Bildungszentrum für das Fleischerhandwerk

Hightech und Handwerk

Augsburg, 2010
10. Juni 2010
Bildungszentrum für das Fleischerhandwerk
2010

Proviantbachstraße 7
86153 Augsburg

Auftraggeber
Fleischerverband Bayern
Augsburg

Architektur
wulf & partner
Stuttgart

Projektleitung
Albrecht Krepp
Birgit Wohlfart

Tragwerksplanung
Weischede, Herrmann und Partner
Stuttgart

Landschaftsarchitektur
Jetter Landschaftsarchitekten

Stuttgart

Klimaengineering
Transsolar Energietechnik
Stuttgart

Fassaden
Roland Stölzle
Stuttgart

Bruttogeschossfläche
3.672 m²  Neubau
3.286 m²  Altbau
6.958 m²  gesamt

Baukosten
ca. 13,8 Mio. Euro

Fotografie
Zooey Braun



Mit 25 x 25 Metern hat der neue Kubus stattliche Maße. Im Hinblick auf die Nutzung als Fleischerschule und in Bezug auf die Umgebung wirkt diese Massivität und Größe jedoch sehr angebracht.

Viele von uns möchten auf ein zartes Stückchen Fleisch auf dem Teller nicht immer verzichten. Der Weg bis dahin hat mit „zart" allerdings nichts zu tun, sondern ist eher etwas für Hartgesottene, für Menschen mit viel Kraft und - zumindest am Arbeitsplatz - mit nicht allzu vielen Emotionen. Andererseits darf das Fingerspitzengefühl nicht fehlen, um das Tier richtig zu zerlegen. Hygiene spielt bei diesem Beruf eine ebenso wichtige Rolle. Beide Aspekte haben Wulf & Partner bei ihrem Neubau für die Fleischerschule in Augsburg architektonisch umgesetzt.
Die neuen Schulungs- und Büroräume sowie die Internatszimmer sollten während des laufenden Betriebs gebaut werden - was nicht leicht war. Denn das Grundstück bot für einen Anbau keinen Platz und das bestehende Gebäude konnte aus statischen Gründen nicht aufgestockt werden. Wulf & Partner haben dieses Problem mit einer Tischkonstruktion gelöst, die auf vier massiven Betonstützen ruht. Beim Wettbewerb 2005 zuerst nur mit dem zweiten Preis ausgezeichnet, kam das Büro mit seinem Entwurf dann doch zum Zug. Der erste Preis hätte unter diesen schwierigen Randbedingungen nicht realisiert werden können.
Die in allen Geschossen einheitliche Aufteilung der Fassade verrät nichts darüber, was in den dahinterliegenden Räumen geschieht.
Massiv und kräftig steht der viergeschossige Neubau nun auf seinen vier Stützen, von denen zwei im Altbau verschwinden und die beiden anderen von außen sichtbar sind. Die geschwungene Form macht dabei den Kraftfluss sichtbar und sieht gleichzeitig sehr grazil aus. Diesen Tenor – robust und dennoch fein – griffen die Architekten bei der Fassadengestaltung wieder auf. Die kleinen Glasmosaikfliesen schimmern in verschiedenen Brauntönen, lassen die Außenhaut von der Ferne flächig erscheinen und offenbaren erst in unmittelbarer Nähe dem Betrachter ihre Kleinteiligkeit. Gleichzeitig nehmen sie die Materialität der Praxisräume im Erdgeschoss vorweg, die aus hygienischen Gründen gefliest wurden. Die Verbindung zu eben diesem weißen, hygienischen Innenraum stellen die Lüftungselemente her, die aufgrund der naheliegenden, viel befahrenen Amagasaki-Allee auch in geöffneter Position einen gewissen Schallschutz gewährleisten.
Ein klares, geradliniges Design bestimmt auch den Innenraum, wie hier im Gemeinschaftsraum des Internats.
Fluren, Büros und Unterrichtsräumen spielen die Architekten im Innern auf die Hygiene und die Transparenz an, die in diesem Beruf oberste Priorität haben. Damit es des Guten nicht zu viel wird, sind die Gläser mittlerweile mit matten, grafisch schön gestalteten Folien beklebt. Ungestört lässt es sich einfach besser lernen. Wenige farbige Akzente – in einem Geschoss Orange, im darüberliegenden Hellblau und in den beiden oberen Grün – durchbrechen die ansonsten einheitlich helle Farbgebung.
In den beiden Obergeschossen, die das Internat aufnehmen, fällt ein kleines, feines Detail auf. Wer die Türgriffe genauer betrachtet, der entdeckt in ihrer Form, in ihrer Machart einen gelungenen Bezug zu dem, was in diesem Gebäude geschieht. Wie die klassischen, genieteten Holzgriffe der Fleischermesser sehen sie aus und liegen genau wie diese bestens in der Hand. So arbeiteten sich Wulf & Partner vom Großen zum Kleinen, immer den Bezug herstellend zu dem, was hier gelehrt wird: das Fleischerhandwerk.
Simone Hübener

Lageplan
Grundriss 2. Obergeschoss
Längsschnitt
Bildungszentrum für das Fleischerhandwerk
2010

Proviantbachstraße 7
86153 Augsburg

Auftraggeber
Fleischerverband Bayern
Augsburg

Architektur
wulf & partner
Stuttgart

Projektleitung
Albrecht Krepp
Birgit Wohlfart

Tragwerksplanung
Weischede, Herrmann und Partner
Stuttgart

Landschaftsarchitektur
Jetter Landschaftsarchitekten

Stuttgart

Klimaengineering
Transsolar Energietechnik
Stuttgart

Fassaden
Roland Stölzle
Stuttgart

Bruttogeschossfläche
3.672 m²  Neubau
3.286 m²  Altbau
6.958 m²  gesamt

Baukosten
ca. 13,8 Mio. Euro

Fotografie
Zooey Braun



Vorgestelltes Projekt

GRAFT

Villa M

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