Turmbau zu Babel(sberg)

Manuel Pestalozzi
14. November 2021
Das ist nicht Los Angeles, diese Anlage soll die Medienstadt von Babelsberg ergänzen. (Visualisierung: Studio Libeskind)

Am Rande des Potsdamer Filmparks Babelsberg soll eine neue Media City entstehen. Der Entwurf von Daniel Libeskind wurde am 12. November der Öffentlichkeit vorgestellt.

Studio Babelsberg gilt mit der Gründung im Jahr 1912 als das älteste Großatelier-Filmstudio der Welt und die Wiege des deutschen Films. Heute bietet es mit umfassenden Services für deutsche und internationale Filmemacher optimale Bedingungen für die Herstellung von Kinofilmen, TV-Serien und Werbeproduktionen. Das Raumangebot auf dem Studioareal soll jetzt substanziell erweitert werden. Dafür konnte Daniel Libeskind an Bord geholt werden. Als Investor nennen die Potsdamer Neuesten Nachrichten (PNN) Jan Kretzschmar, KW Development, der zahlreiche Projekte in der Medienstadt verantworte. Gemäss maz-online.de will er 300 Millionen Euro investieren

Im Sommer dieses Jahres erfolgte der „Libeskind-Coup“. PNN berichtete damals, der Investor für die Neubauten an der Kreuzung Großbeerenstraße/August-Bebel-Straße habe sich bei einem überraschenden Auftritt von Daniel Libeskind im Potsdamer Bauausschuss mitsamt Entwurf gegen einen Architekturwettbewerb ausgesprochen. Bislang waren die Pläne nur im nicht-öffentlichen Teil von Haupt- und Bauausschuss präsentiert worden. Im August hatte sich eine Zustimmung der Stadtverordneten für das Vorhaben abgezeichnet – aus mehreren Fraktionen war der Entwurf in höchsten Tönen gelobt worden.

Die Informationen zum Libeskind-Vorschlag sind naturgemäß noch recht vage. Die Visualisierung wirkt für einen Architekt von Libeskinds Format zahm und etwas uninspiriert. Die Rede ist von einer neuen „Media City“ mit einem 61 Meter hohen Büroturm. Der Turm solle von vier Gebäuden mit Höhen von 26 und 41 Metern umgeben werden, erklärte Libeskind gemäß zeit.de. Die geschwungenen Gebäude seien inspiriert von Filmrollen, Kamerablenden und Objektiven, habe der Architekt erklärt. Bei der Präsentation war die Rede von 94'000 Quadratmetern Büroflächen für rund 5000 Arbeitsplätze. Jan Kretzschmar rechne mit einer Planungs- und Bauzeit von sechs Jahren bis zur Fertigstellung.

Seitens der Politik scheint die Begeisterung für diesen Entwurf groß zu sein. Jetzt soll in einem Werkstattverfahren die Umsetzung geklärt werden, äußerte sich Oberbürgermeister Mike Schubert (SPD) gegenüber zeit.de. Er hoffe, dass die Stadtverordneten dafür Anfang des (nächsten) Jahres grünes Licht geben. Völlig hürdenfrei wird der Weg nicht sein. Für das Projekt in den jetzt bekannten Dimensionen muss das Baurecht geändert werden. Es lässt aktuell eine maximale Gebäudehöhe von 22 Metern zu. im Dezember soll die Vorlage zum Werkstattverfahren in der Stadtverordnetenversammlung eingebracht werden, damit dieses in der zweiten Jahreshälfte 2022 beginnen kann. Von einem Architekturwettbewerb spricht niemand mehr.

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