Markant gefaltet

wulf architekten
26. Mai 2021
Das gezackte Hallendach wächst aus dem Kubus heraus und krönt den Baukörper. (Foto: Brigida González für wulf architekten)

Das Büro wulf architekten hat das Sportzentrum des Schulcampus Überlingen fertiggestellt. Tobias Wulf beantwortet unsere Fragen zum Projekt.

Worin liegt das Besondere an dieser Bauaufgabe?

Für den Schulcampus in Überlingen am Bodensee wurde ein Masterplan entwickelt, dessen zentraler Bestandteil der Neubau eines Sportzentrums ist. Fünf Sporthallen von unterschiedlicher Größe sollten in einem klar umrissenen Baukörper untergebracht werden. Um den Footprint zu minimieren, wurden die Nutzungen gestapelt: Im Sockel, der als transparente Fuge gestaltetet ist, befinden sich das Foyer sowie die Tribüne. Von hier aus ist die um ein Geschoss abgesenkte Dreifeldsporthalle gut einsehbar und es ergeben sich spannende Blickbeziehungen nach außen zu den umliegenden Schulen und Sportplätzen. Im oberen Geschoss wurden die Ballsport- und Geräteturnhalle mit Nebenräumen angeordnet. 

Das Sportzentrum ist auf die Bedürfnisse der SportlerInnen zugeschnitten und bietet optimale Rahmenbedingungen für den Sportunterricht der Schulen, aber auch für Wettkämpfe und Sportveranstaltungen. Als zeitgemäße Sportstätte wertet es die Sportlandschaft der Stadt Überlingen auf.

Die weiße Streckmetall-Hülle vereinheitlicht die Fassade und gibt ihr Tiefe. Die Eingänge werden durch Unterschnitte akzentuiert. (Foto: Brigida González für wulf architekten)
Welche Inspirationen liegen diesem Projekt zugrunde?

Die geografische Lage des Bauvorhabens war für die Gestaltung ausschlaggebend. Aufgrund der Nähe zum Bodensee und zu den Alpen waren Assoziationen wie Wind, Wolken und Berge zu Projektbeginn visuelle Leitideen. Das prominente gegenläufige Treppenhaus basiert auf der Idee eines offenen und kommunikativen Hauses. Es sollten helle Innenräume mit hoher Aufenthaltsqualität entstehen. Um diese Leichtigkeit auch nach außen zu transportieren, wurde eine sphärisch wirkende Fassade gewählt.

Von der Tribüne aus ist die um ein Geschoss abgesenkte und stützenfrei ausgebildete Dreifeld-Halle gut einsehbar. (Foto: Brigida González)
Durch die großzügigen Verglasungen ergeben sich spannende Blickbeziehungen nach außen. (Foto: Brigida González für wulf architekten)
Wie reagiert der Entwurf auf den Ort?

Die Sporthalle präsentiert sich als atmosphärischer, eleganter Solitär. Das markant gefaltete Hallendach strukturiert den Baukörper und vermittelt zu den benachbarten, kleinmaßstäblicheren Wohnbauten. Die weiße Streckmetall-Hülle vereinheitlicht die Fassade und gibt ihr Tiefe. Der Baukörper ist im Stadtbild präsent und bietet einen hohen Identifikations- und Wiedererkennungswert.

Die gegenläufige Treppe führt zur Ballsporthalle und zur Gerätturnhalle im Obergeschoss. (Foto: Brigida González für wulf architekten)
Treppenhaus und Luftraum werden über Oberlichter mit Tageslicht versorgt. (Foto: Brigida González für wulf architekten)
Die Gerätturnhalle ist entsprechend der Bedürfnisse des Turnvereins mit Turngeräten, Weichbodenmatte und Schnitzelgrube ausgestattet. (Foto: Brigida González für wulf architekten)
Ballsporthalle im Obergeschoss (Foto: Brigida González für wulf architekten)
Inwiefern haben Bauherrschaft, Auftraggeber oder die späteren NutzerInnen den Entwurf beeinfusst?

Zu Beginn stand ein Raumbedarf, der im Prozess mit Nutzern geschärft wurde. Äußere Faktoren auf dem potentiellen Baufeld, dem Schulcampus, wurden durch das Vorschalten einer Masterplanung einbezogen. Sämtliche Entscheidungen durchliefen die demokratischen Prozesse der großen Kreisstadt. Neben regelmäßigen Abstimmungen mit Bauherrenvertretung und Nutzerschaft waren die üblichen Gremientermine ein wichtiger Teil der Planung. Darüber hinaus wurde ein Gemeinderatsausschuss projektbegleitend in alle Phasen der Planung einbezogen. So wurden übergeordnete Themen zu Projektbeginn genauso intensiv betrachtet wie detaillierte gestaltgebende Entscheidungen zum Raum- und Materialkonzept.

Tagsüber ist die Halle dem Sportunterricht vorbehalten, abends und am Wochenende stehtsie auch den Überlinger Sportvereinen offen. (Foto: Brigida González für wulf architekten)
Die Fassade verleiht dem Baukörper eine sphärische Wirkung, wodurch er leicht und unaufdringlich erscheint. (Foto: Brigida González für wulf architekten)
Wie hat sich das Projekt vom ersten Entwurf bis zum vollendeten Bauwerk verändert?

Viele Parameter waren zu Beginn noch unsicher. Der Masterplan führte zu einer ersten Tendenz: Die Stapelung der Nutzungen. Die Suche nach dem richtigen Tragwerk für große Spannweiten brachte uns der Gestaltung des Baukörpers und des Dachs näher. Während des Planungsprozesses entstand auch die Idee, das Erdgeschoss als verglaste Fuge zum Außenraum zu gestalten. Ebenso kam die Akzentuierung der Eingänge durch Unterschnitte erst später hinzu. Ursprünglich sollte auch eine Kletterhalle integriert werden, die nun aber als eigenständiges Gebäude geplant wird.

Vogelperspektive (Foto:Michael Bertsch für wulf architekten)
Schwarzplan (Zeichnung: wulf architekten)
Grundriss Ebene 0 (Zeichnung: wulf architekten)
Grundriss Ebene 1 (Zeichnung: wulf architekten)
Schnit (Zeichnung: wulf architekten)
Sportzentrum Schulcampus Überlingen
2020
Rauensteinstraße 2 
88662 Überlingen

Auftragsart
VOF-Verfahren
 
Bauherrschaft
Große Kreisstadt Überlingen

Architektur
wulf architekten, Stuttgart 
Michael Bertsch (PL), Seda Ersal, Oleksandra Kolesova
 
Fachplaner
Projektsteuerung: Hitzler Ingenieure, München
Tragwerksplanung: wh-p GmbH Beratende Ingenieure, Stuttgart
Landschaftsarchitekt: Planstatt Senner, Überlingen
HLS- und ELT-Planung: Klett Ingenieur GmbH, Fellbach
Leitsystem: wulf architekten gmbh, Stuttgart / Julian Henschel DoneByGhosts, Stuttgart
 
Bauleitung
Architektur Holzer, Überlingen
 
Ausführende Firmen
Rohbauarbeiten: Wolfer und Goebel Bau GmbH, Stuttgart
Fassadenarbeiten: S + T Fassaden, Owingen (vorgehängte hinterlüftete Fassade)
Maler- Lackierarbeiten: Heinrich Schmid GmbH & Co. KG. Somgem
Trockenbau: Schäfer GmbH, Allensbach (Abhangdecken); YA Ausbau GmbH, Neu-Ulm (Ständerwände)
Zimmer- und Holzbauarbeiten: IHR Tischler GmbH & Co. KG, Harth-Pöllnitz
Sporthallenausstattung Festgeräte: Benz Sport GmbH, Winnenden
Sporthallenausstattung Mobilgeräte: Sportco GmbH, Hagen
Sporthallenausstattung: Kleiner Metallbau GmbH, Eigeltingen
Sporthallenausstattung Möbel: Thomas Bihler GmbH, Ravensburg
Sporthallenausstattung TVÜ: Spieth Gymnastics, Altbach
Dach: Kalzip Dach

Hersteller
Streckmetallfassade: Pro Metall Leobersdorf (AT)
Fassade (Unterkonstruktion, Profile, Wellblech): S + T Fassaden GmbH, Owingen
Türen, Tore: Schüco, Bielefeld
Sportboden: SBS Sportbödensysteme, Osnabrück
 
Bruttogeschossfäche
5.600 m²

Gebäudevolumen
43.000 m³
 
Gesamtkosten
k.A.
 
Fotos
Brigida González (1-10)
Michael Bertsch (11)

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