Barrierefreie Lindemannbrücke

Manuel Pestalozzi
14. November 2019
Direttissima als Treppe, Kringel als Rampe, lässt sich zum Entwurf von schlaich bergermann partner sagen. (Visualisierung: schlaich bergermann partner sbp gmbh)

Die Lindemannbrücke überquert den stark befahrenen Rheinlanddamm südlich von Dortmunds Zentrum. Die Verbindung für den nicht motorisierten Verkehr soll jetzt barrierefrei werden. Aus dem Ingenieurwettbewerb gingen zwei Siegerprojekte hervor.

Die derzeitige Fuß-und Radwegbrücke Lindemannstraße, die den Max-Ophüls-Platz im Kreuzviertel mit dem Vorplatz der Westfalenhallen und der Messe Dortmund verbindet, stammt aus den 1950er-Jahren. Die Verbindung zwischen dem Veranstaltungsareal und der Innenstadt wird bei Messen und insbesondere an Spieltagen des BVB stark genutzt und ist vor und nach dem Stadionbesuch auch als Treffpunkt beliebt. Das bogenförmige Bestandsbauwerk weist allerdings Steigungen von weit mehr als sechs Prozent auf und genügt der 2006 per Ratsbeschluss abgegebenen Verpflichtung Dortmunds zur Barrierenfreiheit des öffentlichen Raums nicht.

Zur Findung eines geeigneten Entwurfs wurde ein Ingenieurwettbewerb ausgelobt. Insgesamt 17 Teilnehmende haben Ideen entwickelt und ihre Beiträge eingereicht. Eine überraschende Vielfalt an Möglichkeiten trat dabei an den Tag, meldet die Stadt in einer Pressemitteilung. Die Jury hat sich am Schluss auf zwei erste Plätze festgelegt, die ganz unterschiedlich sind.

Ein Entwurf stammt vom Büro schlaich bergermann partner aus Stuttgart. So beschreibt es sein Projekt: Mit bindender Geste versöhnt der neue Steg die ungleichen Situationen beidseitig des Rheinlanddamms. Brücke und Rampen bilden eine eingängige Einheit, deren schwungvolle Form sich behutsam in die wertvolle Bebauung am Max-Ophüls-Platz einfügt. Den strengen Messevorplatz bereichert sie als sensibel gesetzter Kontrapunkt. Fußgänger durchschreiten auf ihrem direkten Weg einladend auskragende Schleifen, entlang derer großzügige Rampen alle Niveaus barrierefrei verbinden. Ein integrales Tragwerk ermöglicht die Silhouette beinahe abstrakter Eleganz.

Lageplan (Plan: schlaich bergermann partner sbp gmbh)

Ebenfalls siegreich war das Büro Dr. Kreutz+Partner aus Nürnberg. Sein Ziel war es, eine möglichst gradlinige und kurzweilige Verbindung zu gewährleisten. Zentrales Entwurfselement zur Höhenüberwindung sind hierbei große Wendeln, die im Außenbereich eine behindertengerechte Rampenführung gewährleisten und dann zum Innenbereich hin steiler werden. Der Brückenbau schließt hieran dynamisch an und zeichnet sich durch schwungvolle und elegante Linienverläufe aus. Die geometrische Ausbildung der wendelförmigen Rampen ist in Analogie zu physikalischen Wirbel-Phänomenen entwickelt: im Zentrum ist die Fließgeschwindigkeit am größten und nimmt umgekehrt proportional zum Abstand vom Zentrum ab.

Lageplan (Plan: Dr. Kreutz+Partner Beratende Ingenieure mbB)

Beim zweiten Entwurf, der ohne Treppen auskommt und nur eine Wegvariante anbietet, beeindruckte das Preisgericht die exzentrische Konstruktion der Spiralrampe. Dies ermöglicht die barrierefreie Führung der Fuß- und Radverkehre. Der Entwurf, so das Preisgericht, verwende brückenbautypische Konstruktionselemente, die auch in der späteren Unterhaltung unproblematisch sind.

Mit den zwei Preisträgern wird nun verhandelt und einem von ihnen schließlich der Zuschlag erteilt. In 2020 soll die Planung zum Abschluss gebracht werden. Der früheste mögliche Baubeginn läge dann im Jahr 2021. Die Wettbewerbsarbeiten sind noch bis zum 18. November, jeweils von 8:00 bis 15:00 Uhr, im Foyer des Studieninstitut Ruhr, Königswall 25-27, 44137 Dortmund, ausgestellt.

Fast schwerelos erscheint die Rampenspirale im Entwurf von Dr. Kreutz+Partner. (Visualisierung: Dr. Kreutz+Partner Beratende Ingenieure mbB)

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