Hessischer Architektentag 2019

Nicht gleich, sondern gleichwertig

Katinka Corts
21. November 2019
Brigitte Holz, Präsidentin der Architekten- und Stadtplanerkammer Hessen und Tarek Al-Wazir, hessischer Wirtschaftsminister (Foto: German-Architects)

Beim Hessischen Architektentag am 12. November erläuterten Architekt*innen und Stadtplaner*innen, wie und wo ihrer Meinung nach zukünftig guter Wohnraum entstehen kann. Tarek Al-Wazir erklärte, es gäbe in Hessen keinen flächendeckenden Wohnungsmangel, wohl aber einen Mangel an bezahlbarem Wohnraum in den Ballungszentren.

Als Gastgeberin eröffnete die Präsidentin der Architekten- und Stadtplanerkammer Hessens, Brigitte Holz den diesjährigen Architektentag mit Fragen nach der vollumfänglichen Ausnutzung des Wohnraumpotenzials, nach flexiblen neuen Formen des städtischen Wohnens und nach Transformation hin zu nachhaltigem Wohnungsbau. Ihrer Meinung nach sind besonders die unentdeckten und unausgeschöpften Potenziale das Thema der Zeit: Bei tagtäglichen Herausforderungen würde es immer wieder vorkommen, dass Kommunen lieber den vermeintlich einfacheren Weg zu neuen Flächenausweisungen gingen, als sich mit den Potenzialen eines bestehenden Standortes auseinanderzusetzen. „Wir sollten Städte und Kommunen entsprechend ihrer jeweiligen Identität weiterbauen, sie durch Umnutzungen, Aufstockungen und Arrondierungen mit hoher Qualität nachverdichten“, so Holz. „Konstruktives Weiterbauen am Bestand statt leichtfertiger Abriss sollte das Credo sein.“ Da immer mehr Menschen in die Metropolregion Frankfurt-Rhein-Main ziehen, wird immer mehr bezahlbarer Wohnraum in allen Oberzentren der Region dringend benötigt. „Ein Investment im Wohnungsbau ist vielfach nur noch im hochpreisigen Segment wirtschaftlich. Hier müssen wir gegensteuern“, erläuterte Holz. 

Der hessische Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir stütze in seinem Grußwort diese Überlegungen: „Wir wollen, dass alle Menschen in Hessen eine gute Wohnung zu einem angemessenen Preis finden. Wir haben keinen flächendeckenden Wohnungsmangel in Hessen, wohl aber einen Mangel an bezahlbarem Wohnraum in den Ballungszentren.“ Der Große Frankfurter Bogen schaffe den Raum, der benötigt wird, damit alle Arbeitnehmenden hier eine bezahlbare Wohnung finden können. Die Schienenverbindungen der Region seien dabei die Lebensadern, in deren Nähe die Menschen im Rhein-Main-Gebiet leben und arbeiten. Das Bundesland bietet allen 54 Städten und Gemeinden des Großen Frankfurter Bogens eine besondere finanzielle Unterstützung und Hilfe bei der Baulandgewinnung an. „Alles was den ländlichen Raum attraktiver macht, nimmt dem Druck im Ballungsraum“, so Al-Wazir. „Wir möchten – auch wenn der Druck im Ballungsraum da ist – dass die Menschen da leben können, wo sie wollen.“ In der aktuellen Legislaturperiode habe man die Zuständigkeiten neu geordnet, die Synergien aus Wohnen, Wirtschaft, Energie und Verkehr sollen mehr genutzt werden – zum Beispiel hinsichtlich Mobilität oder Gebäudesanierung. „Unser Ziel ist nicht, gleiche, sondern gleichwertige Lebensbedingungen zu schaffen“, sagt Al-Wazir.

Die Referenten des Hessischen Architektentags – darunter Jan Knikker von MVRDV, Nils Buschmann von ROBERTNEUN, Ricarda Pätzold vom Deutschen Institut für Urbanistik und Sibylle Bornefeld von Sauerbruch Hutton – stellten aktuelle Studien zu ungenutzten Wohnraumpotenzialen und Beispiele für ressourcenschonendes Bauens durch Umnutzung und nachhaltige Materialwahl vor.

Mit dem diesjährigen Anlass setzte die Architekten- und Stadtplanerkammer Hessen die Themenreihe der vergangenen Hessischen Architektentage fort. War 2016 noch nach kostengünstigem Wohnraum für alle gefragt worden, stand ein Jahr später die Analyse des Zukunftsbilds Wohnraum in mittel- und kleinstädtischen sowie ländlichen Räumen im Mittelpunkt; 2018 diskutierte man das Smart Home.

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