Erlebnis-Hus St. Peter-Ording

Holzer Kobler Architekturen
20. März 2024
Blick von den Salzwiesen auf das Erlebnis-Hus (Foto: Jan Bitter)
Worin liegt das Besondere an dieser Bauaufgabe?

Unsere Aufgabe bestand darin, ein nachhaltiges, ökologisches und touristisch wie gesellschaftlich innovatives Gebäude zu entwickeln, das zur Attraktivität des Ortes beiträgt. Es soll unter dem Aspekt der Inklusion Besucher*innen aller Altersgruppen und Hintergründe als ein Treffpunkt dienen, der formal und funktional auf lokaler Ebene verankert ist und zudem überregional eine starke Identität ausstrahlt.

Wir interpretieren die identitätsstiftenden Pfahlbauten vor Ort mit einer beeindruckenden sechsgeschossigen freibewitterten Holzkonstruktion. Sie wird zum neuen Landmark der Gemeinde St. Peter-Ording.

Welche Inspiration liegt diesem Projekt zugrunde?

Die bereits seit 1911 bestehende Tradition von Pfahlbauten am Strand von St. Peter-Ording.

Blick vom Deich auf den Neubau (Foto: Jan Bitter)
Wie reagiert der Entwurf auf den Ort?

Das neue Erlebnis-Hus bildet den Höhepunkt und Abschluss der erweiterten Strandpromenade hinter dem Deich, die gleichzeitig als Verbindung der beiden Orte Bad und Dorf dienen soll. Trotz der auffälligen Form fügt es sich mit seiner Holzkonstruktion sensibel in die Umgebung des Weltkulturerbes Wattenmeer ein. Die Holzmatrix des neuen Pfahlbaus läuft organisch in das Umfeld aus und dient als Gerüst für Spielgeräte. Ein Steg verbindet die Eingangsebene des Gebäudes barrierfrei mit dem Deich, auf dem sich eine erhöhte Ausgangsplattform befindet.

Haben Sie den Auftrag über einen Wettbewerbsbeitrag oder direkt erteilt bekommen?

Der Auftrag ging 2017 aus einem freiraumplanerischen Wettbewerb hervor, den wir zusammen mit dem Landschaftsarchitekturbüro Uniola gewonnen haben.

Blick vom Deich auf das Spiele-Hus (Foto: Jan Bitter)
Windschutz an der Terrasse des Restaurants (Foto: Jan Bitter)
Inwiefern haben Bauherrschaft, Auftraggeber oder die späteren Nutzer*innen den Entwurf beeinflusst?

Die Tourismus-Zentrale bewirtschaftet und pflegt alle Pfahlbauten der Gemeinde selbst. Somit ist eine jahrelange Erfahrung und Expertise vorhanden, wie mit freibewitterten Holzkonstruktionen umzugehen ist. Dadurch waren der Mut und der Wille da, dieses ungewöhnliche Projekt zu realisieren. Während der ganzen Planung und Bauphase gab es eine enge Zusammenarbeit und Abstimmung mit den Bauherren.

Die 47 Meter lange Rutsche (Foto: Jan Bitter)
Wie hat sich das Projekt vom ersten Entwurf bis zum vollendeten Bauwerk verändert?

Tatsächlich ist das Projekt vom Wettbewerb bis zur Fertigstellung fast ohne gestalterische Änderungen umgesetzt worden. Holzknappheit, Corona und die Ukrainekrise führten allerdings dazu, dass sich die Baukosten um knapp ein Drittel erhöht haben.

Inwiefern haben Sie im Projekt die Verwendung von Naturbaustoffen und zirkulären Baustoffen angestrebt?

Das Gebäude ist ein Holzhybridbau. Ein Stahlbetonwinkel beherbergt die Fluchttreppe, den Aufzug sowie die Lagerräume auf Promenadenebene. 

Die Holzmatrix besteht aus Brettschichtholz und die fünf Kuben aus Brettsperrholz mit einer vorgehängten Holzfassade. Stahl haben wir als Verbindungsmittel und in Form aussteifender Elemente nur dort eingesetzt, wo es notwendig war.

Die Holzkonstruktion ist komplett rückbaubar, Träger und Stützen sind in jedem zweiten Raster austauschbar.

Skatedeich (Foto: Jan Bitter)
Welche digitalen Instrumente haben Sie bei der Planung eingesetzt?

Es war nicht gefordert, die Planung in BIM zu erstellen. Wir haben das Gebäude dennoch 3D mit BIM geplant, um die Komplexität in den Griff zu bekommen.

Spielgeräte in der Holzmatrix (Foto: Jan Bitter)
Beispiel eines Knotenpunkts im Aussenbereich (Foto: Jan Bitter)
Beschäftigten Sie sich im Büro mit den Tendenzen des zirkulären Bauens und der sozialen Nachhaltigkeit?

Nach dem Motto »im, auf, drunter, daneben, drum herum spielen« ist mit dem Erlebnis-Hus ein Ort entstanden, der ein Programm für alle bietet – egal welcher Altersklasse und Herkunft und egal, welche körperlichen Einschränkungen vorhanden sind. Weil die unterschiedlichen Angebote überall am und auf dem Gebäude verteilt sind, interagieren die Menschen mit dem Haus und bewegen sich darauf, wodurch eine Lebendigkeit und ein neuer Begegnungsort entstehen. 

Architektur zu schaffen, die die Menschen berührt und anspricht, barrierefreie Begegnungsorte entstehen zu lassen und damit einer sozialen Nachhaltigkeit gerecht zu werden, sind wichtige Themen in allen unseren Entwürfen. Sei es im Städtebau, Hochbau oder in der Szenografie, wir haben die Erfahrung gemacht, dass eine Gestaltung, die alle mitnimmt, nicht nur in der Entwicklung viel Spaß macht, sondern auch nach Fertigstellung von den Menschen sehr positiv angenommen wird und diese inspiriert.

Spiele-Hus (Foto: Jan Bitter)
Beispiel eines Knotenpunkts im Gebäudeinneren (Foto: Jan Bitter)
Erlebnis-Hus St. Peter-Ording (Axonometrie: Holzer Kobler Architekturen)
Grundriss Erdgeschoss (Zeichnung: Holzer Kobler Architekturen)
Grundriss 1. Obergeschoss (Zeichnung: Holzer Kobler Architekturen)
Grundrisse 2. und 3. Obergeschoss (Zeichnungen: Holzer Kobler Architekturen)

Grundrisse 4. und 5. Obergeschoss (Zeichnungen: Holzer Kobler Architekturen)
 
Schnitte (Zeichnungen: Holzer Kobler Architekturen)
 
Erlebnis-Hus St. Peter-Ording
2023
Fritz-Wischer-Straße 1
25826 St. Peter-Ording

Auftragsart
Generalplanung
 
Bauherrschaft
Tourismus-Zentrale St. Peter-Ording
 
Architektur
Holzer Kobler Architekturen GmbH, Berlin
Team: Andrea Zickhardt, Max Kaske, Ingo Böhler, Philip Norman Peterson, Heike Zeschke, Julia Kull, Sebastian Hübsch
 
Fachplaner
Freiraumplanung: Uniola AG Landschaftsarchitektur Stadtplanung, Berlin | Andreas Kotlan, Yvonne Schwerk
Lichtplanung: Lichtvision Design, Berlin | Carla Wilkins
Tragwerk: ifb frohloff staffa kühl ecker Beratende Ingenieure, Berlin | Andreas Hertel
Brandschutz: brandschutz plus GmbH,  Berlin | Reinhard Eberl-Pacan, Flavio Villani
Bauphysik: Müller-BBM GmbH, Berlin | Michael Pfister+
Heizung/Sanitär/Lüftung: Ingenieurbüro Pahl und Jacobsen Technische Gebäudeausrüstung | Heide, Horst Pahl
Elektro: Ingenieurbüro für Elektrotechnik GDP PartmbB Thöming, Sieck, Kagelmann, Büdelsdorf | Jürgen Mond
 
Bauleitung
Assmann Beraten + Planen GmbH, Hamburg | Roland Pape
 
Ausführende Firmen
Holzbau: Terhalle Holzbau GmbH,  Ahaus-Ottenstein | Maximilian Berning 
Rohbau: HC Hagemann GmbH & Co. KG, Hamburg | Clemens Krumm 
Fassade/Trockenbau: Heinrich Kersten Baugesellschaft mbH, Drelsdorf | Tim Stoltenberg 
Dachdeckung/Dachabdichtung: Schindler Haus- und Dachpflege GmbH & Co. KG, Sondershausen | Max Schindler 
Metallbau 1: H. O. Schlüter GmbH, Hanerau-Hademarschen | Jan Göttsche
Metallbau 1: Hardt Edelstahl- und Metallbau, Tellingstedt | Dirk Adamsdotter 
Malerarbeiten: Maler Peters GmbH, St. Peter-Ording | Stefan Peters 
Bodenbeläge: Bornhof GmbH, Husum | Ingo Bornhof 
Tischlerarbeiten: Körling Interiors GmbH & Co. KG, Dortmund | Jan Siegfried 
Rutsche: Atlantics GmbH,  Döbeln | René Clausnitzer 
Spielgeräte: Werkform GmbH, Brand-Erbisdorf | Andrea Haupt

Hersteller
Holzfassade: Fichte Profilbretter vertikal mit Nut und Feder, Beschichtung mit Schlammfarbe von Falu Vapen 
Glasfassade: Pfosten-Riegel Fassade mit Sonnenschutzverglasung Aluminium, Oberfläche eloxiert, E6/EV1 
Fenster: Aluminium, Oberfläche eloxiert, E6/EV1 Beschlag: FSB 
Eingangstüren: Aluminiumrahmen mit geschlossenem Panel Oberfläche eloxiert, E6/EV1, Beschlag: FSB 
Innentüren: Holztüren in Trockenbauwänden mit Umfassungszarge Oberfläche gestrichen in RAL 9006 – weißaluminium, Beschlag: FSB 
Bodebbelag Innenbereiche: Oberfläche Linoleum, Forbo Marmoleum Concrete 
Akustikdecke: Holzwolleplatten, Cewood Fine 
Schalterserie: Jung LS 990, Aluminium
 
Energiestandard
EnEV 2016

Bruttogeschossfläche
knapp 3.000 m² 

Gebäudevolumen
8.680 m³ 

 Gesamtkosten
12.600.000 € (inkl. Promenade)
 
Auszeichnung
Heinze Award Sonderbau
 
Fotos
Jan Bitter

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