Präsenz verstärkt

sop architekten
4. November 2020
Der 115 Meter lange Baukörper rückt eine erhaltenswerte, klassizistische Bestandsfassade in den Mittelpunkt des Gebäudes. (Foto: B+E Fotografie)

Das Düsseldorfer Büro- und Geschäftshaus Fürst & Friedrich ist fertiggestellt worden. Wolfgang Marcour von sop architekten beantwortet unsere Fragen zum Projekt.

Worin liegt das Besondere an dieser Bauaufgabe?

Es war eine besondere Herausforderung, ein Gebäude an dieser prominenten Innenstadtlage in Düsseldorf zu entwickeln – direkt gegenüber dem beliebten Kirchplatz und dann auch noch an der Stelle des ehemaligen West-LB Hauses, das jedem Düsseldorfer bekannt war. Aber genau das bot auch die Chance, die städtebauliche Situation in mehrerlei Hinsicht aufzuwerten und der historischen Natursteinfassade, die im Altbau eher unterging, eine angemessene Präsenz im Straßenbild zu verleihen. 

Das Büro- und Geschäftshaus öffnet sich an der Straßenecke Friedrichstraße (Foto: B+E Fotografie)
Welche Inspirationen liegen diesem Projekt zugrunde?

Natürlich hat uns die klassizistische Natursteinfassade, für die kein Denkmalschutz bestand, von Beginn an in ihren Bann gezogen, denn in ihrer reich detaillierten Ausprägung ist sie für Düsseldorf äußerst selten. Wir begegnen historischer Bausubstanz immer mit größtem Respekt, denn diese hat immer ihre ganz eigene Geschichte zu erzählen. Wenn die Möglichkeit besteht, einen Altbau oder Teile davon zu erhalten, sollte die Architektur entsprechend sensibel darauf reagieren. Das Neue sollte mit dem Alten in Dialog treten, in ergänzender oder in kontrastierender Form, wie zum Beispiel beim Düsseldorfer Ständehaus K21 oder beim Kolumba Museum von Peter Zumthor. Ein Neubau soll schon klar erkennbar bleiben und nicht versuchen, den Bestand zu kopieren.

Foto: B+E Fotografie
Im Innern eröffnet sich ein über 17 Meter hoher Luftraum, der den Blick auf die Bestandsfassade frei macht. (Foto: B+E Fotografie)
Wie reagiert der Entwurf auf den Ort?

Den mit 115 Metern sehr langen Baukörper haben wir in drei Abschnitte unterteilt. Die massive Gebäudekante bildet dabei nicht nur den Rahmen für die klassizistische Fassade, sie stellt auch eine sich zum Kirchplatz öffnende Eingangssituation dar. Im Gegensatz zum früheren Bestandsgebäude entsteht durch das Fürst & Friedrich so ein neuer, einladender Straßenraum. Das gastronomische Angebot und das transparente und zugängliche Foyer beleben den bislang eher anonymen Abschnitt des Fürstenwalls, wovon auch der gegenüberliegende Kirchplatz profitiert. Die der umliegenden Bebauung angeglichene Gebäudehöhe trägt nun außerdem zu einer angenehmen Beruhigung des Straßenbildes bei. 

Auf mehreren Etagen schaffen Außenterrassen zusätzliche Aufenthaltszonen. (Foto: B+E Fotografie)
Die Gastronomieflächen im Erdgeschoss werden über einen separaten Eingang erschlossen. (Foto: B+E Fotografie)
Inwiefern haben Bauherrschaft, Auftraggeber oder die späteren NutzerInnen den Entwurf beeinflusst?

Über die gesamte Projektphase hindurch hat stets ein intensiver Austausch und Dialog zwischen allen Beteiligten stattgefunden. So konnten wir uns recht früh darauf einigen, dass die Bestandsfassade in den Neubau integriert werden sollte. Der Bauherr, die Art Invest Real Estate, hat diese Entscheidung entschlossen und konsequent mitgetragen, trotz all der Unwägbarkeiten, die sich daraus für den Planungs- und Ausführungsprozess ergeben haben. 

Die einzelnen Nutzer, allen voran Design Offices, verleihen dem Gebäudeinneren mit ihren kreativen und unterschiedlichsten Bürokonzepten genau die facettenreiche Lebendigkeit und Ausdrucksstärke, die das Fürst & Friedrich so einzigartig machen.

Die Bürogeschosse sind den jeweiligen Mieterwünschen entsprechend flexibel aufteilbar. (Foto: B+E Fotografie)
Von Open-Space-Flächen mit Besprechungsinseln und Rückzugsbereichen über Kombizonen mit transparenten Konferenzräumen bis hin zu Einzel- oder Gruppenbüros finden sich diverse Einrichtungsformen wieder. (Foto: B+E Fotografie)
Beeinflussten aktuelle energetische, konstruktive oder gestalterische Tendenzen das Projekt?

Das Gebäude wurde technisch und energetisch so optimiert, dass eine Zertifizierung nach dem LEED Gold Standard erreicht wurde. So erfolgt die Wärmeversorgung über das Fernwärmenetz. Die Fassaden, die in den Fensterbereichen mit Sonnenschutzglas und Retrolux-Lamellen ausgestattet sind, wurden so geplant, dass auch in den Sommermonaten möglichst auf eine zusätzliche Kühlung verzichtet werden kann. Auch im Innenausbau wurde darauf geachtet, viele recycelfähige Materialien wie Naturstein, Glas, Metall oder Holz einzusetzen und möglichst auf Verbundteile und -werkstoffe zu verzichten. 

Lageplan (Zeichnung: sop architekten)
Ansicht Süd Fürstenwall und Grundriss Erdgeschoss (Zeichnungen: sop architekten)
Schnitte (Zeichnungen: sop architekten)
Fürst & Friedrich
2019
Friedrichstraße 56 / Fürstenwall 172-172a
40217 Düsseldorf

Nutzung
Büro- und Geschäftshaus
 
Auftragsart
Direktbeauftragung
 
Bauherrschaft
Art Invest Real Estate, Köln
 
Architektur
slapa oberholz pszczulny | sop architekten, Düsseldorf
Wolfgang Marcour, geschäftsführender Gesellschafter und Projektleiter
Birgit Brodhage, Projektleiterin 
Katharina Kirstein, Dennis Siedenburg, Jan Nosewicz, Klaus Wolfert, Antoine Verbaere, Viet Hoang, Kresimir Radnic, Karina Schmidt, Iljana Slapa
 
Fachplaner
TGA-Planung: HPS Haustechnik Planungsbüro Schumacher, Rheinbach
Tragwerksplanung: SPI Schüßler Plan Ingenieurgesellschaft, Düsseldorf
Planung Brandschutz: Rieser Wessel Brandschutzsachverständige und Ingenieure, Frankfurt
Planung Bauphysik: Henneker Zillinger Ingenieure, Bonn
Fassadenberater,- planung: InFaCon, Köln
Lichtplaner: MAASS-Licht, Mainz

Kunst am Bau
Jan Albers, Wuppertal
Leitmotiv «Aus Alt wird Neu» 
 
Ausführende Firmen
Rohbau: Aug. Prien Bauunternehmung GmbH & Co.KG
Generalunternehmer: ARGE Zech Bau GmbH und Rud. Otto Meyer Technik GmbH & Co.KG
Natursteinfassade: Bamberger Natursteinwerk, Bamberg
Naturstein Innen: Rausch & Schild GmbH, Kottenheim
Fassade: NR Metallbau GmbH
Innenausbau: Seibel und Weyer GmbH
Verkleidungen Innen: Alsta GmbH und CO.KG, Worms
Aufzüge: thyssenkrupp Aufzüge GmbH, Hürth
 
Hersteller
Systemtrennwände: Strähle Raum-Systeme GmbH
Lamellendecke: Haufe Deckensysteme
Innenverkleidung: Fielitz GmbH
Waschtische: Hi-Macs
Holztüren, innen: Holzbau Schmid GmbH & Co.KG
 
Energiestandard
EnEV, 2014 /2016, LEED Gold
 
Bruttogeschossfläche
26.300 m²
 
Gebäudevolumen
ca. 96.700 m²
 
Gebäudekosten
k.A.
 
Auszeichnung
LEED Gold 
 
Fotos
B+E Fotografie, Düsseldorf

Verwandte Artikel

Vorgestelltes Projekt

THOMAS STADLER ARCHITEKTEN

Büro- und Geschäftshaus Rathausstraße

Andere Artikel in dieser Kategorie

Voll Holz
vor einer Woche
Präsenz verstärkt
vor 3 Wochen
Recycelter schwarzer Titan
vor einem Monat
Hölzernes Kleid
vor einem Monat