Gemeinsame neue Identität

Westphal Architekten BDA
29. September 2021
Blick vom Platz auf den Eingang des neuen KuBiZ (Visualisierung: Westphal Architekten BDA) 

Westphal Architekten gewinnen den Wettbewerb um das Kultur- und Bildungszentrum (KuBiZ) in der ehemaligen Grundschule Klostergang in Zeven. Birgit Westphal stellt sich unseren Fragen zum Wettbewerb.

In der zwischen Hamburg und Bremen gelegenen Samtgemeinde Zeven soll das Areal der ehemaligen Grundschule Klostergang zum Kultur- und Bildungszentrum Klostergang Zeven (KuBiZ) entwickelt werden. Welche Ausgangssituation haben Sie vorgefunden?

In unmittelbarer Nähe zum Stadtkern Zeven befindet sich die ehemalige Klosteranlage, die gemeinsam mit der benachbarten St. Vitikirche - beide errichtet im Jahr 1141- als Keimzelle der städtischen Entwicklung Zevens bezeichnet werden. Von der Klosteranlage ist heute lediglich ein Gebäude erhalten, welches als Museum genutzt wird.

Das Backsteingebäude der ehemaligen Grundschule Klostergang, das im Jahr 1899 errichtet wurde, sowie der sogenannten „Holländertrakt“, der im Jahr 1955 realisiert wurde, befinden sich in direkter Nähe zur St. Viti Kirche und zur Klosteranlage. Sowohl die Grundschule als auch der Holländertrakt sind als raumbildende und den zentralen Platz fassende Gebäude wesentlich für die Gesamtwirkung des Ensembles und sind daher denkmalpflegerisch zu betrachten. Der Holländertrakt stellt sich als langgestreckter, eingeschossiger und gewinkelter Baukörper mit flach geneigtem Satteldach dar, wobei der nördliche Gebäudeabschnitt durch ein Souterraingeschoss unterbaut ist. Die Grundschule Klosteranlage ist ein massiv aus Ziegeln gemauertes Gebäude mit zwei Vollgeschossen und ausgebautem Satteldach. 

Der Wettbewerbsbereich umfasst die beiden Gebäude der Grundschule Klostergang und des Holländertraktes.

Ehemalige Grundschule Klostergang, historisches Backsteingebäude rechterhand und später für niederländische Schüler angebauter Trakt (Foto: Auslober)
Digitalisierter Erdgeschossplan auf Basis der Bauakte (Zeichnung: Iris Talle Architekten)
Wie haben Sie auf den Kontext reagiert?

Wir respektieren mit unserer Planung die vorhandenen baulichen Strukturen. Nur die Anbauten und das alte Vordach vor dem Holländertrakt werden zurückgebaut, so dass die eigentliche Raumkontur der beiden Gebäude „Grundschule Klostergang“ und „Holländertrakt“ deutlicher erkennbar werden. Aus Respekt vor dem historischen Bestand integriert sich das neu geschaffene Foyer in das vorhandene Volumen des Holländertrakts und drängt sich somit nicht in den Vordergrund.

Der Platz im Herzen von Klosterkirche, Museum, Kindergarten und neuem KuBiZ erhält durch einen zentral angeordneten Baumhain eine neue Mitte. Das historische Gebäudeensemble wird somit in seiner Raumwirkung gestärkt. 

Der ehemalige, östlich gelegene Schulhof im Osten wird zum grünen Garten, naturhaft gestaltet, mit hohen Freizeit- und Aufenhaltsqualitäten. Er ist direkt an das Foyer, die Aula und die Bibliothek angebunden, ein eher introvertierter Bereich, den Nutzungen des KuBiZ zugeordnet und schafft mit seinem Lesegarten, dem Schachgarten oder kleinen Spielzonen eine weitgehende Verknüpfung von Gebäude und Außenraum. 

Lageplan (Zeichnung: Westphal Architekten BDA) 
Wie organisieren Sie das KuBiZ?

Unser Entwurf sieht einen neuen gemeinsamen Haupteingang für das Ensemble vor, so dass alle zukünftigen Nutzungen über nur eine Adresse erschlossen werden und den Bürgerinnen und Bürgern der Stadt Zeven eine gemeinsame neue Identität vermittelt wird. 

Im Schnittpunkt beider Gebäude wird das Foyer zentral angeordnet, schafft eine gemeinsame Adresse und ermöglicht die Erschließung aller vier Nutzungseinheiten. Dabei öffnet es sich über eine großzügige Verglasung zum Platz und stellt eine Art Fortsetzung des öffentlichen Raumes dar. 

Offen und transparent, lichtdurchflutet und kommunikativ wird das Foyer zukünftig das Herz des KuBiZ sein – ein neuer Ort der Kommunikation und des Austauschs für die Zevener Bürgerinnen und Bürger. Diesen erlaubt das Foyer Einblick in die angrenzende Aula, in die Bibliothek sowie zum verglasten Übergang zur Grundschule Klostergang, in dem zukünftig der Volkshochschule Raum geboten wird. 

Über einen verglasten Verbindungsgang wird die Grundschule Klostergang an das Foyer angebunden. In dieser werden die Volkshochschule und das Museumsarchiv untergebracht. 

Grundriss Erdgeschoss (Zeichnung: Westphal Architekten BDA) 
Schnitte Aula und Bibliothek (Zeichnung: Westphal Architekten BDA) 
Welches architektonische Thema war Ihnen besonders wichtig?

Besonders wichtig war uns das neue Foyer - es wird zum Herz des Neuen Ensembles. Wir verstehen das Foyer als Fortsetzung des öffentlichen Raumes: offen und transparent mit einem niederschwelligen Zugang. Es kann vielfältig und flexibel genutzt werden.

Vom Foyer hat der Besucher Einblick in die angrenzende Aula, die für größere Veranstaltungen vollflächig geöffnet werden kann. 

Im Gebäude des Holländertrakts schaffen wir für die Bibliothek ein ganz neues Raumerlebnis. Dabei bleiben Raum- und Erschließungsstruktur des Bestandsgebäudes beibehalten, jedoch wird das Gebäude bis auf die tragende Struktur reduziert. Individuelle Lesenischen werden entlang der Fassade mit Blick auf die Kirche realisiert. Um das Souterrain auch visuell an das Erdgeschoss zu binden, wird eine mittig angeordnete Treppe mit erlebbarem Luftraum integriert. Der neue Großraum entwickelt als kommunikativer Treff- und Mittelpunkt eine hohe Aufenthaltsqualität. 

Über einen verglasten Verbindungsgang wird die Grundschule Klostergang an das Foyer angebunden. In dieser werden die Volkshochschule und das Museumsarchiv untergebracht. 


 

Aula (Visualisierung: Westphal Architekten BDA) 
Bibliothek Flur (Visualisierung: Westphal Architekten BDA) 
Bibliothek Nischen (Visualisierung: Westphal Architekten BDA) 
Volkshochschule (Visualisierung: Westphal Architekten BDA) 
Welche Besonderheiten hinsichtlich Konstruktion und Material zeichnen Ihren Vorschlag aus?

Wir arbeiten mit den vorhandenen Fassaden, das Ziegelmauerwerk wird lediglich gereinigt und fugensaniert. Eine energetische Verbesserung der historischen Außenhülle erfolgt über Mineraldämmplatten im Innenraum. Ferner werden auch die bestehenden Fenster durch thermisch getrennte Stahlfenster mit schmalen Ansichtsprofilen ersetzt. Über die vertikale Teilung der neuen Fenster erfolgt die Bezugnahme auf die historische Fensterteilung bei gleichzeitiger Schaffung eines modernen und zeitgemäßen Erscheinungsbildes. Im Holländertrakt bleiben die Fassadenöffnungen in ihrer Breite erhalten. Hier werden lediglich die Brüstungen zurückgebaut, um bodentiefe Fenster zu erhalten, die eine bessere Verknüpfung von Innen- und Außenraum gewährleisten und der bestehenden Fassade ein innovatives, der neuen Nutzung angepasstes Erscheinungsbild verleihen.

Details (Zeichnungen: Westphal Architekten BDA) 
Gibt es schon einen geplanten Fertigstellungstermin?

Bei dem Wettbewerb handelt es sich um ein Vergabeverfahren, das im Rahmen der VgV stattfindet. Demnach müssen erst die ersten drei Preisträger zum Gespräch und Angebot geladen werden. Dies wird in Kürze erfolgen. Weitere Termine waren in der Auslobung nicht benannt.

Ansichten Ost und West (Zeichnungen: Westphal Architekten BDA) 
Kultur- und Bildungszentrum Klostergang, Zeven (KuBiZ) in der ehemaligen Grundschule Klostergang in Zeven
Nicht offener Wettbewerb
 
Auslober: Samtgemeinde Zeven in Zusammenarbeit mit der Stadt Zeven
Betreuung: DSK Deutsche Stadt- und Grundstücksentwicklungsges. mbH & Co. KG, Bremen
 
Jury
Prof. Dr.-Ing. Volker Droste, Architekt, Oldenburg (Vorsitzender)| Prof. Jürgen Arendt, Architekt, Oldenburg | Prof. Ingo Lütkemeyer, Architekt, Bremen | Beate Burhoff, Architektin, Münster | Marc Matzken, Architekt, Münster | Norbert Wolf, Bürgermeister Stadt Zeven | Prisca Vogt, Leitung Bibliothek Zeven | Henning Fricke, Samtgemeindebürgermeister Zeven | Christoph Reuther, Wirtschaftsförderung-Öffentlichkeitsarbeit, Samtgemeinde Zeven
 
1. Preis
Westphal Architekten BDA, Bremen
 
2. Preis
Brune Architekten, München
 
3. Preis
ahrens & grabenhorst architekten stadtplaner BDA, Hannover

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