Debatte um das Museum des 20. Jahrhunderts

Manuel Pestalozzi
11. November 2019
So präsentiert Architekt Stephan Braunfels die vermieste Aussicht (no pun intended) aus der Neuen Nationalgalerie in der Berliner Zeitung. (Visualisierung: Stephan Braunfels)

In Berlin wird weiter emsig gestritten um das Projekt des Schweizer Büros Herzog & de Meuron für das Kulturforum. Bereicherung oder Verschandelung? Die Meinungen sind geteilt.

Schon seit drei Jahren wird über das Projekt gestritten. German Architects berichtete darüber. Und stetig werden neue Stellungnahmen veröffentlicht – wie es sich für eine gesunde Debattenkultur ja auch gehört. Der Tagesspiegel ließ Anfang November Glenn Lowry zu Wort kommen. Er ist seit 1995 Direktor des Museums of Modern Art in New York. Er findet, Berlin fehle ein spezieller Bau, der der Kunst des 20. Jahrhunderts gewidmet ist, die vielen verborgenen Schätze aus dem Depot ans Licht holt und darüber hinaus einen flexiblen Ort für Sonderausstellungen bereit hält. Jacques Herzog & Pierre de Meuron hält er für die idealen Architekten, um das neue Museum zu entwerfen. Dies tut er leider nur aufgrund des internationalen Renommees des Büros , mit dem Projekt und seinem Standort setzt er sich nicht näher auseinander.

Ganz anders der Münchner Architekt Stephan Braunfels. Am 7. November stellte er ein Buch mit seinen Ideen für das Kulturforum vor, wie die Berliner-Zeitung berichtet. Der Entwurf von Herzog & de Meuron (hier HdM genannt) hat in diesen Ideen keinen Platz. Braunfels’ Darstellungen, welche das Projekt der Schweizer im Kontext präsentieren, zeigen gemäß dem kritischen Autor in der Publikation „nun in aller Deutlichkeit: Das Problem des Neubau-Projekts sind nicht nur das veraltete museale Konzept, die exorbitanten Baukosten, die bis heute vollkommen ungeklärten Betriebskosten oder die Architektursprache. Das Problem ist die geradezu autistische städtebauliche Haltung der Architekten HdM: Alles drumherum muss sich auf ihr Projekt beziehen.“ Er stößt sich offenbar daran, dass sich diverse Großbauten von Stararchitekten auf dem Kulturforum konkurrenzieren und gewissermaßen gegenseitig auf die Füsse treten. Die Idee von Stephan Braunfels für den Standort des geplanten Museums ist eine begrünte Freifläche. Moniert wird im Beitrag auch, dass das Bauprojekt unter dem Druck von potenziellen Donatorinnen und Donatoren so wie jetzt projektiert und am vorgesehen Ort realisiert werden soll.

Für Außenstehende ist die Auseinandersetzung nicht leicht zu werten. Jedenfalls ist zu hoffen, dass die Mitglieder des Bundestags für alle Argumente ein offenes Ohr haben und sich mit ihnen auseinandersetzen; am 14. November sollen sie die Mittel für das neue Museum am Kulturforum freigeben.

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