Von Pinguinen abgeschaut

 Carsten Sauerbrei
15. Juni 2018
Mit zwei Flügeln greift das Café weit in den umgebenden Grünraum aus und fügt sich mit seinen Rundungen harmonisch in diesen ein. (Bild: Roland Halbe)
Pinguine und ihr antarktischer Lebensraum inspirierten die Architekten von «Heinle Wischer und Partner» zur Architektur ihres neuen Pinguin-Cafés im Dresdner Zoo. Ende März wurde es eröffnet.
Ende März öffnete im Dresdner Zoo das neue Pinguin-Café nach einem Entwurf der Dresdner Architekten von «Heinle Wischer und Partner». Gleich neben dem Pinguinbecken entstand ein neues Caféhaus mit 80 Innen- und 200 Außenplätzen, von dessen Terrasse aus die namensgebenden Zoobewohner direkt beobachtet werden können. Der winkelförmige Baukörper sollte, so die Entwurfsidee der Architekten, sich mit seinen zwei Flügeln weit zur Umgebung öffnen und Gäste damit aus verschiedenen Richtungen willkommen heißen.
Wie eine Eisscholle, getragen von Felsen sollen Dach und Wände wirken. (Bild: Roland Halbe)
Um das neue, pavillonartige Gebäude besser in die grüne Zoolandschaft zu integrieren, verzichteten «Heinle Wischer und Partner» auf 90-Grad-Winkel sowie sonstige Ecken und gaben dem Gebäude stattdessen eine weiche, fließende Form. Pinguine und ihr Lebensraum inspirierten die Architekten zur Formensprache des Neubaus, zum Beispiel zum markanten Schwarz-Weiß-Kontrast, zum weit auskragenden Dach, das an eine Eisscholle erinnern soll, und zu den mit schwarzem Trapezblech bekleideten Stahlbetonwänden, die Assoziationen an Felsen wecken wollen.
Neben dem schon im Außen vorhandenem Schwarz-Weiß prägen Rottöne das Caféinnere. (Bild: Roland Halbe)
Mit dem geschwungenen Dach des neuen Cafés wollen die Architekten so wie auch mit der Typografie des Schriftzugs mit dem Café-Namen an den Vorgängerbau an gleicher Stelle und seine expressive Dachform erinnern. Tatsächlich war dem vor kurzem eingeweihten Neubau eine Kontroverse um den Erhalt des historischen, 1973 eröffneten Pinguin-Cafés, einem Stahlrahmenmodulbau aus den späten 1960er-Jahren, vorausgegangen. Nachdem sich dieser aber als nicht sanierungsfähig erwiesen hatte, wurde er demontiert und seine Teile im Dresdner Lapidarium eingelagert.
Auch wenn das neue Dach mehr mit Nierentischen der 1950er-Jahre gemein hat als mit dem gefalteten Zackendach des Vorgängers, ist es «Heinle Wischer und Partner» doch gelungen, dessen utopisch-optimistische Architektur ins Heute zu transformieren. Dazu trägt auch wesentlich die poppig-coole Innenraumgestaltung der Deutschen Werkstätten, Hellerau bei, die sich die verwendeten Rottöne abermals von den Pinguinen abschauten, in diesem Fall von Farben an ihrem Kopf.
Die innenarchitektonische Gestaltung übernahmen die Deutschen Werkstätten, Hellerau. (Bild: Roland Halbe)

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