Neues Kölner Stadtarchiv eröffnet

Manuel Pestalozzi
6. September 2021
Die großzügig und schwellenlos gestaltete Eingangsfassade an der LuxemburgerStraße erlaubt einen Einblick in den Ausstellungsraum. (Foto: Brigida González)

Zwölf Jahre nach dem Einsturz des alten Stadtarchivs in der Kölner Südstadt konnte am 3. September 2021 der Neubau am Südwall eröffnet werden. Er bietet insgesamt 14'492 Quadratmeter Nutzfläche.

Für die Rheinstadt waren die Ereignisse des 3. März 2009 ein traumatisches Erlebnis: Wegen Bauarbeiten an der U-Bahn stürzten das Historische Archiv in der Severinstraße und zwei benachbarte Gebäude ein. Zwei Menschen kamen ums Leben. Schnell machten sich die Behörden daran, das „Gedächtnis der Stadt“ zu retten: Waechter + Waechter Architekten aus Darmstadt gewannen 2011 den Wettbewerb für den Neubau am Südwall, Grundsteinlegung war 2017. Für Köln völlig untypisch, gab es beim Bau keine nennenswerten Verzögerungen. Auch der Kostenrahmen wurde mit 90 Millionen Euro mehr oder weniger eingehalten, vermeldet nun der WDR.

Der Neubau steht am Übergang zwischen der gewachsenen innerstädtischen Wohnbebauung und der zukünftigen Fortführung des Inneren Grüngürtels. (Plan: Waechter + Waechter Architekten BDA, Darmstadt)

Das neue Archivgebäude ist in den Worten der Architekten eine stadträumliche Eingangssituation. Es setzt programmatisch wie baulich die Folge der universitären Institutsbauten fort. Ein „Schatzhaus“ im Zentrum beherbergt die Bestände des Historischen Archivs und des Rheinischen Bildarchivs. In der ringförmig organisierten Mantelbebauung finden sich Werkstätten, Labore und Arbeitsräume der Archive sowie öffentliche Bereiche. Zwischen „Schatzhaus“ und Schutzmantel sind ein quadratischer und ein längsgerichteter Innenhof in den Baukörper eingeschnitten.

Der Ausstellungsraumim Erdgeschoss und der Lesesaal im Obergeschoss sind mit Holzverkleidungen aus weiß geölter Douglasie ausgestattet. (Foto: Brigida González)

Allein 8.800 Quadratmeter für den Magazinbaukörper mit mehr als 50 Regalkilometern und 460 Planschränken für das Archivgut stehen zur Verfügung. Das Rheinische Bildarchiv bekommt weitere 2,2 Regalkilometer Lagerfläche. Zudem bietet der Neubau rund 150 Mitarbeitenden Arbeitsplätze, im Lesesaal stehen 45 Plätze für die Arbeit mit Archivgut zur Verfügung. Nun muss sich das komplexe Energiekonzept, das nicht nur aus Geothermie und Photovoltaik besteht, in der Praxis bewähren: Im Gebäude befindet sich auch ein Eisspeicher und die Hülle des Magazinbaukörpers kann temperiert werden.

Im Längsschnitt ist die Bedeutung des zentralen „Schatzhauses“ unverkennbar. (Plan: Waechter + Waechter Architekten BDA, Darmstadt)
Die Innenhöfe wirken wie moderne Interpretationen eines Kreuzgangs. ( Foto: Brigida González)

95 Prozent der 2009 verschütteten Archivalien sollen im Neubau dereinst lagern. Die Restaurierungsarbeiten sind in vollem Gang, werden aber laut WDR noch fast 30 Jahre in Anspruch nehmen. Das Archiv ist also auch ein Versprechen für die Zukunft, sagte die Kölner Oberbürgermeisterin zur Eröffnung.

Die Mantelbebauung mit Restaurierungswerkstätten, Laboren und Arbeitsräumen legt sich um das „Schatzhaus“ und die Innenhöfe. (Plan: Waechter + Waechter Architekten BDA, Darmstadt)

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