Drei Hütten im Erdbebengebiet

Knerer und Lang
8. April 2020
Blick über gesamte Anlage (Foto: Jens Weber)

Knerer und Lang haben die Jugendherberge Schöneck im Vogtland fertiggestellt. Eva Maria Lang beantwortet unsere Fragen zum Projekt.

Worin liegt das Besondere an dieser Bauaufgabe?

Die Jugendherberge in Schöneck ist durch die Lage und Aufgabe anders als andere Jugendherbergen.  Die Region um den Standort in Schöneck wird aufgrund seiner Lage in der reizvollen Mittelgebirgslandschaft auch als der „Balkon des Vogtlandes“ bezeichnet. Die „Ski- und Bikerwelt Schöneck" macht die Jugendherberge vor allem für Menschen attraktiv, die Aktivitäten in der Natur unternehmen wollen. Der Blick in die Gebirgslandschaft ist einzigartig. Das Thema Aussicht hat deshalb für diesen Entwurf eine besondere Rolle gespielt.

Blick ins Foyer (Foto: Jens Weber)
Blick in den Flur (Foto: Jens Weber)
Welche Inspirationen liegen diesem Projekt zugrunde?

Die Form der einzelnen Gästehäuser greift die Gestalt einer Berghütte, eines Rifugios auf. Für uns was es naheliegend, das große Volumen der Jugendherberge auf drei Gästehäuser zu verteilen, um auf unterschiedliche Gruppengrößen und auf die städtebauliche Körnung von Schöneck besser reagieren zu können. Alle Öffentlichen Bereiche wie Foyer, Mensa, Tischtennis- und Gruppenräume bilden die Basis der Struktur und sind wie eine Loggia vollständig verglast, um allen Gästen die Aussicht in die Landschaft zu ermöglichen. Angebote wie Radfahren oder Skifahren werden durch Multifunktions-Spielfeld sowie einen Grillplatz und eine Liegewiese ergänzt.

Blick in den Gruppenraum im Obergeschoss (Foto: Jens Weber)
Wie reagiert der Entwurf auf den Ort?

Das Gebäude steht parallel zum Hang und ermöglicht aus allen Gemeinschaftsräumen die spektakuläre Aussicht. Der Sockel ist in den Hang geschoben, so wird das sichtbare Volumen der Jugendherberge deutlich reduziert. Außerdem soll das Gebäude eine robuste Unterkunft für aktive Menschen bieten, denen Bewegung in der Natur besonders wichtig ist. Deshalb gibt es im Haus auch keine richtigen „Kuschelzonen“, der Besucher soll raus in die Natur. Das besondere Erlebnis so direkt in der Natur zu wohnen wird durch die spezielle Farbwelt unterstützt. Wir haben bewusst Farben gewählt, denen man im „normalen Leben“ nicht in der hier gewählten Intensität begegnet. Der Kontrast zwischen den dunklen Gemeinschaftsbereichen, die quasi den Rahmen für die Aussicht definieren, sind die Schlaf- und „Wohnzimmer“ durch den gelben Farbraum aktivierend, sonnig und hell. 

Inwiefern haben Bauherrschaft, Auftraggeber oder die späteren NutzerInnen den Entwurf beeinflusst?

Die Bauherrschaft hat das Projekt erheblich beeinflusst. Das liegt auch an der extrem langen Planungs- und Vorbereitungszeit und an den vielen Entscheidern auf dem Weg zur Fertigstellung. Diese Entwicklung hat das Projekt zu etwas ganz Besonderen gemacht.

Blick auf Haus 2 (Foto: Thomas Knerer)
Blick in Mensa und Schulungsraum (Foto: Thomas Knerer)
Wie hat sich das Projekt vom ersten Entwurf bis zum vollendeten Bauwerk verändert?

Am augenfälligsten ist die Veränderung der Gebäudehülle, die von einer Holzverschalung in mehreren Schritten zu einer anthrazitfarbenen Well-Faserzementfassade wurde. Aber auch im Gebäudegrundriss wurden Anpassungen an aktuelle Standards vorgenommen. Die Grundfigur des Bauwerks blieb jedoch über die gesamte Bearbeitung hinweg in etwa gleich.

Beeinflussten aktuelle energetische, konstruktive oder gestalterische Tendenzen das Projekt?

Das ist schwer zu sagen, die Fassade ist ja ein Standardprodukt, mit dem sich kostengünstig alle aktuellen Anforderungen erfüllen lassen. Die Rohbaukonstruktion ist erdbebensicher, das ist eine Besonderheit, die man im idyllischen Vogtland nicht unbedingt vermuten würde. Auf diese latente Gefahr weist im Grunde nur das Farbkonzept in den klassischen Warnfarben Schwarz/Gelb hin.

Blick über die Terrasse über Erdgeschoss (Foto: Thomas Knerer)
Blick auf Häuser 1-3, Ebene 1. Obergeschoss (Foto: Thomas Knerer)
Lageplan (Zeichnung: Knerer und Lang)
Grundriss Erdgeschoss (Zeichnung: Knerer und Lang)
Grundriss 1. Obergeschoss (Zeichnung: Knerer und Lang)
Schnitt (Zeichnung: Knerer und Lang)
Blick auf die Jugendherberge Schöneck / Vogtland (Perspektive: Knerer und Lang)
Jugendherberge Schöneck / Vogtland
2020
Am Stadtpark 52 
08261 Schöneck / Vogtland
 
Auftragsart
Wettbewerb
 
Bauherrschaft
Deutsches Jugenherbergswerk, Landesverband Sachsen e.V.
 
Architektur
Knerer und Lang Architekten GmbH, München / Dresden
Projektleiter: Katja Karbstein, Christoph Thomas
Projektbeteiligte: Karolin Müller, Patricia Quosig
 
Fachplaner
Technische Ausrüstung, Heizung /Sanitär: Turpe und Falch Partnerschaft, Chemnitz
Technische Ausrüstung, Elektro: Fleischer und Partner, Auerbach
Tragwerksplanung 1: Steffi und Volker Rudolph, Schöneck/V
Ttagwerksplanung 2: Ingenieurbüro Forner, Treuen
Brandschutz: Dataconstruct, Prof. Nietzold, Dresden
Bauphysik: Müller BBM, Langebruck
Landschaftarchitektur: r+b landschaft s architektur, Sonja Rossa-Banthien, Dresden
 
Bauleitung
Schneider Bauconsult, Oelsnitz / Vogtland
 
Hersteller
Fassade: Eternit Wellfaserzement
 
Bruttogeschossfläche
4.590 m² 
 
Gebäudevolumen
13.115 m³
 
Kubikmeterpreis
ca. 550 €/m³
 
Gebäudekosten
ca. 6 .000.000 € (KG 300 und 400)
 
Gesamtkosten
ca. 7.200.000 €
 
Fotos
Jens Weber
Thomas Knerer

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