Schwungvoll

Schulz und Schulz
7. Oktober 2020
Blick über das Lindenkarree auf die Unternehmenszentrale der Volksbank Raiffeisenbank Bayern Mitte (Visualisierung: Lindenkreuz Eggert)

Schulz und Schulz gewinnen den Wettbewerb um die Unternehmenszentrale der Volksbank Raiffeisenbank Bayern Mitte in Ingolstadt. Christian Wischalla stellt sich unseren Fragen zum Wettbewerb.

In Ingolstadt soll die Unternehmenszentrale der Volksbank Raiffeisenbank Bayern Mitte als Neubau entstehen. Welche Ausgangssituation haben Sie vorgefunden?

Der neue Hauptsitz der Volksbank Raiffeisenbank Bayern Mitte eG entsteht an einem besonderen Ort Ingolstadts. Das Grundstück liegt südlich der Donau am Rande des Klenzeparks, welcher Teil der historischen Glacisanlagen Ingolstadts ist. Das Baufeld liegt an einer wichtigen Kreuzungssituation des Quartiers in unmittelbarer Nachbarschaft zur Saturn-Arena. Ein sehr heterogenes bauliches Umfeld prägt derzeit die Situation. Mit dem Neubau entsteht die Chance, das Potential des Ortes optimal zu nutzen.

Situation (Zeichnung: Schulz und Schulz)
Lageplan und Piktogramme (Zeichnung: Schulz und Schulz)
Wie organisieren Sie die Gebäude?

Die Erschließung für den Verkehr – mit Zufahrt zu Kurzparkern und zur Garage - erfolgt von der Kreuzung Südliche Ringstraße/Manchinger Straße.

Der 6-geschossige Sockel der neuen Bankzentrale markiert das Areal an den wichtigen städtebaulichen Kanten. So entsteht zur Kreuzung Südliche Ringstraße/Manchinger Straße im Südosten der Haupteingang an einem neu gestalteten Vorplatz. Hierhin orientiert sich auch das neue Markt-Café mit Freisitz. Ein davon unabhängiger Haupteingang für externe Mieter liegt an der Nord-Westseite des Gebäudes. 

Im Erdgeschoss befinden sich die Servicebereiche mit dem meisten Kundenverkehr. Dieser Kundenbereich und die große Beratungszone im 1. Obergeschoss sind durch eine Wendeltreppe und einen angrenzenden Luftraum miteinander verbunden.

Die Büroetagen des Sockels bis zum 5. Obergeschoss sind flexibel im Rahmen der Bürokonzepte der zukünftigen Nutzer geplant. Die Aufteilung in einen Erschließungskern im Riegelteil und einen Hochhauskern im Turm ermöglicht eine vielfältige und flexible Nutzungsverteilung.

Alles mündet ab dem 6. Obergeschoss im Hochpunkt des Realisierungsteils mit einer schlanken Silhouette. Hier sind weitere flexible Büroflächen der Volksbank Raiffeisenbank untergebracht. 

Den oberen Abschluss bilden die Vorstandsetage, die Konferenzetage mit einem zum Stadtzentrum ausgerichteten Westbalkon sowie das zurückgesetzte Staffelgeschoss im 14. Obergeschoss mit Neben- und Technikräumen.

Grundrisse Erdgeschoss und 1. Obergeschoss (Zeichnung: Schulz und Schulz)
Schnitte (Zeichnung: Schulz und Schulz)
Welches architektonische Thema war Ihnen besonders wichtig?

Der Entwurf für Realisierungs- und Ideenteil nimmt in seiner Gesamtform den Schwung der Südlichen Ringstraße auf und situiert den Neubau damit eindeutig an diesem besonderen Ort. Die Ringstraße als wichtige, von der Donau kommende Tangente soll durch die schwungvoll begleitende Bebauung gestärkt werden.

Das Verständnis des Entwurfs von einer Bank von morgen besteht aus einem transparenten und gut proportionierten Gebäude, welches den besonderen Ort angemessen markiert. Der leichte Schwung der Längsfassaden reagiert dabei auf die unverwechselbare Lage an der Ringstraße.

 Blick auf Eingang und Foyer (Visualisierung: Lindenkreuz Eggert)
Gab es Vorgaben zu den Ausbau-Standards?

Die Ausloberin formuliert sehr klare Vorgaben an die Flexibilität der Büroflächen und den damit verbundenen Ausbau.

Ansichten Süd und Ost (Zeichnungen: Schulz und Schulz)
Gibt es Besonderheiten am vorgeschlagenen Energiekonzept?

Im Rahmen der Planung und nach Abschluss des Wettbewerbsverfahrens wird von der Ausloberin das eigene ganzheitliche und nachhaltige Energiekonzept fortgeschrieben. Ziel ist ein zukunftssicheres und wirtschaftliches Versorgungskonzept, welches die Wechselwirkungen des Primärenergiebedarfs, der Erstinvestition und der Betriebskosten berücksichtigt. Der Entwurf erfüllt alle Anforderungen an höchste Nachhaltigkeitsstandards und weist eine hohe Flächen- und Energieeffizienz vor.

Welche Materialstrategie schlagen Sie vor?

Jeder Fassade wird gleich viel Gewicht beigemessen werden. Die geschlossenen Bereiche der Fassaden sowie die Oberflächen der Fenster- und Brüstungsbänder bestehen aus silberfarbenen Metallelementen. 

In repräsentativen Zonen (Foyer, Café, Konferenzbereich, Vorstand) bilden warme Holztöne und farbige Akzente in Anlehnung an das CI/CD der Volksbank Raiffeisenbank einen innenarchitektonischen Kontrast zur hellen und metallischen Außenerscheinung.

In den Büroetagen ist das Erscheinungsbild durch flexible und hochwertige Bürotrennwandsysteme geprägt. Dadurch kann auf individuelle CI/CD der einzelnen Mieter und den anpassungsfähigen Büroausbau reagiert werden. Bei gleichbleibend hohem gestalterischen Ausbaustandard sind so unterschiedliche Trennungen und Zonierungen möglich, zum Beispiel geschlossene Trennwände, transparente oder transluzente Glastrennwände, brüstungshohe Trennelemente mit Schallabsorptionsfunktion zur individuellen und flexiblen Arbeitsplatzzonierung.

Detail (Zeichnung: Schulz und Schulz)
Gibt es schon einen geplanten Fertigstellungstermin?

Das werden die Abstimmungen der nächsten Wochen zeigen. Im Moment geht das Projekt zielstrebig und zügig voran.

Modell (Foto: Schulz und Schulz)
Modell (Foto: Schulz und Schulz)
Unternehmenszentrale der Volksbank Raiffeisenbank Bayern Mitte in Ingolstadt
Einladungswettbewerb
 
Auslober/Bauherr: Volksbank Raiffeisenbank Bayern Mitte, Ingolstadt | STRABAG Real Estate GmbH, Berlin, Hannover, Hamburg, Stuttgart, Köln, Düsseldorf, Freiburg i. Br.
Betreuer: bgsm Architekten Stadtplaner, München
 
Jury
Prof. Dr. Franz Pesch, Vors. | Rita Ahlers | Prof. Maria Auböck | Ulrike Brand | Simon Jüttner | Prof. Thomas Knerer | Kersten Waltz
 
1. Preis
Architekt: Schulz und Schulz, Leipzig
Landschaftsarchitekt: r+b landschaft s architektur, Dresden
https://german-architects.com/de/randb-landschaft-s-architektur-dresden
Visualisierer: Lindenkreuz Eggert | Bildermacherei & Utopografie, Dresden
 
2. Preis
Architekt: garnisch + werndle architekten GmbH, Ingolstadt
Architekt: bakpak Architects, Sevilla (ES)
Landschaftsarchitekt: adlerolesch Landschaftarchitekten GmbH, Nürnberg, München
 
3. Preis
Architekt: Auer Weber, Stuttgart, München
Landschaftsarchitekt: realgrün Landschaftsarchitekten, München

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