Neue Gründerzeit in Potsdam?

 Manuel Pestalozzi
3. Dezember 2018
Bild: J. Mayer H. und Partner
Auf dem Areal des ehemaligen Reichsbahnausbesserungswerkes (RAW) in Potsdam soll ein IT-Innovationszentrum entstehen. Die Bestandsbauten werden in das Projekt von J. Mayer H. und Partner integriert. Nicht alle sind begeistert.
Seit langem verfällt die so genannte RAW Halle am Hauptbahnhof. Nun soll in ihr und um sie ein IT- und Innovationszentrum entstehen, ein Creative Village und eine Brutstätte für Start ups. Ende Mai dieses Jahres konnte Oberbürgermeister Jann Jakobs die Pläne für die Restaurierung und künftige Nutzung des Areals vorstellen: Nachdem im Dezember 2017 der Berliner Projektentwickler Trockland mit weiteren Investoren das ehemalige Gelände in der Friedrich-Engels-Straße erworben hatte, wurde nach kurzer Planungsphase „innerhalb von rekordverdächtigen vier Wochen ein Architekturbüro gefunden“, war damals zu erfahren. Im Rahmen eines Auswahlverfahrens mit zwölf Architekten habe das Berliner Architekturbüro J. Mayer. H. und Partner die Bauherren mit seinem Konzept überzeugt.
 
Die Architekten haben für das sich über 12‘800 m² erstreckende Grundstück ein Konzept mit flexiblen Büros und großzügigen Gemeinschaftsflächen erarbeitet, welches ca. 24‘500 m² vermietbare Fläche erzeugt. Dabei bilden die denkmalgeschützte Halle sowie zwei prägnante Neubauten eine Einheit. Teile der Neubauten überqueren die alten Hallen in der Diagonalen, ohne sie zu verletzen. Die Backsteinfassade der 1912 erbauten Struktur soll als Baudenkmal künftig klar erkennbar sein. Weiterhin ist angedacht, dass mobile Elemente auf Schienen, die sowohl innen als auch außen nutzbar sind, an die einstige Bestimmung erinnern.
 
Neue Inputs lieferte Ende November Mirco Nauheimer. Er leitet The RAW Potsdm GmbH, welche als Auftraggeberin beim Projekt agiert. Neben Büro- und Gewerbeflächen sollen auch Veranstaltungsräume, Flächen für den Einzelhandel, ein Fitnesscenter und ein „Boarding House“, eine Art Langzeithotel für Gastwissenschaftler, entstehen. Von der Bahntrasse werde das Gelände durch eine mit Moosen begrünte Schallschutzwand abgegrenzt, die gleichzeitig Feinstaub einfange, gab blickpunkt-brandenburg.de bekannt.
 
Die Potsdamer Neueste Nachrichten melden, dass das Projekt in der Stadt nicht nur auf Begeisterung stößt. Wieland Niekisch, Chef der CDU in Potsdam-West findet, das Projekt passe nicht „zu Potsdam und seinen Maßen“. 33 Meter Maximalhöhe seien zu viel. Auch Barbara Kuster, Mitteschön-Aktivistin und Kabarettistin, meldete sich zu Wort: „Entweder sind es öde Betonkisten oder futuristisch Diffuses, was da unter dem Deckmantel ,modern’ in unserer Stadt gebaut werden soll“, kritisierte sie. Es besteht in Potsdam der Wunsch nach einem städtebaulich-architektonischen Wettbewerb und einem öffentlichen Diskurs. Die Stadtverordneten müssen dem Projekt auf jeden Fall noch zustimmen.
 
Bild: J. Mayer H. und Partner

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