Wohnquartier „Am Albertussee“ in Düsseldorf

Attraktive Verbindung

blauraum
14. Februar 2018
Blick vom Albertussee
blauraum gewinnt den Wettbewerb um das Wohnquartier „Am Albertussee“ in Düsseldorf. Rüdiger Ebel stellt sich unseren Fragen zum Wettbewerb.
Linksrheinisch am Albertussee gelegen soll im Düsseldorfer Stadtteil Heerdt ein neues Wohnquartier entwickelt werden, das unterschiedliche Wohnformen zulässt und eine hohe Wohnqualität für verschiedenste Zielgruppen bietet. Welche Antworten gibt Ihr Entwurf auf die Frage, die der Wettbewerb stellt?
Das Grundkonzept des städtebaulichen Entwurfs sieht eine attraktive Verbindung zwischen bereits bestehender Bebauungsstruktur und vorhandenen Natur- und Erholungsräumen vor. Gleichzeitig sollen die drei Wohnformen geförderter Wohnungsbau, Mietwohnungen und Eigentum durch die Mischung unterschiedlicher Gebäudeformen miteinander in Verbindung treten und ein einheitliches Gesamtbild darstellen.
Vielfältige Sichtachsen zwischen den Zeilen und Punkthäusern ermöglichen aus nahezu allen Richtungen Durchblick zum See und greifen die großzügige Grünanlage des Areals auf. Darüber hinaus sind die drei adressgebenden Plätze mit ihrer übergeordneten Nutzungsmöglichkeit als Treffpunkte für alle Bewohner kommunikatives Element des Wohnquartiers. Mit seinem autofreien Konzept bietet der Entwurf einen weiteren Aspekt zukunftsweisender Wohnqualität und bildet die stringente Weiterführung des existierenden Erholungsgebietes. Die Gesamtheit der strukturellen Aspekte lassen mit der zusätzlichen Integration verschiedener Dienstleistungseinrichtungen ein qualitativ hochwertiges, lebendiges und hochverdichtetes Quartier entstehen, das die Erwartungen und Ansprüche verschiedener Zielgruppen erfüllt.

Aufgrund der Verwendung einer durchlässigen Struktur mit unterschiedlichen Gebäudeformen kann auf die aus der Umgebung resultierenden Anforderungen reagiert werden. Somit entsteht ein robustes Grundgerüst, das Gestaltungsspielräume für die künftige Bebauung bietet.
Lageplan
Wie gliedern Sie das Areal?
Die Planung des Quartiers ist in zwei Planungsabschnitten vorgesehen. Teilbereich 1 | A, welcher momentan den Parkplatz enthält, wird im ersten Schritt als ein zusammenhängendes Baufeld realisiert, um die städtebaulichen Qualitäten des Entwurfs zu garantieren. Teilbereich 1 | B wird in drei weitere Baufelder unterteilt, die einzeln von unterschiedlichen Investoren entwickelt werden können.

Die lineare Bebauung entlang der Straße ‚Am Albertussee‘ fungiert als Schallschutzbebauung, welche die Punkthäuser am See vor den Gewerbelärmemissionen der angrenzenden Grundstücke schützt. In der weiteren Entwicklung wird im Teilbereich 2 eine Blockrandstruktur vorgeschlagen, die für zusätzlichen Lärmschutz sorgt. Um die von der Brüsseler Straße ausgehende Lärmemission, welche auf das Wettbewerbsgebiet einwirkt, einzudämmen, wird entlang der Straße ein aktiver Lärmschutz vorgeschlagen. Die Bebauung in Teilbereich 3 bildet einen schallschützenden Rücken zum geplanten Zubringer der B7 aus.

Nördlich des Albertussees verläuft ein breit gestalteter Rad- u. Gehweg, welcher das lokale Radwegnetz in Ost-West-Richtung verstärkt. Um den See herum wird ein Rundweg ausgebaut, welcher den Heerdterhof-Garten und den Friedhof Heerdt miteinander verbindet. Dank der aufgelockerten Bebauungsstruktur wird die Durchlässigkeit und Offenheit des gesamten Wohnquartiers gewährleistet. Gehwege, welche vom Norden nach Süden verlaufen, ermöglichen einen direkten Zugang zum Wasser. Diese bilden Stege und Sonnenterrassen aus, an denen gastronomische Einrichtungen wie ein Café verortet werden könnten. Sitzstufen am Wasser bilden dabei das Highlight zum Erholen.

Die schollenartig und polygonal geformten Flächen bieten diverse Nutzungen wie Sport- und Spielflächen, Privatgärten, eine Außenflächen für die KITA oder allgemeine Quartiersplätze. Diese bieten unterschiedlichen Nutzergruppen und Generationen abwechslungsreiche Kommunikations- und Verweilorte sowie Bewegungsmöglichkeiten an. Der wertvolle Baumbestand wird weitgehend erhalten. Durch gezielte und notwendige Auslichtungen sowie einiger Neupflanzungen wird eine Offenheit und Durchlässigkeit erreicht sowie der parkartige Charakter gestärkt.

Oberirdische PKW-Stellplätze befinden sich entlang der Verlängerung „Am Albertussee“ im Norden des Planungsgebietes. Die Fahrradstellplätze befinden sich unmittelbar in der Nähe von den jeweiligen Gebäudeeingängen. Ladestationen für Elektrofahrzeuge sowie Car-Sharing Parkplätze befinden sich an der Erschließungsstraße im Osten.
Schnitt
Welches stadträumliche Thema war Ihnen besonders wichtig?
In der Konzeption steht vor allem das Aufgreifen bereits bestehender Strukturen bei gleichzeitiger Integration attraktiver Natur- und Erholungsräume im Vordergrund. Ein wichtiger Ansatz ist insbesondere der Lärmschutz nach Norden sowie eine für die verschiedenen Wohnformen möglichst gleichwertige Nutzung der die Wohnqualität bildenden Aspekte, wie zum Beispiel die Ausrichtung zum Albertussee. Die Verdichtung des Wohnquartiers geschieht unter Berücksichtigung unterschiedlicher Bedürfnisse und Anforderungen seiner zukünftigen Bewohner. Denn aufgrund der Flächengröße bietet der Entwurf nicht nur eine Lösung für wachsenden Wohnraumbedarf, sondern setzt darüber hinaus einen weiteren Schwerpunkt auf das potenzielle Entstehen eigener sozialer Strukturen im gesamten Quartier. Dazu dienen vor allem kleine, individuelle Gewerbeeinheiten, die den Bewohnern den Alltag im Viertel erleichtern und zu nachbarschaftlichen Treffpunkten werden. Mit der Entwicklung eines autarken Gebietes mit engem Bezug zum räumlichen Bestand, schafft das Konzept so eine Umsetzung ähnlich einer natürlich gewachsenen Stadtstruktur.
Nachbarschaften
Ist die Bauleitplanung schon in Arbeit?
Ja, die ersten Schritte der Bauleitplanung wurden bereits Anfang 2017 im Vorfeld zum Wettbewerb mit der frühzeitigen Beteiligung der zuständigen Behörden getätigt.

Aktuell erstellt blauraum auf Basis des Wettbewerbsentwurfes eine städtebauliche Rahmenplanung. Die ersten Abstimmungstermine hierzu haben zwischen Stadtplanung, Auftraggeber, Fachplanung und blauraum bereits im Dezember letzten Jahres stattgefunden. Unter Berücksichtigung der relevanten Gutachten zu Verkehr und Schall erarbeitet blauraum bis März 2018 eine städtebauliche Masterplanung für den 1.Teilbereich des Wettbewerbsentwurfes, auf der Fläche des jetzigen Bürostandortes der Metro Properties und dem zugehörigen Parkplatz direkt am Ufer des Albertussees.

Ende des 2. Quartals diesen Jahres wird der Masterplan, nach Beteiligung der Bezirksvertretung und einer frühzeitigen Bürgerbeteiligung, im Rahmen einer öffentlichen Informationsveranstaltung vorgestellt.

Erklärtes Ziel aller Beteiligten ist die Beschlussfassung zum Bebauungsplan bis Ende 2018.
3D-Modell
Wohnquartier „Am Albertussee“, Düsseldorf
Städtebaulicher Realisierungswettbewerb

Auslober/Bauherr: METRO PROPERTIES, Düsseldorf, Landeshauptstadt Düsseldorf, Düsseldorf
Betreuer: post welters + partner mbB Architekten & Stadtplaner BDA/SRL, Dortmund

Jury
Heiner Farwick, Vors. | Prof. Ulrike Beuter | Prof. Dörte Gatermann | Reinhard Gerlach | Stefan Herbert | Rebekka Junge | Ruth Orzessek-Kruppa | Prof. Kunibert Wachten | Cornelia Zuschke | Christian Mielke

1. Preis
Architekt: blauraum, Hamburg, Berlin
Landschaftsarchitekt: GREENBOX Landschaftsarchitekten, Köln, Düsseldorf, Stuttgart

2. Preis
Architekten: bogevischs buero, München
Landschaftsarchitekt: lohrer.hochrein landschaftsarchitekten und stadtplaner gmbh, München

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