Bürogebäude und Diagnosezentrum „CentoNew“ in Rostock von Gewers Pudewill

Feine Haut

 Thomas Geuder
3. September 2018
Der neue Unternehmensstandort der Centogene AG befindet sich auf der Rostocker Silohalbinsel, mit attraktiver Wasserlage. (Bild: HG Esch)
Im alten Hafen von Rostock haben die Architekten von Gewers Pudewill das Bürogebäude mit Diagnosezentrum „CentoNew“ errichtet, das auf den historschen Ort in der Hansestadt am Wasser mit einer klaren und feinen Fassade reagiert.
Projekt: Bürogebäude und Diagnosezentrum „CentoNew“ (Rostock, DE) | Architektur: Gewers & Pudewill GmbH (Berlin, DE) | Bauherr: Centogene AG (Rostock, DE) | Hersteller/Fassadenbauer: Geerds Metallbau GmbH (Groß Welzin, DE), Kompetenz: Aluminiumfassade mit Tiger-Drylac-Beschichtung | weitere Projektdaten siehe unten
Rostock ist – trotz seiner nur gut 200.000 Einwohner – die größte Stadt Mecklenburg-Vorpommerns, idyllisch gelgen mir direktem Wasserzugang zur Ostsee über die Warnow, die als breite „Unterwarnow“ in einem leichten Bogen nach Rostock verläuft und am östlichen Ende der Altstadt quasi im rechten Winkel abbiegt und sich von dort aus noch über 100 km weit ins Landesinnere schlängelt. Hier, im Knick also, liegt die Altstadt von Rostock, mit dem alten Hafengebiet entlang des Ufers der Unterwarnow. Einige historische Speichergebäude zeugen noch von einer Zeit, als der Stadthafen noch wirtschaftlich genutzt wurde, ehe er 1960 vom neuen Hochseehafen am an der Ostsee gelegenen Breitling bei Warnemünde abgelöst wurde. Dennoch: Der Stadthafen mit der auf einer leichten Anhöhe liegenden Petrikirche und dem Alten Markt sind die Keimzelle der Stadt Rostock.
Prägend im Umfeld ist neben der historischen Bebauung auch das Gebäude „AIDA Home“ mit fließenden Formen. (Bild: HG Esch)
Seit einigen Jahren entsteht im Stadthafen eine Art neuer Stadtteil. Die Stadt will den Stadthafen zu einem maritim-touristisch geprägten Bereich mit hoher Aufenthaltsqualität weiterentwickeln. In diesem Zuge ist Ende 2014 direkt an der Hafenkante der „Silohalbinsel“ bereits das marktante Gebäude „AIDA Home“ mit fließenden Formen entstanden. In direkter Nachbarschaft nun hat die Centogene AG – weltweit tätig auf dem Gebiet der Analyse seltener, angeborener Erkrankungen mittels gendiagnostischer Tests – ihren neuen Firmensitz „CentoNew“ errichtet, entworfen von Gewers Pudewill aus Berlin. Entstanden durch einen Spin-off aus der Universität Rostock, wächst das Unternehmen sehr schnell und dynamisch, sodass ein Neubau für die rund 220 Mitarbeiter am Standort Rostock notwendig wurde. Der Ort für dieses Unterfangen quasi in der historischen Kemzelle passt bestens zu dieser Gründerdynamik.
Dem Gebäude zum Wasser hin vorgelagert ist im Zuge der Bebauung eine reizvolle Uferpromenade für die Rostocker. (Bild: HG Esch)
Das Gebäude besteht aus gestaffelten Baukörpern, die die Kleinteiligkeit der Altstadt dahinter optisch aufnehmen. Genau genommen steht das Erdgeschoss auf einer Art Podium, auf das mehrere Freitreppen hinauf führen. So gelangt man zunächst in einen Lichthof, ein halböffentlicher, durchgrünter Bereich, der sich zu zum Wasser hin öffnet. Die Geschosse darüber werden im Prinzip aus zwei Baukörpern übereinander geformt, bei denen viele Mitarbeiter auch von innen heraus einen Blickbezug zum Wasser genießen können. Das oberste der beiden Geschosse ist ein X-förmiger Baukörper, mit dessen Wasserbezug auf den Terrassen die Architekten eine Reminiszenz an die frühreren Slipanlagen der Bootswerften an diesem Ort erzeugen wollen.
Auf der Landseite wird der Haupteingang durch eine breite Freitreppe markiert. (Bild: HG Esch)
Die Gegend um das CentoNew-Gebäude ist von recht unterschiedlichen Farben und Materialien geprägt, am aufgefälligsten aber sticht hier die Petrikirche mit ihrer für die Region typischen Bauweise der Backsteingotik hervor. Entsprechend haben die Architekten den Bürobau zunächst mit einem dunklen Klinkersockel versehen. Darüber bildet eine fein strukturierte Aluminiumfassade das eigentliche Gesicht des Bauwerks. Sie ist puverbeschichtet in einem warmen Kupferton (Fassadenbauer: Geerds, Beschichtung: Tiger Drylac). Die Fensterbänder sind dabei scheinbar bündig mit der Außenhaut angeordnet, tatsächlich aber handelt es sich um eine Art Kastenfenster, bei dem die eigentlichen Fenster sich hinter einer vorgelagerten und mit der Außenhaut bündigen Verglasgung befinden. Eine Schattenfuge oben und unten sorgt für die nötige Durchlüftung. Dieser konstruktive Umgang mit den Materialitäten führt dazu, dass die Fassade wie eine fein gespannte Haut wirkt, die die Räume umschließt. Auch einen ganz handfesten Vorteil bringt die vorgesetzte Scheibe: Die Mitarbeiter können ihre Fenster auch bei starkem Osteseewind öffnen.
Im Foyer werden die Farben und die Feinheit von außen weitergeführt. (Bild: HG Esch)
Lageplan (Quelle: Gewers Pudewill)
Grundrisse 3. Obergeschoss, 1. Obergeschoss, Erdgeschoss und Untergeschoss (v.l.u.o.n.r.u.) (Quelle: Gewers Pudewill)
Fassadendetail vertikal, horizonal und Ansicht (Quelle: Gewers Pudewill)
Den eigentlichen Fenstern vorgesetzt wird durch eine weitere Scheibe eine Art Kastenfenster erzeugt. (Bild: HG Esch)
Mit der Konstruktion aus Aluminiumverkleidung und vorgelagerter Scheibe können besonders scharfe Gebäudekanten erzeugt werden. (Bild: HG Esch)
Projekt
Bürogebäude und Diagnosezentrum „CentoNew“
Rostock, DE

Architektur
Gewers & Pudewill GmbH
Berlin, DE

Team
Tilman Richter-von Senfft (Projektleiter)

Bauherr
Centogene AG
Rostock, DE

Hersteller/Fassadenbauer
Geerds Metallbau GmbH
Groß Welzin, DE

Kompetenz
Aluminiumfassade pulverbeschichtet
Beschichtung: Tiger Drylac 068 / 71415, Terra 610

weitere Hersteller:
Glasfassade: Schüco
Verblendmauerwerk Sockel: GIMA
Systemtrennwände: Lichte
Beschläge: FSB

BGF
12.000 m²

Fertigstellung
2018

Fotografie
HG Esch
Projektvorschläge
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