Ein „Hortus Conclusus“ für die Musik

kleyer.koblitz.letzel.freivogel
4. August 2021
Blick in den Hof (Visualisierung : The Third)

Das Architekturbüro kleyer.koblitz.letzel.freivogel gewinnt den Wettbewerb um die Erweiterung der Hochschule für Musik Carl Maria von Weber in Dresden. Alexander Elgin Koblitz stellt sich unseren Fragen zum Wettbewerb.

In Dresden beabsichtigt der Freistaat Sachsen die Errichtung eines Erweiterungsbaus an der Hochschule für Musik (HfM) Carl Maria von Weber. Welche Ausgangssituation haben Sie vorgefunden?

Das Wettbewerbsgebiet liegt mitten in der historischen Altstadt Dresdens, der sogenannten Wilsdruffer Vorstadt, nicht unweit entfernt vom Zwinger. Der bauliche Bestand des Wettbewerbsgebiets und dessen direktes Umfeld ist äußerst heterogen und spiegelt die leidvollen Kriegszerstörungen Dresdens im 2.Weltkrieg wieder. Die Hochschule für Musik sitzt außenwirksam mit einem mächtigen historischen Bestandsgebäude am Wettiner Platz und wurde bereits 2008 durch einen äußerst expressiven Konzertsaal von den Architekten Hammes Krause ergänzt. Im Rücken dieses heterogenen Ensemble stand bis vor kurzem die Backsteinruine einer historischen Hutfabrik, die für den neuen Erweiterungsbau der Musikhochschule abgerissen wird.

Lageplan (Zeichnung: kleyer.koblitz.letzel.freivogel)
Wie haben Sie auf den Kontext reagiert?

Der Erweiterungsbau musste wie ein Passstück in das heterogene direkte Umfeld eingefügt werden. Wir haben dabei den Erweiterungsbau als ein Stück Stadtreparatur verstanden, der den städtischen Block an der „Grünen Straße“ schließt und dadurch eine weitere Adresse für den raumgreifenden Organismus der Hochschule neben dem Wettiner Platz und der Schützengasse schafft. Zugleich haben wir die Baufluchten der direkten Hofnachbarn aufgenommen und hierdurch den Fußabdruck des Neubaus selbstverständlich definiert und dabei alle musikalischen Proberäume um einen großen Innenhof organisiert.

Stadtraum (Zeichnung: kleyer.koblitz.letzel.freivogel)
Wie organisieren Sie das Gebäude?

Die eigentliche Krux der Entwurfsaufgabe war der Umgang mit dem Konzertsaal von den Architekten Hammes Krause und insbesondere der Anschluss an dessen Eingangsfoyer. Die Architekten hatten seinerzeit das Eingangsniveau des Neubaus hochgestemmt und als Split-Level organisiert, um unter dem Konzertsaal die halb eingegrabene Bibliothek unterzubringen. Wir haben diese Geschosshöhen übernommen und bis zur Straßenkante an der „Grünen Straße“ gezogen, wo wir ebenfalls das Haus über einen „Split -Level“ erschließen. Hierdurch haben wir einen leicht abgegrabenen Innenhof erhalten an dem alle kleinen Proberäume liegen. Darüber als „Beletage“ mit direktem, ebenengleichen Anschluss an das Foyer des großen Konzertsaals befinden sich die beiden großen Proberäume. Zur „Grünen Straße“ bildet sich die innere Höhenstruktur wie beim Konzertsaal mit einer großen Freitreppe im Fassadenbild des Neubauriegels ab.

Grundriss Erdgeschoss (Zeichnung: kleyer.koblitz.letzel.freivogel)
Schnitt (Zeichnung: kleyer.koblitz.letzel.freivogel)
Welches architektonische Thema war Ihnen besonders wichtig?

Das zentrale Entwurfsthema war die Ausbildung des großen Innenhofs, eines „Hortus Conclusus“, der neben seiner Intimität auch als großzügiger Grünraum erfahrbar sein soll. Auf Hofniveau liegen nahezu alle kleineren Proberäume mit direktem Zugang zum Außenraum. Darüber als publikumswirksame Galerie und Foyerbereich gibt es einen zum Hof orientierten, großflächig verglasten Rundlauf, von dem die beiden großen geforderten Probesäle erschlossen werden.

Ansicht Süd (Zeichnung: kleyer.koblitz.letzel.freivogel)
Ansicht Ost (Zeichnung: kleyer.koblitz.letzel.freivogel)
Welche Materialstrategie schlagen Sie vor?

Die Ausbildung des neuen Erweiterungsbaus ist funktional und stadträumlich nur mit dem Bestandsbau des Konzertsaals denkbar. Es ist daher für uns naheliegend, dass wir dessen Materialspektrum weiterdenken und subtil variieren. Sichtbetonfassadenelemente wechseln mit großzügigen Verglasungen ab. Der große Probesaal erhält als herausgehobenes Sonderelement eine profilierte Metallfassade analog zur Materialität des bestehenden Konzertsaals. Die Innenraumwelten bekommen einen Werkstattcharakter, bei dem alle festen baukonstruktiven und akustisch notwendigen Ausbauten mit hölzernen Oberflächen ausgebildet werden.

Detail (Zeichnung: kleyer.koblitz.letzel.freivogel)
Gibt es schon einen geplanten Fertigstellungstermin?

Wenn es keine größeren Komplikationen gibt, könnte das Haus im Herbst 2025 fertiggestellt sein.

Modell (Foto: kleyer.koblitz.letzel.freivogel)
Schwarzplan (Zeichnung: kleyer.koblitz.letzel.freivogel)
Erweiterung der Hochschule für Musik Carl Maria von Weber in Dresden
Nicht offener Wettbewerb
 
Auslober
  • Freistaat Sachsen
Betreuung
  • Staatsbetrieb Sächsisches Immobilien- und Baumanagement, Niederl. Dresden I, Dresden
     
Jury
  • Prof. Claus Anderhalten (Vorsitzender) | Ulrich Atzberger | Gerlind Berndt | Sebastian Thaut | Dr. Marcus van Reimersdahl | Axel Köhler | Stefan Szuggat
     
1. Preis
  • kleyer.koblitz.letzel.freivogel gmbH, Berlin | Mitarbeiter : Stefan Maria Münch, Anna Brecht, Nerina Kosenina
  • Visualisierung: The Third
     
2. Preis
  • AWB Architekten Architekturbüro Bauer, Dresden

3. Preis

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