pestalozzi
3. Dezember 2019
In den aktuellsten Visualisierungen des Projektes wird vor allem die Nähe zur St. Matthäus-Kirche hervorgehoben. (Visualisierung: © Herzog & de Meuron)

Trotz der großen Aufwallung in Teilen des Publikums schreitet die Politik zum Spatenstich. So lassen sich die Ereignisse des 3. Dezembers 2019 in der noch kurzen, aber bewegten Entstehungsgeschichte des Museums des 20. Jahrhunderts im Kulturforum Berlin zusammenfassen.

Zwar gab es nochmals scharfen Protest gegen die Kosten des Projektes, doch politisch ist es „durch“. Die Verantwortlichen hatten auf den Spatenstich in diesem Jahr gedrängt, „weil Sammler ihre Werke für das Museum damit verbunden hatten“, wie die Berliner Morgenpost schreibt. Der Streit über die Kosten von rund 450 Millionen Euro soll nicht weitergeführt werden, auch wenn die mangelnde Transparenz bei der „definitiven“ Bezifferung zu Recht manche irritiert.

Auch die Architektur des Projektes des Schweizer Büros Herzog & de Meuron bekam ihr Fett im Vorfeld ab. Form, Grösse und Konzept wurden energisch kritisiert – wobei bei den kritischen Stimmen Lautstärke und Substanz gelegentlich in einem Missverhältnis standen. Letztlich geht es darum, wie man heute mit dem Anspruch auf eine monumentale Wirkung an einer städtebaulich heiklen Stelle umgeht. Und welches die passende Hülle für Kunst des 20. Jahrhunderts – also der Vergangenheit – sein soll. Das Hervorheben der räumlichen Nähe zur St. Matthäus-Kirche aus dem 19. Jahrhundert und der Verwandschaft der Fassadentexturen in den Visualisierungen erscheint als kluger Schachzug. Er macht deutlich, dass man mit dem Projekt an Berlin weiterbauen will und auch wertvolle Aussenräume schaffen möchte. Das Innere des Museums dürfte mit seiner räumlichen Tiefe ebenfalls beeindrucken. Wenn schon eine „Scheune“ entsteht, wie manche murren, dann wird man sich über eine Edelscheune freuen können, welche das Potenzial besitzt, Trend- und Modezyklen zu überleben.

Zwei sich kreuzende Boulevards werden das introvertierte Herzstück des Museums im Inneren bilden. Abgebildetes Werk: Sarah Morris: 1972 [Rings], 2006-2013, Staatliche Museen zu Berlin, Nationalgalerie. (Visualisierung: © Herzog & de Meuron / © Sarah Morris 2019)

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