Eine Zukunft für Gut Garkau

Manuel Pestalozzi
19. Dezember 2022
Klinker, Holz und ein Zollingerdach – das Gut Garkau ist auch wegen der sorgfältigen Materialisierung, der Farbgebung und der Konstruktion erhaltenswert. (Foto: seier+seier, CC BY 2.0, via Wikimedia Commons)

Das Gut Garkau beim Pönitzer See repräsentiert einen „sinnlichen Taylorismus“: Sämtliche Arbeiten in den Gebäuden und um sie herum waren nach amerikanischem Vorbild rationell organisiert, gleichzeitig wollten die planenden Architekten Mensch wie Tier ein angenehmes, anregendes Lebens- und Arbeitsumfeld bieten. Die in den Jahren 1924 bis 1926 errichtete Anlage ist ein herausragende Beispiel des „organischen Bauens“ und in ihrer Art einzigartig. Nach Härings Plan wurden drei Gebäude realisiert, die sich um einen Hof gruppieren.

Der Kuhstall besitzt einen birnenförmigen Grundriss. Die Kühe hatten ihre Steh- und Liegeplätze entlang der Außenwände, in der Mitte stand der Gitterverschlag des Bullen, dessen Präsenz sie angeblich zur Optimierung ihrer Milchproduktion hätte animieren sollen. Hohe Fensterbänder sorgten für Tageslicht, Schlitze an der Außenhülle für eine gute Frischluftzufuhr. Ein schräger Dachboden erleichterte die Beförderung des Heus auf den darunter gelegenen Futtertisch. 

Die Wagenremise neben dem Stall ist ein langgezogener Bau, an dessen Längsseite die einzelnen Wagen bequem und von einem weit vorkragenden Dach geschützt einfahren konnten. Der dritte Häring-Bau am Hof ist die 13 Meter hohe Scheune, die mit ihrem Zollingerdach* im Innern wie eine Kirche anmutet. Die hohe Holzkonstruktion des nach außen gewölbten Satteldachs besteht aus Rauten, deren Muster durch parallel und dabei etwas versetzt angeordnete Bretter entsteht. Der Erfinder dieser materialsparenden Dachkonstruktion, die durch eine optimale Lastverteilung ohne weitere tragende Elemente auskommt, war der Merseburger Stadtbaurat Friedrich Zollinger. Er hatte sie Anfang der 1920er-Jahre entwickelt.

Der Stall besticht durch organische Formen und eine von den Funktionen abgeleitete Silhouette. (Foto: seier+seier/Wikimedia Commons)
Intakt, doch gefährdet

Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz hat einen Spendenaufruf für den Erhalt von Gut Garkau lanciert. Bis 1973 wurde die Anlage für die Landwirtschaft genutzt. Dann stellte man die Milchwirtschaft ein. Begründet wurde dies damit, dass eine kleine Herde von 42 Tieren aus Kostengründen nicht mehr wettbewerbsfähig war. Der drohende Abriss des Kuhstalls konnte 1975 verhindert werden. Eine Aktion der Landesdenkmalpflege, „Gut Garkau darf nicht sterben“, sorgte damals für große Aufmerksamkeit und führte zu einer umfassenden Restaurierung. Aber wie weiter? Die Gebäude stehen seit bald 50 Jahren leer. Den Besitzer*innen wurde der stete Zustrom von Besucher*innen zu viel, sie ließen sich deshalb auch nicht mehr besichtigen. Das Tragwerk und das Dach bedürfen nun gemäß der Deutschen Stiftung Denkmalschutz dringend einer Sanierung. Man habe sich zum Ziel gesetzt, das Ensemble „im Sinn von Hugo Häring wieder zu einem ländlichen Ort zu machen, der nicht nur museal erinnert, sondern die Vision von lebendiger Architektur für Mensch und Tier erlebbar“ mache, erklärt die Stiftung auf ihrer Website.

Wie die „Lübecker Nachrichten“ jetzt mitteilen, hat die Eigentümerfamilie den Architekten Bernd Schmutz aus Berlin und sein Team mit einem Konzept für Sanierung und künftige Nutzung beauftragt. Seit zwei Jahren finde eine komplette Vermessung der Anlage statt. Die Holzkonstruktion sei intakt, ist von dieser Seite zu erfahren, nötig sei aber eine grundlegende Betonsanierung; eine neue Bodenplatte soll die Scheune schwellenlos machen. Für Scheune und Kuhstall seien zahlreiche Nutzungen denkbar, sagte der Architekt gegenüber der Zeitung, aber noch keine festgelegt. Möglich seien beispielsweise Symposien, Märkte, Musikkonzerte, Veranstaltungen für Schulen oder Architekturseminare, ein Forum zur Vermittlung ökologischer Landwirtschaft und Landschaftspflege sowie „Nutzungen nach den Bedürfnissen der Gemeinde“. Wünschenswert sei eine Öffnung des sanierten Gutes im Jahr 2025, also zum 100-jährigen Bestehen der Anlage, meint Bernd Schmutz.

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