Jugendtreff am Kulturzentrum E-Werk in Erlangen

Für die Jugend

ARGE Gentner - Bachmann
21. März 2018
Biergarten von Süden

Das etablierte, trutzige Kulturzentrum E-Werk in Erlangen wurde von der ARGE markus gentner. att architekten und bachmann architekten erweitert. Die Architekten erläutern das Projekt.

Worin liegt das Besondere an dieser Bauaufgabe?
Das „E-Werk“ ist als Veranstaltungs-, Kultur- und Jugendzentrum seit Jahrzehnten eine Institution im Kulturangebot der Stadt Erlangen mit Besuchern aus der gesamten Metropolregion Nürnberg. Die spannende Herausforderung bestand darin, den Geist des kreativen, mitunter auch provokativen, alternativen Szenetreffs des „E-Werks“ aufzugreifen, gleichzeitig aber – in der nüchternen städtebaulichen Betrachtung – das bestehende industrielle Bauvolumen zu komplettieren. Es ging folglich um Ergänzung, aber auch Weiterentwicklung oder anders ausgedrückt: um Raum für neue Ideen in einem etablierten kulturellen Umfeld.

Wie reagiert der Entwurf auf den Ort?
Der Neubau ermöglicht ein neues Innen und Außen des gesamten Areals. Aus dem ehemaligen Vorplatz des alten E-Werks wurde durch die neuen Gebäudeteile ein klar definierter Innenhof, der als räumliches Zentrum des Ensembles für open-Air-Veranstaltungen und Gastronomie fungiert. Erhalten werden konnte zudem eine alte Baumallee. Kein Kahlschlag, sondern Integration und Nachhaltigkeit standen im Vordergrund. Der alte Baumstand wurde weitgehend erhalten und in den Neubau des neues Jugendtreffs einbezogen: in der Blickachse, dem wörtlich zu verstehenden Umbauen einer mächtigen Linde, der Verwendung von Holz in der Fassade, der farblichen Gestaltung.
​Besonders beeinflusst hat das Projekt das komplizierte Grundstück, das eigentlich gar kein Baugrund ist, sondern die Fortsetzung einer bestehenden Baumallee. Im Untergrund befinden sich, bedingt durch eine angrenzende Trafostation, unglaublich viele Versorgungsleitungen, die nahezu halb Erlangen mit Strom versorgen. Daher mussten wir beispielsweise die Terrasse stützenfrei fast 9 Meter auskragen lassen.

Zugangsterrasse Jugendtreff
Gruppenraum Jugendtreff

Wie hat sich das Projekt vom ersten Entwurf bis zum vollendeten Bauwerk verändert?
Nach Wettbewerbsabschluss wurde das Raumprogramm nochmals deutlich erweitert und u.a. ein weiterer Außenbereich für den Jugendtreff im 1.OG eingefordert. So mussten wir natürlich umdenken und ein komplett neues Konzept erarbeiten. Das E-Werk wird von sehr unterschiedlichen, selbstverwalteten Vereinen genutzt und geleitet. Entsprechend vielfältig waren Ansprüche und Vorstellungen der NutzerInnen. Vom ersten Entwurf bis zur Vollendung wurde das Projekt daher immer wieder angepasst.

Welche speziellen Produkte oder Materialien haben zum Erfolg des vollendeten Bauwerks beigetragen?
Die Fassaden werden durch eine im Erdgeschoß homogene, in den Obergeschoßen reliefartig gefügte Holzleistenschalung gebildet. Die großformatigen Öffnungen sind durch Fenstergewände aus verzinktem Stahlblech akzentuiert, das als Referenz dem ehemaligen industriellen Umfeld dient.
Die Untersichten der auskragenden Bauteile sind ebenfalls mit gelochtem Stahlblech belegt und dienen als Träger, durch den die indirekte Beleuchtung geführt wird.
Die homogene Farbgebung des Baukörpers in Anthrazitgrau und das subtile Fugenbild der Verleistungen stehen in spannungsreichem Kontrast zu den Gewänden aus Stahlblech und akzentuieren die neue Eingangssituation zu Biergarten und Kellerbühne des E-Werks im urbanen Kontext.

Torsituation Nachtaufnahme
Fahrradwerkstatt
Lageplan
Grundriss Erdgeschoss
Schnitt

Projekt
Neubau eines Jugendtreffs am Kulturzentrum E-Werk
Fuchsenwiese 5
91052 Erlangen

Nutzung
Jugendtreff mit Freizeiträumen, Werkstätten und Bühnengebäude

Auftragsart
Mehrfachbeauftragung

Bauherrschaft
Stadt Erlangen

Architektur
ARGE markus gentner. att architekten und bachmann architekten und Stadtplaner, Nürnberg

Fachplaner
Statik: Dr. Kreutz und Partner, Nürnberg
Elektroplanung: Elektroplanung Weber GbR, Forchheim
HLS: Sanplan Planungsgesellschaft für technische Gebäudeausrüstung GmbH & Co. KG, Nürnberg
Landschaftsarchitekten: Lorenz Landschaftsarchitekten, Nürnberg

Ausführende Firmen
Rohbau: Mauss Bau GmbH & Co. KG, Erlangen
Fassade: Karl Kohl Kalchsreuth GmbH & Co KG, Edelsfeld
Zimmerer: Heinz Konrad GmbH & Co. KG, Kulmbach
Flaschner: Zanetti & Co. Dach & Wand GmbH, Nürnberg
Dachdichtung: Holl Flachdachbau GmbH & Co. KG, Fürth
Estrich: K & P Fußbodensysteme GmbH, Auerbach
Trockenbau. Merkel Trockenbau GmbH, Baiersdorf
Holzfenster: Klaus Jäger Bauelemente, Eschenbach
Metalltüren: Metallbau G. Dorsch GmbH, Adelsdorf
Stahlbau: Metall- und Stahlbau Lippmann GmbH, Geyer
Sanitär/Heizung: Sanitärunion, Nürnberg
Rohrpost: Blitzbüchse Rohrpostanlagen, Eckental

Hersteller
Trennwandsystem: Dorma Hüppe Raumtrennsysteme GmbH + Co. KG
Akkustikdecke: Lignotrend Produktions GmbH
Dachoberlichter: Lamilux
WC-Kabinen: Kemmlit classiccell Aluminium 3.1
Aufzug: Kone

Energiestandard
Keine Angabe möglich, da die Energieversorgung aus dem Bestand kommt.

Bruttogeschossfläche
547 m²

Gebäudevolumen
1.852 m³

Gesamtkosten
3.000.000 €

Fertigstellung
2017

Fotos
Stefan Meyer

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