B³ Gadamerplatz – Bildung, Betreuung, Begegnung

Drei in einem

Datscha Architekten
14. März 2018
Gesamtanlage, Südansicht vom Gadamerplatz (Bild: Stephan Baumann)
Für drei Nutzer und in Zusammenarbeit mit zwei Bauherrschaften haben Datscha Architekten das Schul- und Bürgerzentrum in Heidelberg geplant und gebaut. Peter Donn beantwortet unsere Fragen zum Projekt.
Projekt: B³ Gadamerplatz – Bildung, Betreuung, Begegnung, Heidelberg | Architektur:
Datscha Architekten | Bauherr:  Stadt Heidelberg, vertreten durch DSK (LPH 1-5) und BSG Heidelberg (LPH 6-9) | vollständige Bautafel s.u.
Worin liegt das Besondere an dieser Bauaufgabe?
Die Herausforderung bestand darin, drei bzw. vier unterschiedliche Gebäudetypologien mit ihren jeweiligen Anforderungen zu einem stimmigen, aber auch städtebaulich klar definierten Ganzen zu verbinden. Wir hatten im Lauf der Leistungsphasen zwei unterschiedliche Bauherrn und parallel dazu drei nochmals davon abweichende Nutzerorganisationen – eine je Gebäude. Im Projekt sollte alles ganz selbstverständlich zusammenfinden – das fängt bei der Gebäudekubatur an und reicht über die Materialität bis zu den Details an der Fassade und im Innenausbau. Trotz der unterschiedlichen Rahmenbedingungen war es uns wichtig, die bauliche Erscheinung aller Gebäudeteile aufeinander abzustimmen, sodass alle Gebäudeteile eine gemeinsame gestalterische Sprache sprechen.
Welche Inspirationen liegen diesem Projekt zugrunde?
Für mich ist das Gebäude zum einen wie eine Burg, die fest und selbstbewusst mit ihren vier Ecktürmen dasteht. Sie bietet den kleinen und großen Nutzern eine Anlaufstelle im Alltag, ist Zuhause, öffnet sich dabei gleichzeitig zu allen Seiten in den Stadtraum. Zum anderen dachten wir bei der Anmutung des Entwurfs an antike Kolonnaden, die uns ein Vorbild für die Schnittstelle zwischen öffentlichem Raum und Gebäude waren. Die Materialität bezieht sich zusätzlich auf die industrielle Vergangenheit des Ortes, einer Bahn-Konversionsfläche.
Bürgerhaus, Südansicht (Bild: Stephan Baumann)
Wie reagiert der Entwurf auf den Ort?
Der Entwurf bricht durch seine leichte Verdrehung im Stadtraum dezent mit den ansonsten klar durchlaufenden Baufluchten der Umgebung und positioniert sich dadurch als Sonderbau. Das entspricht auch der Vorgabe des städtebaulichen Rahmenplans, der für das Baufeld einen markanten, als öffentliches Gebäude erkennbaren Bau vorsah.
Inwiefern haben Bauherrschaft, Auftraggeber oder die späteren NutzerInnen den Entwurf beeinflusst?
Im wesentlichen basiert das ausgeführte Gebäude auf den Ideen, die wir mit unserem Wettbewerbsentwurf bereits formuliert hatten. Auf Wunsch der Nutzer haben wir im Innern des Gebäudes die Turnhalle, die ursprünglich zur Hälfte unterirdisch hätte liegen sollen, mit dem Gebäudeteil für Mensa und Ganztagesräume getauscht. Die Außenkubatur blieb dabei unverändert. Natürlich haben wir uns mit Bauherrn und Nutzern auch in einer großen Zahl von Detailentscheidungen abgestimmt, wobei der Rahmen unseres Wettbewerbsentwurfs immer respektiert wurde.
"Aktionswand", Westansicht (Bild: Stephan Baumann)
Innen-/Schulhof (Bild: Stephan Baumann)
Wie hat sich das Projekt vom ersten Entwurf bis zum vollendeten Bauwerk verändert?
Neben einigen Optimierungen am Grundriss haben wir uns im Zuge der Planung entschieden, die ursprünglich geschlämmt geplante Ziegelfassade durch ungeschlämmte, dafür allerdings vor dem Brand gekalkte und lasierend engobierte Mauersteine zu ersetzen, um eine größere Robustheit im Stadtraum zu erzeugen. Außerdem mussten wir eine Tiefgarage integrieren, die ursprünglich nicht geplant war. Die Gebäudestruktur hat sich aber als entwurflich sehr anpassungsfähig erwiesen, sodass diese Änderungen sich sehr selbstverständlich in den ursprünglichen Entwurfsgedanken einfügen.
Beeinflussten aktuelle energetische, konstruktive oder gestalterische Tendenzen das Projekt?
Davon kann man sich als Architekt kaum freimachen. Alles, was wir planen und bauen, fügt sich in die Welt ein, die uns heute umgibt. Vor zehn Jahren hätte man wahrscheinlich einiges anders gemacht, in zehn Jahren vermutlich auch. Das Gebäude wurde als Passivhaus geplant und gebaut, das ist in der gesamten Heidelberger Bahnstadt verpflichtend.
Grundschule: Foyer, Mensa (Bild: Stephan Baumann)
Grundschule: Foyer, Aula (Bild: Stephan Baumann)
Welche speziellen Produkte oder Materialien haben zum Erfolg des vollendeten Bauwerks beigetragen?
Eigentlich haben wir versucht, das Haus mit ganz gewöhnlichen Materialien zu gestalten. Die vier Klinkersorten eines Herstellers, die wir sorgfältig ausgewählt und aufeinander abgestimmt haben, tragen zum Gesicht des Hauses sicher einen Gutteil bei. Eine Farbschattierung wurde eigens für unser Bauvorhaben entwickelt und produziert. In den Innenräumen haben wir viele Wände, vor allem in den Fluren und Erschließungsbereichen, in Sichtbeton ausgeführt, der mit OSB-Platten geschalt wurde und in den Artefakte als Abdrücke von Alltagsgegenständen eingegossen wurden, die wir gemeinsam mit den Schülerinnen und Schülern ausgewählt haben. Die Kinder konnten ihre Spielsachen mitbringen und sich so im Beton „verewigen“, das hat allen viel Spaß gemacht.
Grundschule: Atrium, 2. OG (Bild: Stephan Baumann)
Grundschule, Klassenraum (Bild: Datscha Architekten)
Sporthalle (Bild: Stephan Baumann)
Kita, Spielflur (Bild: Stephan Baumann)
Bürgerhaus, Foyer (Bild: Stephan Baumann)
Bürgerhaus, Saal, Ausblick in den Schulhof (Bild: Stephan Baumann)
Lageplan
Grundriss Erdgeschoss
Schnitte
Projekt
B³ Gadamerplatz – Bildung, Betreuung, Begegnung
Gadamerplatz 1-3
69115 Heidelberg-Bahnstadt

Nutzung
​Grundschule mit Sporthalle, Kindertagesstätte, Bürgerhaus

Auftragsart
Wettbewerb 2012-13, 1. Preis

Bauherrschaft
​Stadt Heidelberg, vertreten durch DSK (LPH 1-5) und BSG Heidelberg (LPH 6-9)

Architektur
​Datscha Architekten, Stuttgart
Dipl.-Ing. Peter Donn, Freier Architekt, Stuttgart
Mitarbeiter/-innen: Simone Knapek, Adrian Leitoiu, Levin Koch, Stefan Storz, Dilara Orujzade, Laura Fabijanic, Diana Keppler, Sabine Kugler

Fachplaner
KUULA Landschaftsarchitekten, Berlin
solares bauen GmbH, Freiburg i. Br. (Passivhaus/Bauphysik, HLS)
Alhäuser+König Ingenieurbüro GmbH, Hachenburg (Elektrotechnik)
S. A. N. Beratende Bauingenieure GmbH (Tragwerksplanung)
Ingenieurbüro Brunnenkant, Wiesloch (Küchentechnik)

Bauleitung
Ernst² Architekten AG, Stuttgart/Heidelberg, mit Datscha Architekten, Stuttgart

Kunst am Bau
​Ursula Donn, Stuttgart
grafisch-ornamentale Gestaltung Mensa-Schiebeladenwand

Ausführende Firmen
Rohbauarbeiten: Ehrhardt + Hellmann Bauunternehmung GmbH, Ludwigshafen/Rhein
Fenster, Sonnenschutz: Rossmanith Fenster + Fassade GmbH & Co. KG, Heidelberg
Ziegelfassade: Lagierski Klinkerbau GmbH & Co. KG, Neckarsulm
Glasdächer: MIROTEC Glas- und Metallbau GmbH, Wettringen
Stahlbauarbeiten: W. Markgraf GmbH & Co KG, Immenreuth
Dachabdichtung: Werder Bedachungen GmbH, Leutersdorf
Putz- und Stuckarbeiten: DC Stuckateurbetrieb, Karlsruhe
Gerüstbau: Burkart Gerüstbau GmbH, Rheinstetten
Schlosserarbeiten: Schierbaum Metallbau GmbH, Walldorf
vorgehängte Fassadenelemente: Holzbau Koppert, Walldorf
Metalltüren und- tore: Metallbau Kettlitz GmbH, Ludwigshafen/Rhein
Trockenbau: TM Ausbau GmbH, Puchheim/Wiesbaden
Estricharbeiten: Bodenbau Dursun GmbH, Dillingen/Saar
Innentüren und -fenster, Wandverkleidung: Lindner AG, Arnstorf
Mobile Trennwände: abopart GmbH & Co. KG, Bad Zwischenahn
Sporthallenausbau: Diaplan Innenausbau GmbH, Freilassing
Sportboden: Sport- und Fußbodentechnik Süd GmbH, Ditzingen
Sportgeräte: Connect Way GmbH, Chemnitz
Fliesenarbeiten: Raumgestaltung Jessen GmbH, Jessen/Elster
Betonwerksteinböden: Betonstein & Terrazzo Zwickau GmbH, Zwickau
Parkettarbeiten: Bembé Parkett GmbH & Co. KG, Mannheim
Linoleumböden: straehuber AG, Niederlassung Frankfurt/Oberursel
Malerarbeiten: R + S Raum und Schrift GmbH, Chemnitz
Schreinerarbeiten: Koepke und Kasiske Möbel & Ladenbau GmbH, Garz/Rügen
Einbaumöbel Schule: Albert Stegmüller GmbH, Rosenfeld
Einbaumöbel Kita und Bürgerhaus: Dreier GmbH, Iffezheim
Bühnentechnik: Krause Bühnentgechnik, Schwelm
WC-Trennwände: Sana Trennwandbau GmbH, Luhe-Wildenau
Schließanlage: Krause & Hagmann GmbH, Heidelberg
Beschilderung: Stempelcity Weeber GmbH & Co KG, Pforzheim
Orientierungssysteme/Beschriftung: Baier Digitaldruck GmbH, Heidelberg
Außenanlagen: August Fichter GmbH & Co. KG, Raunheim
Lüftungstechnik: Ronald Christ GmbH, Münchweiler
Sanitär: Kleissner GmbH, Mannheim
Kältetechnik: HTS GmbH, Ludwigshafen/Rhein
Heizungsbau: m + m Gebäudetechnik GmbH, Annaberg-Buchholz
Elektrotechnik: Prinzing Elektrotechnik GmbH, Aalen
Medientechnik: Rud. Otto Meyer Technik Ltd. & Co. KG, Aalen
Aufzugsbau: Uwe Schneider Aufzugbau+Schlosserei, Alsbach-Hähnlein
Küchentechnik: J. Zintel Söhne GmbH, Ludwigshafen/Rhein

Hersteller
Fassadenziegel: Ziegelei Hebrok, „Original Wasserstrich Backstein-Klinker“
Fenster: System Alco Twinface
Trockenbausysteme: Siniat, Vogel
Linoleumböden: Forbo, Tarkett
Farbanstriche: Brillux
Außenleuchten: Bega
Innenleuchten: Tecnolight, ES-System, RZB
Schalterprogramm: Merten

Energiestandard
​Passivhaus

Bruttogeschossfläche
9.876 m²

Gebäudevolumen
40.897 m³

Gesamtkosten
32.500.000 Mio. Euro (KGR 200-700)

Auszeichnung
Architektenkammer Baden-Württemberg, Auszeichnung „Beispielhaftes Bauen“ 2017

Fertigstellung
2017

Fotos
bild_raum, Dipl.-Ing. Stephan Baumann, Karlsruhe
 

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