Jahresrückblick

Perspektiven, Debatten und Harmonie

 Manuel Pestalozzi
24. Dezember 2018
Repräsentativ bauen für die Medienwelt. taz-Neubau in Berlin. (Bild: Rory Gardiner)
Das ausgehende Jahr war für Architektinnen und Architekten ein gutes: Es wird weiter geplant und gebaut. Neue Horizonte öffneten sich, für anregende Debatten gab es reichlich Anlass. Und da und dort wurden harmonischere Verhältnisse geschaffen.
Lücken füllen in Berlin
Im Januar fielen die Würfel für ein neues Stück Berlin. Auf dem Areal nördlich des Hauptbahnhofs und entlang der Heidestraße in Berlin entsteht „Europa City“. Die Wohn- und Geschäftsstadt soll Ost und West wieder miteinander verknüpfen. Vier Wettbewerbsergebnisse bestimmen seine Gestalt. Die Projekte stammen von den Architekturbüros CKRS, ROBERTNEUN, EM2N und Allmann Sattler Wappner. Bis Anfang 2023 soll „Eurocity“ komplett fertiggestellt sein.
 
Simulation Quartier Europacity, Berlin. © ca immo deutschland; visualisierung: bünck+fehse; berlin; Luftbild: Dirk Laubner, Berlin
Deutschland in Venedig
2018 stand im Zeichen der Architekturbiennale in der Lagunenstadt. Die drei GRAFT-Gründer Lars Krückeberg, Wolfram Putz und Thomas Willemeit mit Ko-Kuratorin Marianne Birthler (ehemalige Bundesbeauftragte für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der DDR) zeichneten für den Beitrag Deutschlands verantwortlich. Den Ruf der Kuratorinnen Yvonne Farrell und Shelley McNamara nach Freespace beantworteten sie mit der Ausstellung Unbuilding Walls. Die innerdeutsche Mauer machten sie zum „Hintergrund für die internationale Debatte über Ausgrenzung und Spaltung“. Bis jetzt gab es noch keinen Hinweis darauf, dass die Ausstellung hohe Wellen zu werfen vermochte. Aber das kann vielleicht ja noch werden?
Lars Krückeberg, Thomas Willemeit, Marianne Birthler und Wolfram Putz trugen die Botschaft „Unbuilding Walls“ nach Venedig. (Bild: Pablo Castagnola)
Kontroverse Rekonstruktion in Frankfurt
Dann wurde im ausgehenden Jahr die neue Altstadt von Frankfurt am Main „eröffnet“. Manchen liegt sie mit ihrer (vermeintlichen?) Botschaft einer Rekonstruktion um jeden Preis etwas schwer auf dem Magen. Doch kontroverse Projekte befördern auch die Debatte. Jenseits grundsätzlicher Fragen zum Gesamtprojekt lohnt sich ein individueller Blick auf einzelne, der insgesamt 36 Neubauten im Dom-Römer-Areal. Interessant sind dabei vor allem die 21 Projekte, die in Architekturwettbewerben ausgewählt wurden und unter Einhaltung der Gestaltungssatzung entstanden. German Architects stellte drei von Ihnen vor.
Blick auf die neuen Stadthäuser im Dom-Römer-Areal von Frankfurt am Main. (Bild: Uwe Dettmar)
Vertrauen und Wahrheit
Missbrauchte Machtpositionen und Fake News sorgten in den vergangenen Monaten für mehr Erregung denn je. Auch Architekten gerieten in den Strudel der #MeToo Anklagen. Andere bauten für Medienhäuser, die angesichts des digitalen Wandels bei der Informationsvermittlung starken Gegenwind zu spüren bekommen – und auch um Vertrauen in den Wahrheitsgehalt ihrer Informationen kämpfen müssen. Neue Medienhäuser, wie das im Titel abgebildete taz-Gebäude, zeigen, wie die Architektur heute ohne Rückgriffe auf Konventionen der Vergangenheit repräsentativ wirken kann. Und wie sie den Eindruck zu vermitteln vermag, dass hinter den Scheiben in Teams, die einen respektvollen Umgang pflegen, redliche, wahrheitsgetreue Inhalte erzeugt werden.

Verwandte Artikel

Vorgestelltes Projekt

RIPOLLTIZON

19 SOCIAL DWELLINGS IN SA POBLA

Andere Artikel in dieser Kategorie

Yin und Yang
vor einem Tag
Circus Maximus
vor 6 Tagen
m/w/d
vor einer Woche
Ausgezeichneter Nachwuchs
vor einer Woche
Urbanes Pass-Stück
vor einer Woche