Kita in Hanglage

Reichel Schlaier Architekten
20. Juli 2022
Zum Schutz des großen Vogelbestandes der näheren Umgebung wurden die Fensterflächen von außen bedruckt. Die Motive aus der Welt der Meerestiere schaffen einen phantasieanregenden Kontrast im Umfeld der „Jägerhalde“. (Foto: Brigida González)
Worin liegt das Besondere an dieser Bauaufgabe?

Das Besondere an dieser Bauaufgabe ist sicherlich das Grundstück. Es liegt am Stadtrand von Stuttgart-Wangen an der Grenze zum Naturschutzgebiet mit wunderschönen Streuobstwiesen. Die Hanglage ermöglich einen Blick über das Neckartal bis auf die Grabkapelle auf dem Rotenberg auf der anderen Hangseite.

Die ausfahrbaren Markisen bieten, neben dem Sonnenschutz im Innenraum auch Schatten für die außen liegenden Spielbereiche. (Foto: Brigida González)
Welche Inspirationen liegen diesem Projekt zugrunde?

Aus der besonderen Lage leitet sich das Konzept des Gebäudes ab: der zweigeschossige Baukörper wird rückwärtig in das Gelände eingebettet, seine begrünten Dachflächen sind begehbare Spielflächen. So passt sich der Neubau perfekt in die Umgebung ein und wirkt nicht als Fremdkörper. Aus der Ferne betrachtet, verschwindet das Gebäude nahezu in der Topografie. Einzig die talseitigen Außenwände sind sichtbar, die hellgrauen Faserzementplatten liegen wie Weinbergmauern in den Hang. 

Die Gruppenräume der größeren Kinder befinden sich im Obergeschoss, durch Öffnen der großen Glaselemente werden die Gruppenräume um den Außenbereich vergrößert. (Foto: Brigida González)
Wie reagiert der Entwurf auf den Ort?

Im Berg „vergraben“ befinden sich die Nutzflächen und Flure, die über großzügige Oberlichter bis ins Erdgeschoss natürliches Licht erhalten. Auf der Hangseite sind die Gruppen- und Schlafräume sowie der Bewegungsraum. Durch die raumhohe und breite Verglasung besteht in allen Bereichen der Bezug zur Landschaft und die Weite, die sich durch die Hanglage ergibt, wird spürbar. 

Die lichtdurchfluteten und gut proportionierten Räume, können nur durch das Öffnen der Türen um den Außenbereich vergrößert werden. Die ausfahrbaren Markisen bieten, neben dem Sonnenschutz im Innenraum auch Schatten für die außen liegenden Spielbereiche.

Inwiefern haben Bauherrschaft, Auftraggeber oder die späteren NutzerInnen den Entwurf beeinflusst?

Bauten für Kinder sind immer besonders spannenden Bauaufgaben, wir haben versucht viele Dinge aus Kinderaugen zu sehen und Entscheidungen aus Sicht der Kinder zu treffen.

Der Außenspielbereich des Obergeschosses geht in eine große Dachterrasse mit Sandspiel- und Matschbereich über. Vom Spielturm und den Schaukeln aus kann man das Neckartal noch besser überblicken. (Foto: Brigida González)
Wie hat sich das Projekt vom ersten Entwurf bis zum vollendeten Bauwerk verändert?

Die Idee das Gebäude in den Hang zu schieben und daraus Spielflächen im Außenbereich zu generieren, bestand schon zu Beginn der Entwurfsphase. Auch der Bauherr war von Anfang an überzeugt von der Gestaltungsidee. Es gab also keine größeren Veränderungen im Entwurf.

Die dezente Material- und Farbwahl im ganzen Kitagebäude wird punktuell von kräftigen Farbakzenten in orange durchbrochen, diese dienen der Sicherheit der Kinder im Innenbereich, an der Treppe und den innen liegenden Glaselementen. (Foto: Brigida González)
Beeinflussten aktuelle energetische, konstruktive oder gestalterische Tendenzen das Projekt?

Da das Gebäude zu einem großen Teil in den Hang eingegraben ist, ergibt sich eine wirksame rückkühlende Wirkung, die einer Überhitzung des verglasten Gebäudes entgegenwirkt. Zum Schutz des großen Vogelbestandes der näheren Umgebung wurden die Fensterflächen von außen bedruckt. Die Motive aus der Welt der Meerestiere schaffen einen phantasieanregenden Kontrast im Umfeld der „Jägerhalde“.

Die Innen- und Außenbereiche fließen ineinander über und sind lediglich durch Glasfronten getrennt, die sich bei Bedarf öffnen lassen. So können die Kinder die Natur und die Landschaft mit allen Sinnen erleben. (Foto: Brigida González)
Welche speziellen Produkte oder Materialien haben zum Erfolg des vollendeten Bauwerks beigetragen?

Die wenigen sichtbaren Fassadenteile sind mit hellgrauen Eternit- Faserzementplatten verkleidet. Das Material sorgt dafür, dass das Gebäude im Hang sichtbar ist, sich aber eher zurücknimmt und aus der Ferne wie Weinbergmauern wahrgenommen wird.

Schwarzplan (Zeichnung: Reichel Schlaier Architekten)
Grundriss Erdgeschoss (Zeichnung: Reichel Schlaier Architekten)
Grundriss Obergeschoss (Zeichnung: Reichel Schlaier Architekten)
Querschnitt (Zeichnung: Reichel Schlaier Architekten)
Querschnitt (Zeichnung: Reichel Schlaier Architekten)
Kita Jägerhalde
2021
Jägerhalde 83
70327 Stuttgart-Wangen

Auftragsart
Neubau

Bauherrschaft
Landeshauptstadt Stuttgart, Referat WFB, Amt für Liegenschaft und Wohnen, vertreten durch Technisches Referat, Hochbauamt 65-3
 
Architektur
Reichel Schlaier Architekten GmbH, Freie Architekten BDA, Stuttgart
Projektleitung: Christine Spetzler, Roman Rosert
 
Fachplanung
Tragwerksplanung: Pfefferkorn Ingenieure GbR, Stuttgart
Prüfstatik: Ingenieurbüro Rathgeb GmbH & Co KG, Esslingen
HLS, Elektro, Aufzug: Hetzel mbH & Co KG, Stuttgart
Landschaftsarchitekt: Mundsinger und Hans Freie Landschaftsarchitekten, Ostfildern
 
Bauleitung
Wolfram Sponer Architekten, Stuttgart
 
Ausführende Firmen
Verbau/ Erdbau: JMS GmbH & Co. KG, Weinstadt 
Rohbau: Fa. Grötz Bauunternehmung GmbH, Nürtingen 
Fenster/ Sonnenschutz: FT-Vilstal GmbH, Rieden/Vilshofen / W-M-Planung, Rheinau 
Gerüstbau: Arnold GmbH, Korntal-Münchingen 
Dachdichtung: Werner Scholz GmbH & Co. KG, Aalen 
Schlosser: schmid + drüppel Metallbau, Böblingen 
Vorgehängte Hinterlüftete Fassade Eternitfassade: HSP Fassaden, Kolkwitz 
Putz und Trockenbau: Ullrich & Schön, Fellbach-Schmiden 
Sanitär: Fa. Kotz Haustechnik, 70188 Stuttgart 
Aufzug: Schmitt + Sohn Aufzüge GmbH, Tübingen 
Blitzschutz: Netze BW GmbH, Stuttgart 
 
Hersteller
Bodenbelag: Uni Walton, Forbo
Boden/Wände Bäder und Küche: Serie Granifloor / Princess Ceramic – Supra Plus, Villeroy & Boch
Decke: Heradesign superfine, Heradesign
Grundierung / Farbe Wand: Wandprimer ELF 3729 / Kalisil 1909
RAL 9003 signalweiß, Brillux

Bruttogeschossfläche
1.150 m²
 
Gebäudevolumen
3.800 m³
 
Gesamtkosten
3.200.000 €
 
Fotos
Brigida González

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