Gemeinsam Lernen

Walter Huber Architekten
27. Mai 2020
Vorplatz (Foto: Zooey Braun)

Mit der Erweiterung der Ludwig-Schwamb-Schule und der Mühltalschule in Darmstadt-Eberstadt waren Walter Huber Architekten betraut. Walter Huber erläutert für uns das Projekt.

Worin liegt das Besondere an dieser Bauaufgabe?

Die kooperative und pädagogischen Zusammenarbeit der Ludwig-Schwamb-Schule (Grundschule) und Mühltalschule (Förderschule) sollte durch eine bauliche Neuordnung zum Ausdruck gebracht werden. Hierzu wurde ein Architektenwettbewerb ausgelobt, den wir 2014 gewonnen haben. Anders als der Großteil der Teilnehmer haben wir die Erweiterung bewusst als freistehenden Neubau begriffen und diesen als Doppelpavillon geplant. Ziel war neben der räumlichen Erweiterung einschließlich Mensa und Ganztagesbereichen dem inklusiven Unterrichtskonzept einen konzeptionellen und räumlichen Ausdruck zu geben.

Eingang (Foto: Zooey Braun)
Welche Inspirationen liegen diesem Projekt zugrunde?

Wir wollten den Schulcampus öffnen und der Schule mit einem transparenten Gebäude eine neue Adresse geben. Inspiriert wurden wir hierbei durch den eingeschossigen Vorgängerbau mit seiner klaren und feingliedrigen Nachkriegsarchitektur. Im Wettbewerb war es freigestellt diesen Pavillonbau in die Erweiterung mit einzubeziehen. Eine Einbeziehung und Überformung des Vorgängerbaus empfanden wir als nicht angemessen, da die Eingriffe zu umfangreich gewesen wären. 

Fassade EIngangspavillon von Norden (Foto: Zooey Braun)
Wie reagiert der Entwurf auf den Ort?

Zwei versetzt angeordnete Pavillons bilden das städtebauliche Konzept. Durch die Setzung entsteht ein einladender öffentlicher Vorplatz als gemeinsame Erschließung von Bestand und Neubau. Durch die klare Trennung behält das Bestandgebäude seine gestalterische und funktionale Eigenständigkeit. Wir wollten den Campus weiterbauen, ohne zu sehr in den Bestand einzugreifen.

Fassade von Westen (Foto: Zooey Braun)
Inwiefern haben Bauherrschaft, Auftraggeber oder die späteren NutzerInnen den Entwurf beeinflusst?

Unsere Schule war die erste Inklusionsschule in Darmstadt. Insofern war die Zusammenarbeit mit dem Auftraggeber und Nutzer sehr offen. Das im Wettbewerb vorgeschlagene einfache räumliche cluster-förmige Konzept mit offenen Lernbereichen als „Möglichkeitsräume“ wurde in der nachfolgenden Planung mit dem Nutzer weiterentwickelt. Wichtig war, das aktive Erkunden und selbständige Aneignen von Lern- und Lebensstrategien zu ermöglichen, bei der Offenheit und Kommunikation ebenso zu Geltung kommen wie Konzentration und Rückzug. Wir konnten den Nutzer überzeugen, auch die Möblierung zu entwerfen, damit Raum, Funktion und Gestaltung eine Einheit bilden.

Klassenraum (Foto: Zooey Braun)
Wie hat sich das Projekt vom ersten Entwurf bis zum vollendeten Bauwerk verändert?

Die einfache und schlüssige Grundkonzeption wurde gegenüber den ersten Überlegungen aus dem Wettbewerb nicht verändert. In der LPH 3 mussten wir ein paar Kostenrunden drehen. Diese haben dem Entwurf jedoch nicht geschadet und wir sind im Nachhinein sogar glücklich darüber. Der Baukörper wurde noch klarer und die feingliedrige Fassaden mit den vertikalen Lisenen prägnanter.

Mensa (Foto: Zooey Braun)
Offene Lernmitte (Foto: Zooey Braun)
Offene Lernmitte (Foto: Zooey Braun)
Lageplan (Zeichnung: Walter Huber Architekten)
Grundriss Obergeschoss (Zeichnung: Walter Huber Architekten)
Schnitte (Zeichnung: Walter Huber Architekten)
Erweiterung Ludwig-Schwamb-Schule und Mühltalschule Darmstadt-Eberstadt
2018
Nussbaumallee 6
64297 Darmstadt
 
Auftragsart
Wettbewerb 1 Preis
 
Bauherrschaft
Wissenschaftsstadt Darmstadt
EB Immobilienmanagement – Schulbaukoordination
Fachbereich Bauunterhaltung und Projektsteuerung, Darmstadt
 
Architektur
walter huber architekten, Stuttgart
 
Fachplaner
Tragwerk: merz kley partner GmbH, Dornbirn (AT)
TGA: IWP Ingenieure für Systemplanung GmbH, Stuttgart
ELT: Steinigeweg Planungs GmbH & Co KG, Darmstadt

Ausführende Firmen
Bauzaun: MKI, Seeheim
Abbruch: CDM Consult, Alsbach
Rohbau: Bauunternehmung Streib, Mannheim
Beton- Sichtbetonkosmetik: Kopp, Emerkingen
Holzbau: Müllerblaustein Holzbauwerke, Blaustein
Fenster: Etter Fenstertechnik, Rosenfeld-Leidringen
Dach: W. Müller, Weinstadt-Endersbach
Leckortung: Progeo Monitoring, Großbeeren
Trockenbau: K. T. Trockenbau, Offenbach
Brandschutz: GZ Innenausbau
Bekleidungen, Mühltal
Blitzschutz: Püschel, Dieburg
Kampfmittel- Tauber Explosive, Weiterstadt
Elektro: Mauer Elektrotechnik, Darmstadt
Elektro: Dornhöfer, Darmstadt
MSR - Sauter Deutschland, Heusenstamm
Lüftung: Otto, Weiterstadt
Heizung, Sanitär: Konrad Kohl, Darmstadt
Estrich: Celar Estrichbau, Dieburg
Boden Linoleum: Manfred Hofmann, Bickenbach
Schreiner/ Decke: Rittersberg-Holzbau, Bensheim-Gronau
Schreiner / Wand/Türen Türenfertigung + Innenausbau: Göbes, Hardheim-Schweinberg
Schreiner / Einbaueinrichtungen: Entedimension,  Darmstadt
WDVS: Wilhelm Klein Stuck-Putz-Malerei, Darmstadt
Raumausstattung: Buttmi Raumausstattung, Darmstadt
Fliesen: Mertens Fliesen, Büttelborn
Beschichtung: Epo-Pur Bodenbeschichtungen, Waldstetten
 
Hersteller
BSH-Träger + BSP Decken – Binderholz
Baubuche – Pollmeier 
Dachabdichtung: Vedag
Lino: Forbo
Holzakustikdecke. Lignotrend
Bodenbeschichhtung: BASF
Leuchten: Zumtobel, Regent
Sanitär: Duravit. Keramag
 
Energiestandard
Jahres-Primärenergie ca 38% unter EnEV
 
Bruttogeschossfläche
2.960 m²
 
Gebäudevolumen
12.577 m³
 
Kubikmeterpreis
502,67 €/m³ KG 300+400 brutto
 
Gebäudekosten
6.400.000 € KG 300-400
 
Fotos
Zooey Braun

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