Nestbau⁴

haascookzemmrich STUDIO2050
2. November 2022
Blick auf Nestbau⁴ – Wohnen und Gewerbe im Güterbahnhofsareal Freiburg (Visualisierung: VIZE)
Gemäß dem Konzept „Wohnen für Alle“ soll auf dem Areal des Freiburger Güterbahnhofs unter dem Projekttitel „Nestbau⁴“ nachhaltiger, nicht spekulativer Mietwohnungsbau geplant werden. Welche Ausgangssituation haben Sie vorgefunden?

Die Wettbwerbsaufgabe ist eingebunden in eine Mischung aus einem bestehenden Wohnquartier und neu zu errichtenden Wohnparzellen. Dem Baustein des Baufeldes C1-6 kommt innerhalb des Neubauvorhabens Nestbau eine besondere Bedeutung zu mit der Positionierung des wichtigen lokalen Nahversorgers.

Das Baufeld liegt im westlichen Teil des Güterbahnhofareals im Norden Freiburgs und umfasst eine Fläche von circa 3.560 Quatratmeter.

Bestand (Quelle: Auslobung)
Welches sind die Kerngedanken Ihres Entwurfs?

Ein Hochpunkt übernimmt als Auftakt zur neuen Quartiersentwicklung entlang der Quartiersachse Eugen-Martin-Straße sowohl verbindende als auch repräsentative Aufgaben. Bei der Konzeption des Gebäudes stand unsere angemessene Antwort auf diese besondere Schnittstellensituation im Vordergrund. Ein quartiersprägender Hochpunkt und das offene Erdgeschoss mit seinen quartierszugewandten Nutzungen wie einem Share+Repair-Point, einer Arztpraxis sowie einem Gemeinschaftsraum laden die Bewohner, Passanten und Nachbarn ein, an diesem Ort zusammen zu kommen. Vor- und Rücksprünge an der Ecke Eugen-Martin-Straße/ Freiladestraße betonen den schlanken Hochpunkt und schaffen eine eindeutige Adressbildung im Erdgeschoss. Von der Lokhalle kommend, bestimmt der ganz aus Holz konstruierte Wohnturm mit seinen begrünten Balkonen und Fassaden das Bild des neuen Quartiers. Schon von außen ist der besondere Charakter und die ökologische Grundhaltung erkennbar. Ein Ensemble ohne Rückseiten.

Schwarzplan (Zeichnung: haascookzemmrich STUDIO2050)
Welches architektonische Thema war Ihnen besonders wichtig?

Die Holz-Hybridbauweise berücksichtigt den Anspruch eines minimierten ökologischen Fußabdrucks. Die Auswahl der verwendeten Materialien orientiert sich einerseits an deren Langlebigkeit; gleichzeitig sind aber der Inhalt an grauer Energie und die Möglichkeit des Rück- oder Umbaus ein wichtiges Kriterium. Alle verwendeten Materialien sind entweder aus nachwachsenden oder rezyklierbaren Baumaterialien. Während der Planungsphase wird eine Ökobilanz der Gesamtbaumaßnahme als fortgeschriebene Leistung den Materialentscheidungen hinterlegt. Alle Baumaterialien sollen regional hergestellt und verarbeitet werden. Bei der Fügung der Konstruktion wird auf Verklebung verzichtet. Steck- und Schraubverbindungen werden bevorzugt. Textile Beläge werden nur von Herstellern mit „Cradle to Cradle”-Zertifikaten bezogen und mittels Klettverbindung verlegt. 

Für Fassadenmaterialien und Dämmstoffe sowie für die Glasqualität erfolgt eine sorgfältige Auswahl und Optimierung, um alle Belange des winterlichen und sommerlichen Wärmeschutzes ebenso zu berücksichtigen, wie den Inhalt an grauer Energie. Bei der Dämmung wird je nach Brandschutz und Druckanforderung nur Schaumglas oder Holzwolle verwendet. Zusätzlich ist eine Fassadenbegrünung vorgesehen.

Wohnen und Gewerbe im Güterbahnhofsareal Freiburg (Visualisierung: VIZE)
Gibt es Besonderheiten zu den Themenbereichen, Materialien, Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft?

Das Klimakonzept für das Gebäudeensemble verbindet eine hohe Energieeffizienz mit sehr gutem Nutzerkomfort. Der Wärme-, Kälte und Strombedarf wird zunächst durch passive Maßnahmen so weit wie möglich reduziert: Die sehr gut gedämmte Fassade und Dreifachverglasung, reduzieren die Transmissionsverluste und erfüllen die Anforderungen des Standards EH40+. Die Grundrissanordnung und die Fassadenkonstruktion sorgen für eine gute Tageslichtverfügbarkeit in den Wohnbereichen und erlaubt die Nutzung passiv solarer Gewinne.

Eine thermische Solaranlage deckt den sommerlichen Bauchwasserwärmebedarf und Teile des Heizwärmebedarfes in den Übergangszeiten. Eine Nutzung der Abwärme aus der Kälteerzeugung für die Gewerbebereiche soll darüber hinaus ermöglicht werden. Die winterliche Spitzenlastdeckung erfolgt mit Fernwärme. Der Strombedarf des Gebäudes wird bilanziell von den Photovoltaik-Anlagen gedeckt, die auf den Dächern und an den besonnten Fassadenseiten installiert werden. Langfristig sollen Batteriespeicher sowie ein Anschluss an eine lokale Ladeinfrastruktur zur Netzdienlichkeit des PV-Systems beitragen.

Der Innenhof bietet ein reichhaltiges Angebot an verschienden Funktionen und Materialitäten. Frei zugängliche Fahrradabstellbereiche als Teil des Mobilitätskonzepts, sowie zahlreiche unterschiedlich gestaltete Spielmöglichkeiten, Grünbereiche und Mietergärten im Innenhof und auf Dächern bieten den Nutzern ein reichhaltiges Angebot und vielseitige soziale Interaktionsflächen. Somit wird die neu entstehende Nachbarschaft am Güterbahnhof ein integraler Baustein am Standort, der sozialen Austausch und Kommunikation fördert und ökologische und nachhaltige Aspekte nach Außen hin sichtbar zeigt.

Konzeptdiagram (Zeichnung: haascookzemmrich STUDIO2050)
Gibt es schon einen geplanten Fertigstellungstermin?

Geplant ist eine Fertigstellung 2025.

Nestbau⁴ – Wohnen und Gewerbe im Güterbahnhof Freiburg
Einladungswettbewerb
 
Auslobung: Volksbau Freiburg II GmbH & Co. KG, pro.b Projektentwicklung & Projektsteuerung GmbH & Co. KG
Betreuung: a:dk architekten datz kullmann, Mainz
 
Jury
Prof. Zvonko Turkali, Vors, | Heinrich Degelo | Prof. Susanne Dürr | Roland Jerusalem | Andreas Stahl | Albin Teufel
 
1. Preis
haascookzemmrich STUDIO2050
Schneck Schaal Braun Ingenieurgesellschaft Bauen
https://german-architects.com/de/schneck-schaal-braun-tubingen
FEUERING
Transsolar Energietechnik GmbH
 
2. Preis
a+r Architekten
 
3. Preis
kister scheithauer gross architekten und stadtplaner GmbH
osd GmbH
Görtzen Stolbrink & Partner mbB, Beratende Ingenieure für Brandschutz
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