Altan im Dresdner Residenzschloss wiederhergestellt

Manuel Pestalozzi
4. Dezember 2023
Die Fresken schmücken die drei oberen Geschosse des Altans. (Foto: © SMF)

Der balkonartige Vorbau des Dresdner Residenzschlosses, der Altan, ist viergeschossig und zuoberst mit einem Dach versehen. Den Bauschmuck ließ man sich zur Entstehungszeit etwas kosten: Aus dem italienischen Brescia reisten die Gebrüder Gabriel und Benedetto Tola an und versahen die Fassaden mittels Sgraffitotechnik mit Szenen aus Bibel und römischer Geschichte. In den Loggien des Altans entstanden farbige Fresken: die »Bekehrung des Paulus« im ersten Obergeschoss, »Christi mit den Heiligen Drei Königen« im zweiten Obergeschoss und »Saba vor dem Thron Salomons« im dritten Obergeschoss. Relieftafeln von dem aus Meißen stammenden Hans Walther zeigen Szenen aus dem Buch Josua des Alten Testaments. Sie bildeten die Brüstung des ersten Obergeschosses.

Der Altan steht vor dem Hausmannsturm. (Foto: © SMF)

Infolge der Luftangriffe auf Dresden gegen Ende des Zweiten Weltkriegs brannte am 13. Februar 1945 das Schloss bis auf seine Grundmauern nieder. Die Fresken der Gebrüder Tola gingen allerdings großenteils schon beim Schlossbrand von 1701 verloren. Ab den 1980er-Jahren wurde ein Wiederaufbau des Residenzschlosses in Angriff genommen. Der Altan ist Bestandteil der Baumaßnahme »Großer Schlosshof, Fassaden und Hof«. Zu ihr gehörten die Rekonstruktion des Rohbaus, die Motiventwicklung und die Umsetzung der Motive. Die Bildhauerarbeiten am Altan begannen im Jahr 2007 und umfassen die sieben Brüstungsplatten, Kapitelle und Säulen. Über zehn Jahre nahm die Entwicklung der Freskenmotive ein, die in der Ausführung an der Rückwand des Altans ab dem Jahr 2016 ihren künstlerischen Höhepunkt fand. In einer ersten Phase hat sich die siebenköpfige Künstler*innengruppe anhand alter Stiche, Zeichnungen, Studien und Fotos mit den ursprünglichen Entwürfen und mit den in der Zeit üblichen Kompositionen, der Malweise und der Verwendung von Pigmenten befasst. In einem weiteren Schritt wurde das Gesamtwerk im Maßstab 1:10 entworfen, dann 1:3 und schließlich im Maßstab 1:1 auf Karton ausgeführt. Die Formen auf den Kartons wurden dann auf Transparentpapier und im Anschluss auf frischen Putz übertragen.

Besucher*innen des Großen Schlosshofes können die viergeschossige Loggia mit ihrem einzigartigem biblischen Freskenzyklus und ihren reichen Bildhauerarbeiten nun in voller Schönheit bewundern. »Wenn ein Wort die Arbeiten am Altan am besten beschreiben kann, so ist dies ›Kontinuität‹«, sagte Sachsens Finanzminister Hartmut Vorjohann anlässlich der Fertigstellung, »das betrifft sowohl den langjährigen Planungsprozess als auch die über Jahre andauernde Arbeit der Restauratoren vor Ort.«

Im ersten Obergeschoss wird die Bekehrung des Paulus dargestellt. (Foto: © SMF)

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