Solitude in Rankoshi

Ulf Meyer
24. Februar 2021
Foto: FBA

In dem drei Hektar großen, kaum berührten Wald bei den Ski-Pisten von Niseko herrscht Stille. Von der Schönheit der Region im Norden von Japan verzaubert, suchte die Eigentümer-Familie „Zuflucht in der Einsamkeit“ in dem Haus eines deutschen Architekten.

Der Architekt Florian Busch führt wohl als einziger Deutscher in Tokyo ein erfolgreiches Architekturbüro. Als er den Auftrag für eine Villa im Wald bekam, verstand er, dass es nicht nur um den Entwurf eines Hauses ging. Vielmehr sollte auch das Thema „Zeit im und mit dem Wald“ verbringen zelebriert werden, gerahmt von seiner Architektur. Das Baugrundstück mit 160 Meter langen Kanten, die von hohen Kiefern gebildet werden, hat nur eine Zufahrt von der nächsten Landstraße. Ein sanfter Hang führt hundert Meter nach Süden, bevor eine weitere Anhöhe die Grenze des Grundstücks markiert. Auf halber Strecke befindet sich eine Lichtung. Sie ist der einzige Ort, an dem die Entfernung die Bäume des Waldes in einen grünen Hintergrund verwandelt.

Das Haus in Holzrahmenbauweise liegt auf einer Stahlbeton-Platte (Foto: FBA)
Jeder „Ast“ des Hauses kulminiert in einem Point de vue (Foto: FBA)

Doch anstatt das Gebäude in der Mitte der Lichtung zu platzieren, schlängelt es sich zwischen den Bäumen am Rand der Lichtung entlang und verzweigt sich horizontal in mehrere „Finger“ oder „Äste“. Die große Abwicklung und die dünne Ausbildung der Fassaden überraschen europäische Betrachter. In Japan, wo massive Wände traditionell unbekannt sind und Häuser auf Querlüftung im Sommer und nicht auf den winterlichen Wärmeschutz hin konzipiert werden, ist diese Herangehensweise – wenn schon nicht nachhaltig – so doch zumindest baukulturell adäquat.

Foto: FBA
Foto: FBA

Wenn man sich durch das Haus bewegt, entsteht das Gefühl, man streife durch den Wald. Der Wald ist visueller Hintergrund des Lebens im Haus. In die Holzlatten-Fassaden sind an den Stirnseiten einfache quadratische Fenster eingeschnitten, die nach unten und außen gekippt werden können. Die neugierigen Blicke der Nachbarn sind hier – anders als auf jedem anderen Baugrundstück in Japan – einfach kein Problem. Das aufgeständerte Ferien-Haus in Holzrahmenbauweise ruht auf einer Stahlbeton-Platte. „Die Bewohner-Familie kann darin sowohl zusammen als auch für sich sein und Teil des Waldes werden,“ so Busch. Im dicht besiedelten und fast durchgehend urbanisierten Japan scheint solch eine Bauaufgabe einmalig.

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