Hochschule für den öffentlichen Dienst in Bayern (HföD), Kronach

Klar und selbstverständlich

Peter Petz
25. Oktober 2017
Modell

Dürschinger Architekten gewinnen den Wettbewerb «Bauwerks- und Freianlagenplanung des Neubaus der Hochschule für den öffentlichen Dienst in Bayern (HföD), Kronach». Peter Dürschinger stellt sich unseren Fragen zum Wettbewerb.

In Kronach soll die Hochschule für den öffentlichen Dienst in Bayern, Fachbereich Finanzwesen soll an einem neuen Standort erweitert werden. Welche Ausgangssituation haben Sie vorgefunden?
Das zur Verfügung stehende Wettbewerbsgrundstück liegt als noch bebaute Gewerbeschneise
am Rande der Altstadt von Kronach und weist im unmittelbaren Umfeld eine heterogene Bebauung aus kleinteiliger Wohnstruktur und Gewerbebetrieben auf. Zudem stört eine nahe überörtliche Verkehrsverbindungen mit Lärmbelastung. Trotz seiner eher rückwärtigen Lage zu den Hauptstrassen, liegt es im Kreuzungspunkt von zwei stark frequentierten Fuß- und Radwegverbindungen, die den künftigen Campus bereichern und die neue Hochschule zum Bindeglied von Stadt und südlichem Naturraum werden lassen. Es galt also einerseits die städtebauliche Markanz und Bedeutung der neuen Hochschule in der Stadt heraus zu arbeiten, andererseits um eine feinsinnige Verflechtung der Baukörper und Freiräume im nahen Umfeld. Hinsichtlich der gewünschten Aufwertung des Kronacher Südens mit der neuen Bildungseinrichtung hat die gewünschte städtebauliche Verortung der Campuslandschaft für uns vor allem auch eine integrative Bedeutung.

Lageplan

Wie organisieren Sie den Gebäudekomplex?
Der Reiz dieser Entwurfsaufgabe liegt in der Vielschichtigkeit des geforderten Raumprogrammes und der Möglichkeit, in diesem Falle eine Campus-Hochschule als funktionale und formale Einheit konzipieren zu können. Die lineare Reihung der Raumbereiche ist dabei dem besonderen Grundstücksschnitt geschuldet und beginnt mit dem markanten Kopfbau des studentischen Wohnens, als energetisch autarker Baustein, abseits der größten Lärmbeeinträchtigung. Über eine nördlich vorgelagerte Promenade wird die Hochschule mit großem Hörsaal, Bibliothek, Dozentenbereich einer Mensa, sowie die Mehrzweckhalle für Sport- und Hochschulveranstaltungen erschlossen. Der eigentliche Lehrbereich ist der oberen Ebene in Form einer flexibler Seminar-Landschaft vorbehalten. Wichtig ist uns dabei die innere Bewegungsabfolge. Es geht darum Orte der Kommunikation sowie auch der Konzentration bereitstellen zu können. 

Grundriss Erdgeschoss
Grundriss 1. Obergeschoss

Welches architektonische Thema war Ihnen besonders wichtig?
Die besondere Thematik des Ortsbezuges unserer Arbeit wurde vom Preisgericht erkannt und gewürdigt. Aus städtebaulicher Sicht war uns die Orientierung des Hochschule zur Stadt hin ,in Form der nördlich vorgelagerten Promenade, ein wichtiges Argument der Raumbildung. Diese setzt sich fort in der Perforation der Baukörper durch Innenhöfe, sowie bewusst gesetzte Gebäudezäsuren. Insgesamt führt dies zu angemessenen und gut proportionierten Freiräumen und der spezifischen Körnung der Baumasse. Bezüglich der inneren Raumfolge und Schichtung der Funktionen standen klare und selbstverständliche Orientierungsmuster im Vordergrund. Bewusst gesetzte Öffnungen ermöglichen Rückblicke zur Stadt sowie Blickbeziehung in die Freiräume. Diese unterstreichen und beleben den Charakter einer Bildungseinrichtung.

Ansicht Promenade
Ansicht Süd

Welche Materialstrategie schlagen Sie vor?
Unser Entwurf definiert sich über die Setzung prägender Raumkanten im heterogenen Umfeld.
Aus dieser monolithisch, städtebaulichen Haltung leiten wir die Verwendung und den Materialeinsatz für Konstruktion und Fassaden ab. Darüberhinaus ist uns die Durchgängigkeit und Ablesbarkeit der einzelnen Hochschulbausteine als städtebauliche Einheit ein wichtiges Gestaltungsargument. Die Verwendung von geschlämmten Klinkerfassaden im Wechsel mit Sichtbeton-Elementen gibt uns hierzu den notwendigen Spielraum. Sowohl die haptische Annäherung an die kleinteilige Wohnbebauung, als auch die gewünschte Aufwertung des industriellen Umfeldes erhalten hiermit eine neue Prägung.

Gibt es schon einen geplanten Fertigstellungstermin?
Bis Jahresende 2018 sollen die wesentlichen Planungen abgeschlossen werden. Es ist beabsichtigt die Hochschule in einem Zug zu realisieren. Es kann davon ausgegangen werden, dass die Aufnahme des
Lehrbetriebes im September 2022 erfolgen wird.

Modell

Bauwerks- und Freianlagenplanung des Neubaus der Hochschule für den öffentlichen Dienst in Bayern (HföD), Kronach
Nichtoffener Realisierungswettbewerb

Auslober/Bauherr: Staatliches Bauamt Bamberg, Bamberg

Jury
Rainer Kriebel, Vors. | Ursula Hochrein | Dr. Heidi Kief-Niederwöhrmeier | Jürgen König | Prof. Hellmut Raff

1. Preis
Architekt: Dürschinger Architekten, Fürth
Landschaftsarchitekt: fischer heumann landschaftsarchitekten, München

2. Preis
Architekt : Bär Stadelmann Stöcker Architekten BDA Nürnberg
Landschaftsarchitekt: terra.nova Landschaftsarchitektur, München

3. Preis
Architekt: Bruno Fioretti Marquez Architekten, Berlin
Landschaftsarchitekt: capattistaubach Landschaftsarchitekten, Berlin

4. Preis
Architekt: h4a Gessert + Randecker Architekten, Stuttgart, München, Düsseldorf
Landschaftsarchitekt: ver.de Landschaftsarchitektur, Freising

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