Auswahl für Stadtwerke Bayreuth

Manuel Pestalozzi
11. Juli 2022
Das Siegerprojekt schlägt Neubauten in einer Holz-Beton-Verbundkonstruktion vor. (Visualisierung: © Gerber Architekten Dortmund)

Aktuell haben die Stadtwerke der bayerischen Stadt ihren Hauptsitz an der Birkenstraße, südlich des historischen Ortskerns. „Baulich gesehen steht uns das Wasser hier bis zum Hals“, kommentiert Dr. Roland Dietrich, kaufmännischer Leiter der Stadtwerke, den Anlass für neue Planungen. Verschiedene Standort-Optionen wurden seit 2018 evaluiert. „Sowohl die Modernisierung im Bestand als auch ein Neubau in der Birkenstraße oder auf der grünen Wiese sind durchgefallen“, sagt Dr. Dietrich zu dieser Phase der Entscheidungsfindung. Nun sollen die Stadtwerke auf das Gelände des Stadtbusverkehrs nördlich vom Stadtzentrum umziehen.

Der Architekturwettbewerb wurde bereits im Frühjahr entschieden, die Stadt kommentierte das Resultat aber erst jetzt öffentlich. Die Jury hat zwei Preisträger gekürt: Platz eins ging an das Büro Gerber Architekten aus Dortmund, den zweiten Platz belegte der Entwurf des Büros H2M aus München. Die Ansätze der beiden Projekte zeigen deutliche Unterschiede. Das erstrangierte Projekt plant den Erhalt des bestehenden Schalthauses, einem prägnanten historischen Bau am Berliner Platz – es würde entkernt und die Technik für die notwendige Stromverteilung an anderer Stelle untergebracht. Das Gebäude würde zum sozialen Herz des Unternehmens, wo Besprechungen stattfinden und die Mitarbeiter zusammenkommen können. Alle anderen Gebäude wie Werkstatt, Bürogebäude, Lager und Parkhaus orientieren sich an der Ausrichtung des Schalthauses und greifen in ihrer kleinteiligen Struktur die umgebende Bebauung auf.

Der zweitplatzierte Entwurf sieht mit einem S-förmigen Volumen eine kompaktere Lösung vor. „Es würde dem Prinzip folgen, dass wir alle tatsächlich unter einem Dach arbeiten können“, meint Dr. Dietrich. Die gewünschten Nachhaltigkeitskriterien will dieser Entwurf mit begrünten Dächern und einer Photovoltaikanlage erfüllen, außerdem mit einer Brettschichtholzkonstruktion, die ab den Obergeschossen zum Einsatz käme. 

Welcher der beiden Entwürfe letztlich zum Tragen kommt, ist noch nicht entschieden. „Wir verhandeln mit beiden Büros schon bald über einen Generalplanervertrag“, sagt Dr. Dietrich. „Sobald es ein Ergebnis gibt, fließt auch dies in eine finale Bewertung anhand einer Matrix ein.“ Entscheidend sind dann Punkte wie beispielsweise das Abschneiden beim Architektenwettbewerb, die Höhe des Gesamthonorars sowie die Projektorganisation und Kapazitätsbereitstellung seitens der Büros. Wesentlich ist ebenfalls, inwiefern ein Entwurf die gewünschte Nachhaltigkeitszertifizierung erreicht. Im Herbst wollen die Stadtwerke Bayreuth ihre Entscheidung präsentieren, damit noch im Jahr 2025 mit dem Umzug begonnen werden kann.

Mit der Begrünung und der abgetreppten modularen Fassade erweckt das zweitplatzierte Projekt in dieser Visualisierung den Eindruck einer bewusst und kunstvoll geplanten Ruine, die von Beginn weg überwachsen ist. (Visualisierung © H2M Architekturbüro München)

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