Deutscher Bauherrenpreis 2020

Manuel Pestalozzi
27. Februar 2020
„Neues Wohnen Sündersbühl“ in Nürnberg gewann den Deutschen Bauherrenpreis in der Kategorie „Neue Wohngebiete“. (Foto: Nürnberg Luftbild, Hajo Dietz)

Im Rahmen der Berliner Baufachmesse bautec wurden am 19. Februar 2020 die Preise des Wettbewerbs zum Deutschen Bauherrenpreis vergeben. Elf der 33 nominierten Projekte wurden ausgezeichnet. Sie werfen ein Schlaglicht auf die aktuelle Wohnbautätigkeit.

Der Deutsche Bauherrenpreis gilt als wichtigster Preis im Bereich des Wohnungsbaus in Deutschland. Er wurde erstmalig 1986 von der Arbeitsgruppe Kooperation, bestehend aus dem Spitzenverband der Wohnungswirtschaft GdW, dem Bund Deutscher Architekten BDA und dem Deutschen Städtetag, ausgelobt. Geehrt werden mit dem Bauherrenpreis die Teams, welche die Wohnträume Wirklichkeit werden ließen, mitunter also auch die „Bauherren“. 

Die Auslober bemühten sich um eine Gliederung der Beiträge in „Themen“ und „Kategorien“, von denen es fast ebensoviele wie Preisträgerprojekte gibt. Dies vermittelt einen interessanten Überblick auf die Heterogenität der Bauaufgaben und Ansprüche, denen Wohnbauprojekte heute genügen müssen. Der Preis in der Kategorie „Neue Wohngebiete“ ging an die wbg Nürnberg GmbH für das Projekt „Neues Wohnen Sündersbühl“. Es wurde mit der Planungsgemeinschaft NWS GdbR und ganzWerk, Nürnberg, realisiert. Es trage auf überzeugende Art und Weise dem sozialen Anspruch an ein generationenübergreifendes, altersgemischtes neues Wohngebiet mit bezahlbarem Wohnraum Rechnung, lautet die Begründung des Beurteilungsgremiums.

Das Seniorenwohnen in Schechen überzeugte beim Thema „Kleine Wohnanlagen mit regionaler Charakteristik“. (Foto: Marius Ballasus)

Die Gemeinde Schechen, realisierte mit Deppisch Architekten, Freising, ein Seniorenwohnen mit 16 Wohnungen und einem Gemeinschaftshaus, das beim Thema „Kleine Wohnanlagen mit regionaler Charakteristik“ ausgezeichnet wurde. Das Ensemble erhält seine besondere Charakteristik durch frei auskragende Laubengänge und Dachüberstände. Diese prägen, neu interpretiert, durch ihre Materialsprache und baukörperliche Ausformung ein regionaltypisches Erscheinungsbild. Bemerkenswert ist der differenzierte Einsatz des Baustoffes Holz.

Ein überaus spannendes Thema ist die „Aktivierung von kirchlichen Beständen“. Mit ihm kam das Integrative Wohnprojekt „Klarissenkloster Köln“ in die Kränze. (Foto: Jens Kirchner)

Das Erzbistum Köln Generalvikariat – Abt. Bau, Köln, realisierte mit LK Architekten Regina Leipertz und Martin Kostulski Partnerschaftsgesellschaft mbB, Köln, das Integrative Wohnprojekt Klarissenkloster in Köln, welches ebenfalls ausgezeichnet wurde. Pas Projekt schenkt dem Quartier einen neuen öffentlichen Raum, der als Klosteranlage lange Zeit verborgen war und stellt ihn einem bunten Bewohnermix mit Flüchtlingen und Jugendlichen zur Verfügung. Es erlaubt selbstverständliche Begegnungen im Alltag entstehen. Die gute Gestaltung in sorgfältiger Positionierung und Proportionierung der Neubauten lobte das Beurteilungsgremium ebenso wie ein sorgfältiger Umgang mit dem Bestand.

In der Kategorie „Urbane Quartiersentwicklung“ wurde der Bauherrenpreis dem Metropolenhaus am Jüdischen Museum in Berlin zugesprochen. (Foto: Sebastian Wells)

Die bfstudio Partnerschaft von Architekten mbB in Berlin konnte mit dem Metropolenhaus am Jüdischen Museum für die gleichnamige Bauherrschaft die Vergabe des Bauherrenpreis der Kategorie „Urbane Quartiersentwicklung“ für sich entscheiden. Das Projekt ist Teil einer Quartiersentwicklung um den ehemaligen Blumengroßmarkt in Berlin Friedrichstadt. Die Fassade zum Platz hin ist durch die großzügigen Loggien der dahinterliegenden Wohnungen geprägt. Auf der platzabgewandten Seite wird der knappe verbleibende Freiraum für gemeinschaftlich nutzbare Freiflächen und Kommunikationszonen genutzt. Die Erdgeschosszone ist für Gewerbeflächen, Gastronomie und Kulturangebote reserviert. Das wesentliche Merkmal des Projektes liegt in der Nutzungskonzeption, die sich in einem konzeptgebundenen Vergabeverfahren durchgesetzt hat. Unter dem Schlagwort „Sozialverpflichtung durch Eigentum“ sichern die Eigentümerinnen und Eigentümer für die nächsten 15 Jahre die wirtschaftliche Basis für die Kultur- und Gewerbebereiche im Erdgeschoss. 

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