Neue Eingangssituation

wulf architekten
22. April 2020
Foyer des Kundenzentrums (Foto: Brigida González)

Für Bosch Automotive Steering realisierten wulf architekten eine hochwertige und moderne Arbeitsumgebung mit neuer Eingangssituation auf dem Werksgelände in Schwäbisch Gmünd. Ingmar Menzer beantwortet unsere Fragen zum Projekt.

Worin liegt das Besondere an dieser Bauaufgabe?

Das Gesamtprojekt umfasst die räumliche und bauliche Neuordnung eines Teils des Firmengeländes. Dazu gehören ein Kundenzentrum, ein Empfangsgebäude und ein Parkhaus sowie die Neugestaltung der Freianlagen und Renaturierung der beiden vorhandenen Bachläufe. Es entstand eine neue Eingangssituation für das Werksgelände, das sich am Ende des Schießtals, nördlich von Schwäbisch Gmünd, befindet. Die Umgebung erforderte im Zusammenhang mit der landschaftlichen Situation eine sensible planerische Grundhaltung. Die Baukörper fügen sich als organisch fließende Formation in die Talsenke ein, passen sich an bestehende architektonische und topografische Raumkanten an und schaffen einen Übergang zum rational strukturierten Werksgelände. So wurden die Anforderungen des Bauherren, eine attraktive Arbeitsumgebung zur Stärkung des Standortes zu schaffen, erfüllt.

Empfangsgebäude und Kundenzentrum (Foto: Brigida González)
Welche Inspirationen liegen diesem Projekt zugrunde?

Ausgangspunkt für die Bearbeitung der Entwurfsaufgabe war die Neuordnung von äußeren und inneren Abläufen durch die Integration diverser Gebäudeteile (Büro- und Empfangsgebäude sowie Parkhaus) in ein heterogen gewachsenes Gefüge. Die funktionalen, städtebaulichen und architektonischen Anforderungen wurden so gelöst, dass der gestalterische Anspruch der Bosch Automotive Steering, auch unter dem Aspekt einer Corporate Architecture, erfüllt wird, und eine intelligente Lösung der komplexen infrastrukturellen Abläufe gewährleistet wird. Der streng-rationalen Welt der Industriehallen wurde bewusst eine organische Formation mit poetischem Ausdruck entgegengesetzt. Die neue Arbeitswelt reagiert auf das Bedürfnis nach einem ausdifferenzierten Arbeitsalltag und bietet erholsame Pausen in einer naturnahen Umgebung. 

Besprechungsraum (Foto: Brigida González)
Wie reagiert der Entwurf auf den Ort?

Das Werksgelände ist gefasst von bewaldeten Hügeln und wird von zwei Bachläufen durchzogen. Dem äußeren Bild der geschwungenen topografischen Silhouette und mäandrierenden Bachläufe entsprechen grundsätzlich die im Werksgelände zirkulierenden Bewegungen der Verkehrsabläufe. Die baukörperliche Gliederung sowie die geschwungene Fassade ermöglichen eine feingliedrige Raumbildung im Zusammenhang mit den Bestandsgebäuden. Zugleich gibt die Landschaft Form und Position der Gebäude vor, sodass sich die neuen Baukörper mit ihrer Formensprache in die Umgebung einfügen. Im Bereich der Obergeschosse teilt sich das Kundenzentrum in den südlichen, fünf- und den nördlichen, siebengeschossigen Baukörper auf. So entsteht einerseits die architektonisch gewünschte Gliederung der Baumasse, anderseits eine Höhenstaffelung, die der Topografie folgt. Mit einem solitärhaften Charakter schaffen die neuen Gebäude eine Gegenwelt, die auf Topografie und Landschaft reagiert. Sie integrieren diese in ihre Architektur, wodurch sich Erholungsorte ergeben: (Dach-)Terrassen, Plattformen oder Sitzstufen an den Bachläufen.

Empfangsgebäude und Parkhaus prägen die neue Eingangssituation zum Werksgelände (Foto: Brigida González)
Beeinflussten aktuelle energetische, konstruktive oder gestalterische Tendenzen das Projekt?

Die verglasten Fassaden ermöglichen ein helles und transparentes Gebäudeinneres. Am Kundenzentrum dienen geschosshohe, vorgestellte Vertikallamellen als Sonnenschutz. Sie sind drehbar und werden automatisch mit dem Sonnenstand geführt, sodass stets eine optimale Tageslichtversorgung gewährleistet ist. Wärme und Strom werden mittels eines Hackschnitzel-Blockheizkraftwerks erzeugt, außerdem wird Abwärme als Energiequelle genutzt.

Blick in das Empfangsgebäude (Foto: Brigida González)
Außenterrasse der Seminarräume als Erholungsraum (Foto: Brigida González)
Welche speziellen Produkte oder Materialien haben zum Erfolg des vollendeten Bauwerks beigetragen?

Das Gebäude zeichnet sich durch seine Helligkeit und Transparenz aus, die auf die Verwendung von Glas, auf die Dominanz der Farbe Weiß sowie auf den hellen Boden aus geschliffenem Estrich und Parkett zurückzuführen ist. Wandverkleidung, Parkett, Möbel sowie sonstige Einbauelemente sind aus Baubuche gefertigt und lassen eine warme Atmosphäre entstehen.

Dachterrasse auf dem Kundenzentrum (Foto: Brigida González)
Freianlagen mit Sitzstufen zum renaturierten Bachlauf (Foto: Brigida González)
Die neuen Baukörper formen eine Gegenwelt zum bestehenden Werksgelände (Luftbild: wulf architekten)
Skizze Wettbewerb (Bild: wulf architekten)
Schwarzplan (Zeichnung: wulf architekten)
Grundriss Erdgeschoss mit Grünflächen (Zeichnung: wulf architekten)
Schnitt Kundenzentrum (Zeichnung: wulf architekten)
Kundenzentrum mit Empfangsgebäude und Parkhaus 
Bosch Automotive Steering in Schwäbisch Gmünd
2019
Richard-Bullinger-Straße 77
73527 Schwäbisch Gmünd
 
Nutzung
Büro- und Verwaltungsgebäude
 
Auftragsart
Wettbewerb: 10/2012, 1. Preis (Mehrfachbeauftragung) 
 
Bauherrschaft
Robert Bosch Automotive Steering GmbH, Schwäbisch Gmünd
 
Architektur
wulf architekten, Stuttgart
Planungsteam: Alexander Vohl, Ingmar Menzer (verantwortliche Partner), Daniela Scholz (PL), Julian Baun, Manuel Cabezas, Marcus Ehrhardt, Seda Ersal, Fabian Geiger, Bartek Grzanka, Patrick Müller, Philipp Wagner

Fachplaner
Tragwerksplanung: wh-p GmbH, Stuttgart
Landschaftsarchitekt: Jetter Landschaftsarchitekten, Stuttgart
HLS- / Elektroplanung: DS Plan, Stuttgart
Bauphysik: Drees & Sommer Advanced Building Technologies GmbH, Stuttgart
Leitsystem: büro uebele, Stuttgart
Konzeption Bürowelt: Studio Alexander Fehre, Stuttgart
 
Bauleitung
Alber & Schulze Baumanagement GmbH, Stuttgart
 
Ausführende Firmen
Schreinerarbeiten: Single Innenausbau GmbH, Frickenhausen
Lamellenfassade: Colt International GmbH, Solar Shading, Berlin
PR-Fassade: Heinrich Würfel Metallbau, Sontra
Estrich: Hubert Pupeter GmbH, Aichach an der Paar
Schlosser (Geländer Foyer): E. Roleff GmbH & Co. KG, Württ (Schlosser)
 
Hersteller
Lamellenfassade: Colt International GmbH, Osterfeld
Oberlichter: LAMILUX Heinrich Strunz Holding GmbH & Co. KG, Rehau
Lamellenfassade: Colt International GmbH, Solar Shading, Am Borsigturm 31, 13507 Berlin-Tegel
Oberlichter: LAMILUX Heinrich Strunz Holding GmbH & Co. KG, Rehau
Markisen: J. Paul GmbH, Filderstadt
Geschliffener Estrich: Chemotechnik Rheorapid SZ
Parkett, Wandverkleidung, Gardaroben, Sitzstufen: Pollmeier Baubuche
Akustikbaffeln: GFAG BTK Akustikbaffel
Holzlamellendecke: Hunter Douglas
Metallrasterdecke: Durlum Ticell
Heiz-Kühldecken: Zent Frenger, Typ Uni und Quello
Sauberlaufmatten: Fuma 
Systemtrennwände: Lichte, System 700 glas, Empfangsgebäude
Lichte, Systemwand 100 geschlossen, Empfangsgebäude
Aufzug: Brobeil
PR-Fassade: Wicona
Steckdosen/Schalter: JUNG
Systemboden/Doppelboden: Apleona
 
Bruttogeschossfläche
Gesamt: 32.422 m²
(Kundenzentrum und Empfangsgebäude: 16.341m²; Parkhaus: 16.081m²)
 
Gebäudevolumen
102.759 m³
(Kundenzentrum und Empfangsgebäude: 59.339 m³; Parkhaus: 43.420 m³)
 
Gesamtkosten
k. A. 
 
Fotos
Brigida González für wulf architekten
Luftbild: wulf architekten

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