In Blech gekleidet

Dauner Rommel Schalk Architekten
2. Februar 2022
Ansicht von der Kirchstraße mit dem Westfenster des Saals (Foto: Julian Bauer)

Dem Büro Dauner Rommel Schalk Architekten gelang es, durch den Neubau des katholisches Gemeindehauses Fachsenfeld das Kirchenumfeld städtebaulich neu zu ordnen. Tilman Schalk wählt drei Zeichnungen und neun Fotos und beantwortet unsere fünf Fragen.

Worin liegt das Besondere an dieser Bauaufgabe?

Die Planung kirchlicher Gemeindehäuser ist eine reizvolle Aufgabe, da ganz unterschiedliche Raumtypen zu einem harmonischen Ganzen zusammengeführt werden müssen. Beim Katholischen Gemeindehaus Fachsenfeld sind dies der Saal, Gruppenräume und Verwaltungsräume. Alle haben andere Raumhöhen und ganz unterschiedliche Anforderungen, müssen aber auf kleiner Grundfläche funktional und gestalterisch sinnvoll kombiniert werden.

Luftbild von Nordost auf den Eingangs- und Verwaltungsbereich (Foto: Stefan Höfer)
Wie reagiert der Entwurf auf den Ort?

Bei Bearbeitung des Entwurfs während des Wettbewerbsverfahrens stellte sich der Zuschnitt des Grundstücks als große Herausforderung dar. Dem Wunsch, der dominanten Kirche ein ebenbürtiges Pendant gegenüberzustellen, konnte nur durch Platzierung der Baumasse möglichst nahe zur Kirche und damit gleichzeitig an der engsten Stelle des Baufelds gerecht werden. Damit werden klare städtebauliche Zonierungen geschaffen, in deren Mitte das Gemeindehaus sowohl ordnendes wie auch verbindendes Element ist. Die daraus entstandene polygonale Grundfigur des Baukörpers wird erst durch die skulpturale Ausformung des Dachs mit seiner zentral angeordneten Laterne wahrnehmbar gemacht.

Gartenfassade nach Süden (Foto: Julian Bauer)
Witterungsgeschützter Bereich vor dem Saal und den Gruppenräumen (Foto: Tilman Schalk)
Inwiefern haben Bauherrschaft, Auftraggeber oder die späteren NutzerInnen den Entwurf beeinflusst?

Von Anfang gab es von Seiten der Bauherrschaft reges Interesse und Mitwirkung am Planungsgeschehen und Bauverlauf. Dies führte dazu, dass das fertiggestellte Gemeindehaus von der Katholischen Kirchengemeinde nun vollumfänglich angenommen wird.

Gartenfassade nach Süden (Foto: Julian Bauer)
Südwestansicht (Foto: Ralf Dieter Bischoff)
Haupteingang in Richtung Kirche (Foto: Ralf Dieter Bischoff)
Wie hat sich das Projekt vom ersten Entwurf bis zum vollendeten Bauwerk verändert?

Die Grundrissstruktur und die Gebäudekubatur, die diesem Projekt auch den Wettbewerbsgewinn bescherten, blieben bis zur Fertigstellung nahezu unverändert. Allerdings hat sich im Laufe der Planung die ursprünglich vorgeschlagene vertikale Holzverschalung der Fassaden in eine Blechfassade analog zur Dachdeckung verändert. Im Unterschied zu manch anderen Änderungen war dies eine äußerst positive Entwicklung, die dem Gebäude das nun unverwechselbare Erscheinungsbild verleiht.

Foyer (Foto: Julian Bauer)
Saal (Foto: Julian Bauer)
Welche speziellen Produkte oder Materialien haben zum Erfolg des vollendeten Bauwerks beigetragen?

Das eingeschossige Gebäude ist ein Holzbau, der auf einem umlaufenden Betonsockel sitzt. Der Betonsockel gleicht die Höhendifferenzen des angrenzenden Geländes aus und gewährleistet gleichzeitig den konstruktiven Witterungsschutz für die hinterlüftete Fassade. Alle bewitterten Flächen – sowohl der Fassade wie auch des Dachs – sind mit einer eloxierten Aluschindel- Deckung bekleidet. Die zurückspringenden Abschnitte der Fassade sowie die Oberflächen der repräsentativen Innenräume haben eine Vorsatzschale aus Lärchenlatten bzw. Weißtannenvertäfelung erhalten. Das Zusammenspiel zwischen Alu und Holz, das gleichzeitig auch das Zusammenspiel von Außen und Innen darstellt, unterstreicht das Alleinstellungsmerkmal des neuen katholischen Gemeindehauses.

Lageplan (Zeichnung: dauner rommel schalk)
Grundriss (Zeichnung: dauner rommel schalk)
Schnitt (Zeichnung: dauner rommel schalk)
Katholisches Gemeindehaus Fachsenfeld
2020 
Kirchstraße 34
73434 Aalen-Fachsenfeld

Auftragsart
Beauftragung nach Wettbewerbsgewinn / HOAI §§ 33- 35 / LP 1 - 9
 
Bauherrschaft
Katholische Kirchengemeinde Herz Jesu, Aalen-Fachsenfeld
 
Architektur
Dauner Rommel Schalk Architekten, Göppingen / Stuttgart
Mitarbeiter: Marina Schmid, Marcus Büchler
 
Fachplaner
Tragwerksplaner: Furche Geiger Zimmermann, Köngen
HLS + Elektro: H+H Planungs GmbH, Uhingen
Bauphysik: Schmitt + Mann, Stuttgart

Ausführende Firmen
Rohbau: Benno Müller Bauunternehmen, St.- Georg- Straße 13, Westhausen
Holzbau: Holzbau Jürgen Höfer, Hattenhofen
Dachabdichtung: Werner Scholz GmbH & Co. KG, Aalen
Fenster + Türen: Bühlmaier Fensterbau, Leinzell
Metallfassade + Metalldach: Fleischer Metallfaszinationen, Neuhaus am Rennweg
Heizung + Sanitär: Klein GmbH, Stödtlen
Lüftung: ESW Luft- und Klimatechnik GmbH, Ellwangen / Jagst
Geothermie: BauGrund Süd, Bad Wurzach
Elektro: Elektro Jerg, Aalen
Trockenbau: Eberhard Schaaf GmbH, Dürnau
Schreiner: Bott Schreinerei GmbH, Neuffen
Küchentechnik: Sapper GmbH, Göppingen
Außenanlagen: Grünanlagen Schwarz, Aalen

Bruttogeschossfläche
662 m²
 
Gebäudevolumen
3.217 m³
 
Kubikmeterpreis
750 €/m³

Gesamtkosten
2.413.750 €

Fotos
Julian Bauer, Stuttgart (01, 03, 05, 08, 09)
Stefan Höfer, Hattenhofen (02)
Tilman Schalk, Stuttgart (04)
Ralf Dieter Bischoff, Nürnberg (06, 07)

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