Kliniken für die Zukunft

Manuel Pestalozzi
1. April 2021
Hochmodern und leistungsfähig soll der Klinik-Neubau für Offenburg werden. (Bildnachweis Visualisierung: Bäumle Architekten)

Spitallandschaften entwickeln sich dynamisch. Exemplarisch zeigt dies aktuell das Ortenau-Klinikum, ein kommunaler Klinikverbund in Baden-Württemberg. Er hat in den vergangenen beiden Monaten gleich zwei Architekturwettbewerbe abgeschlossen.

Ab spätestens 2030 beziehungsweise mit Fertigstellung der dazu erforderlichen Neu- oder Umbaumaßnahmen wird das Ortenau-Klinikum seine stationären Leistungen an den vier Krankenhäusern in Offenburg, Lahr, Wolfach und Achern erbringen – das hat der Kreistag des Ortenaukreises im Juli 2018 mit der „Agenda 2030“ entschieden. Die Betriebsstellen Offenburg und Lahr werden als Häuser der Maximalversorgung weiterentwickelt. In Offenburg und Achern sollen jeweils Klinikneubauten entstehen. Für die beiden Betriebsstellen wurden im Februar und März 2021 in Architekturwettbewerben Siegerprojekte erkoren.

Das Klinikum in Achern ist in eine Parklandschaft eingebettet, die auch als Erholungsraum für die benachbarten Quartiere dienen soll. (Bildnachweis Plan: Bäumle Architekten)
Klinikum Achern

In Achern hatten die aus 39 Bewerbern ausgewählten Teilnehmer*innen die Aufgabe, die Neukonzeption des Klinikums in verschiedenen Planungstiefen zu entwerfen. Die Aufgabe umfasste die städtebauliche Rahmenplanung, eine hochbauliche Vertiefungsplanung für das eigentliche Klinikgebäude sowie die Freianlagenplanung. Wettbewerbsgewinner ist ein Entwurf des Planungsteams von gmp International GmbH aus Aachen mit WES GmbH Landschaftsarchitektur aus Hamburg.

Das Siegerprojekt besteht aus einem pavillonartigen, höhengestaffelten Gebäudeensemble, das in den Augen des Preisgerichts eine überzeugende Positionierung und Integration in den städtebaulichen Kontext auf dem Campus ermöglicht. Erweiterungsmöglichkeiten sind angedacht. Eine lange, baumbestandene Promenade schafft ein attraktives Entree zum Klinikkomplex von der geplanten Erschließungsstraße im Norden her. Die mittige Stellung des Hauptbaukörpers schafft spannungsreiche Freiräume. Nutzen sollen diese nicht nur die Klinik sondern auch die Menschen, die in der Umgebung leben. Es sind Spielbereiche sowie Mountainbike- und Skateanlagen geplant. Das anfallende Regenwasser dient der Aufwertung des Vorplatzes und wird in einem Parksee gesammelt.

Die kompakte und klar strukturierte Baukörpersituation sichert eine gute Orientierung, die zweigeschossige Eingangshalle schafft ebenso Übersicht. Von einer lichtdurchfluteten Magistrale führen Haupterschließungen zu den jeweiligen Abteilungen. Innenhöfe ermöglichen Tageslicht für alle Arbeits- und Aufenthaltsbereiche. Alle Patientenzimmer sind nach außen orientiert, mit freiem Blick in die Landschaft.

Das Leistungsniveau veranlasste das Preisgericht, zwei zweite Preise zu vergeben. Diese gingen an das Team Felix+Jonas Architekten mit mahl gebhard konzepte Landschaftsarchitekten aus München sowie Ludes Architekten – Ingenieure GmbH, München mit Wankner und Fischer GbR Landschaftsarchitekten BDLA, München. Gemäß den Vergaberegeln wird nun mit den Preisträgern des Wettbewerbs verhandelt. Die Entscheidung, welcher der prämierten Entwürfe umgesetzt wird, fällt bis zur Jahresmitte.

Das Projekt für das Großklinikum in Offenburg ist in ein neues Stadtquartier eingebettet. (Bildnachweis Foto: Ludes Architekten)
Ortenau-Klinikum Offenburg

Den Architektenwettbewerb für den Neubau des deutlich größeren Ortenau-Klinikums in Offenburg konnte das Planungsteam Ludes Architekten – Ingenieure GmbH und Fischer Landschaftsarchitekten aus München für sich entscheiden. Die aus 28 Bewerbungen ausgewählten 15 Teams hatten die Aufgabe, am Standort Holderstock ein neues Stadtquartier mit integriertem Klinikcampus zu entwickeln. Entstehen soll ein betriebsoptimierter und gleichwohl ansprechender Klinik-Neubau mit bis zu 730 Betten, der eine zeitgemäße und patient*innenorientierte Gesundheitsversorgung sicherstellt. Die Aufgabe umfasste darüber hinaus die Planung für Gebäude der Zentralen Dienste wie beispielsweise die Verwaltung, die Speiseversorgung und eine Apotheke auf dem Klinikcampus, die künftig den gesamten Klinikverbund versorgen. Zudem waren Ideen für die Entwicklung des angrenzenden Gewerbegebiets und die Integration in den landwirtschaftlich geprägten Freiraum zu erarbeiten.

Das siegreiche Projekt verknüpft den Klinikcampus mit dem bestehenden Straßennetz und schafft einen durch mehrere Klinikgebäude räumlich gefassten Campusplatz mit Bäumen, Wasserbecken und dem Außenbereich einer Cafeteria, der Patient*innen, Besucher*innen und Mitarbeiter*innen als attraktiver Aufenthaltsbereich im Freien zur Verfügung steht. Der Platz soll verkehrsfrei sein, die Pkw-Stellplätze sind in einem benachbarten Parkhaus vorgesehen.

Mit einem 2. Preis wurde die HWP Planungsgesellschaft mbH, Stuttgart in Zusammenarbeit mit Architects Collective ZT, Wien und Kienleplan GmbH, Leinfelden-Echterdingen ausgezeichnet. Der 3. Preis ging an HDR GmbH mit FSWLA Landschaftsarchitektur GmbH, beide aus Düsseldorf. Gemäß den Vergaberegeln wird nun mit den Preisträgern des Wettbewerbs verhandelt. Welcher Entwurf realisiert werden soll, wird auch hier bis zur Jahresmitte entschieden. Baubeginn für den Klinik-Neubau in Offenburg wird voraussichtlich Mitte 2025 sein. Die Bauzeit ist mit rund viereinhalb Jahren veranschlagt.

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