Charles Jencks (1939 – 2019)

John Hill, Katinka Corts
15. Oktober 2019
The Cells of Life von Charles Jencks, Jupiter Artland (Foto: Allan Pollok-Morris, courtesy of Jupiter Artland)

Der einflussreiche Architekturhistoriker und Landschaftsgestalter ist vergangenen Sonntag im Alter von 80 Jahren in London gestorben.

Breit waren seine Interessen und umfassend sein Wirken – Charles Jencks arbeitete als Kulturtheoretiker, Landschaftsarchitekt, Architekturhistoriker und war Mitbegründer der Maggie's Cancer Care Centers. 

Am bekanntesten wurde er jedoch für seine Schriften zur postmodernen Architektur, insbesondere für The Language of Post-Modern Architecture, die erstmals 1977 veröffentlicht und seitdem mehrfach aktualisiert wurde. Darin verortet er den Tod der modernen Architektur auf den „15. Juli 1972 um 15.32 Uhr (oder so ungefähr)“, als das öffentliche Wohnungsbauprojekt Pruitt-Igoe in St. Louis, Missouri, gesprengt wurde. Nach diesem klassischen Buch schrieb er Dutzende weitere, von denen viele die Postmoderne und andere Architekturaspekte des späten 20. Jahrhunderts untersuchten.

Charles Jencks's berühmter „Evolutionary Tree of Twentieth-Century Architecture

2003 gründete Jencks den RIBA Charles Jencks Award, „um eine Person (oder Praxis) auszuzeichnen, die in letzter Zeit einen wichtigen Beitrag zur Theorie und Praxis der Architektur geleistet hat.“ Träger waren unter anderem Alejandro Aravena (2018), Herzog & de Meuron (2015) und Rem Koolhaas (2012). Wer Jencks ständigen Platz in der Jury übernehmen wird, ist noch nicht geklärt.

Maggie’s Dundee, 2003; Architekt: Frank Gehry, Gehry Partners, LLP; Landschaftsgestaltung: Arabella Lennox-Boyd (Foto: © Maggie’s Centres)

Neben seinen Schriften beschäftigte er sich mit Landschaftsgestaltungen, die er nicht nur in Großbritannien ausführte. Die Parks und Gärten, die Jencks schuf, prägten geschwungene und spiralförmige Landformen, die seine kosmologischen Überzeugungen zum Ausdruck brachten. Sein eigener Garten in Schottland ist die bekannteste dieser Kreationen. Jencks engagierte sich zudem für die Maggie-Zentren – kleine Zentren zur therapeutischen Unterstützung bei Krebserkrankungen –, die er und seine später an Brustkrebs verstorbene Frau Maggie Keswick gegründet hatten. Wie ihr Ehemann hat sie sich für Landschaftsgestaltung entschieden (ihr berühmtestes Buch war The Chinese Garden von 1978) und sich für kleine, intime Gebäude für Krebspatienten ausgesprochen, die stark mit ihren Landschaften verbunden waren. Die vielbewunderten Gebäude wurden von Frank Gehry, Steven Holl und anderen großen Namen mit Landschaften von Jencks und anderen entworfen, die alle den Idealen von Keswick in ihren letzten Monaten und Tagen entsprachen.

Charles Jencks mit Pierre de Meuron, auf der Bühne des WAF 2017 (Foto: John Hill/World-Architects)

Jencks Vermächtnis wird durch seine zahlreichen Bücher, Landschaftsentwürfe und die Maggie-Zentren gesichert. Wie auf der Website von Maggie's zu lesen ist, soll Charles' Londoner Haus zukünftig unter dem Titel The Cosmic House als Museum zu besichtigen sein.

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