Neuer Empfang am Nürnberger Memorium

Manuel Pestalozzi
23. Januar 2023
Die Dachbegrünung des Siegerprojektes soll als „schwebender Baumhain“ in Erscheinung treten. (Visualisierung: Benter Architektur GmbH)

Die Nürnberger Prozesse fanden zwischen 1945 und 1949 im Justizpalast Nürnberg statt, in dem nun das Memorium untergebracht ist. Der geplante Neubau ist nicht nur eine als räumliche Ergänzung des Museums sondern als Beitrag zur weiteren Stadtentwicklung geplant. In ihm sollen neben den Flächen für Foyer, Empfang, Kasse und Gastronomie auch ein Bereich für Sonderausstellungen, für Seminare und für die Verwaltung der Einrichtung untergebracht werden. 

Unter Berücksichtigung der UNESCO-Welterbe-Bewerbung für den Gesamtkomplex des Gerichtsgebäudes sowie des historischen Zellengefängnisses der Justizvollzugsanstalt musste im ausgeschriebenen Wettbewerb der Authentizität des Ortes hohe Bedeutung beigemessen werden. Im Realisierungsteil des Wettbewerbs waren das Besucherzentrum und die Flächen vor dem Ostbau, die der Fürther Straße, der Bärenschanzstraße und die Flächen östlich der Bärenschanzstraße behandelt worden. In einem Ideenteil waren Vorschläge für die weitern Flächen westlich der Grundstücksmauer bis hin zum Hauptgebäude des Justizzentrums und teilweise längs der Fürther Straße gefragt.

Eine Lichtfuge trennt den Neubau von den östlichen Nachbargrundstücken. In der Vorzone westlich von ihm sind die mit Sitzbänken und Grünflächen ergänzten Oberlichter des ausgedehnten Untergeschosses zu erkennen. (Plan: Benter Architektur GmbH)
Internationale Teilnahme am Wettbewerb

66 Büros aus diversen Ländern haben sich am Wettbewerb beteiligt. Die Jury entschied sich einstimmig für das Projekt von Benter Architektur, Hamburg, mit Henningsen Landschaftsarchitekten, Berlin. Mit einem „schwebenden Baumhain“ als östliche Fassung des Vorplatzes will der vorgeschlagene Neubau des Siegerprojekts zeichenhaft hinweisen auf den historischen Ort: den Ostflügel und den Schwurgerichtssaal 600, den zentralen Handlungsort der Nürnberger Prozesse. Zwischen bestehender Mauer und Neubau wird der Blick von der Fürther Straße auf den bedeutenden Bestand weitgehend freigehalten. 

Das Beurteilungsgremium hält die klare und zurückhaltende, beinahe strenge Gestalt des Zentrums zusammen mit der ungewohnten Geste des angehobenen Baumhains für eine in ihrer Mehrdeutigkeit angemessene architektonische Ausdrucksform für diese besondere Aufgabe. Es gelinge, die besondere Bedeutung des Ortes zu vermitteln, ohne dass sich der Neubau in den Vordergrund drängen würde. Die Organisation der inneren Wege sei schlüssig, die angebotenen Flächen seien gut und flexibel nutzbar. 

Ein ausgedehntes Untergeschoss erweitert das Raumangebot. Auch der Zugang zur Ausstellung im Gerichtsgebäude erfolgt unterirdisch. (Plan: Benter Architektur GmbH)
Noch nicht in trockenen Tüchern

Eine ehemalige Autowerkstatt auf dem Areal, die – weiß gestrichen – vom Memorium seit 2021 als „Cube 600“ für Ausstellungen genutzt wird, besteht als Provisorium noch bis 2024, dann will die Stadt Nürnberg als Initiatorin und Auftraggeberin mit dem Neubau beginnen. Gemäß einem Beitrag von BR24 möchte sie für das Vorhaben mögliche Zuschüsse von Land und Bund einwerben. Denn aufgrund der fehlenden Mittel könne die Stadt Nürnberg das Besucherzentrum allein nicht realisieren, wie Kulturbürgermeisterin Julia Lehner (CSU) bei der Bekanntgabe der Siegerentwürfe mitgeteilt hatte.

Die Wettbewerbsentwürfe sind bis zum 9. Februar im Offenen Büro des Stadtplanungsamts, Lorenzer Straße 30, zu sehen. Der Eintritt ist frei.

Die Architektur des Besucherzentrums wirkt auf zurückhaltende Art feierlich. (Plan: Benter Architektur GmbH)

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