Demontierbare Superstructure

Gustav Düsing und Max Hacke
4. Oktober 2023
Foto: Iwan Baan
Worin liegt das Besondere an dieser Bauaufgabe?

Die Herausforderung bestand darin, eine Struktur zu entwickeln, die auf die ständig sich ändernden Anforderungen an Lernlandschaften reagieren kann. Herausgekommen ist dabei ein modulares Gebäude, das wandelbar ist und eines Tages sogar demontiert und an einem anderen Ort in einer anderen Form wieder aufgebaut werden kann. 

Foto: Iwan Baan
Welche Inspiration liegt diesem Projekt zugrunde?

Als Inspiration dienten Konzepte wie der »fun palace« von Cedric Price oder die »ville spatiale« von Yona Friedmann. Die Idee einer Superstructure, die es dem Nutzer erlaubt, das Layout ständig zu ändern, schien für diese Bauaufgabe die richtige konzeptionelle Grundlage zu sein. Die Superstructure als Primärtragwerk bildet dabei den Rahmen, in dem die Studierenden agieren und sich den Raum aneignen können. So können Vorhänge zugezogen werden um Nischen für Vorträge zu generieren.

Wie reagiert der Entwurf auf den Ort?

Wir verstehen das Gebäude als Plug-In-Typologie, eine Art von Gebäude, das auf die sozialen und kulturellen Besonderheiten der TU eingeht und sich in die bestehenden Laufwege der Studierenden integriert. Eine Art dreidimensionale Fortsetzung der Campustopografie als soziale Infrastruktur. Das Gebäude könnte so gesehen auch auf anderem, stadtnahem Universität-Campus in ähnlicher Weise realisiert werden. 

Foto: Iwan Baan
Haben Sie den Auftrag über einen Wettbewerbsbeitrag oder direkt erteilt bekommen?

Der Studierendenhaus ist das Resultat eines fakultätsinternen offen Wettbewerbs. Alle wissenschaftlichen Mitarbeiter*innen waren damals eingeladen einen Entwurf einzureichen. Gustav Düsing war damals wissenschaftlicher Mitarbeiter an der TU und war somit zugelassen. Es wurden nach der ersten Jurysitzung zwei erste Plätze prämiert. In einer anschließenden Evaluation wurde der Entwurf von Gustav Düsing und Max Hacke zur Realisierung empfohlen.  

Welche besonderen Anforderungen wurden gestellt? Wie haben Sie diesen im Projekt Rechnung getragen?

Von Beginn an war das Ziel das Projekt im Sinne des zirkulären Bauens zu planen. Daher wurden alle Anschlüsse im Tragwerk und im Bereich der Fassade verschraubt und folgen dem Prinzip des »Design for Dissasambly«, eine Methode, die das Demontieren der Konstruktion von vornherein mitdenkt. Die sich wiederholenden, modularen Bauteile lassen sich als Ganzes wiederverwenden und sollen einen Beitrag zu der Idee des »Materiallagers der Zukunft« leisten. 

Foto: Iwan Baan
Inwiefern haben Sie im Projekt die Verwendung von Naturbaustoffen und zirkulären Baustoffen angestrebt?

Das Haus ist eine Stahl-Holz-Hybridkonstruktion. Die Decken bestehen aus massiven Holzrippendecken.

Foto: Iwan Baan
Welche Überlegungen stecken hinter den Entscheidungen für die eingesetzten Materialien?

Die von uns gesetzten Parameter der Wandelbarkeit und Demontierbarkeit haben die Entscheidung zum Stahlbau beeinflusst. Das Verhältnis von Raum zu Struktur und die angestrebte Filigranität war am effektivsten mit einer Stahl-Holz-Hybridkonstruktion umsetzbar.

Situation (3D-Skizze: Gustav Düsing, Berlin & Max Hacke)
Grundriss Erdgeschoss (Zeichnung: Gustav Düsing, Berlin & Max Hacke)
Grundriss Obergeschoss (Zeichnung: Gustav Düsing, Berlin & Max Hacke)
Struktur (Axonometrie: Gustav Düsing, Berlin & Max Hacke)
Studierendenhaus der TU Braunschweig
2023
Zentral-Campus der TU Braunschweig
 
Nutzung
Bildungsbau
 
Bauherrschaft
TU Braunschweig
 
Architektur
Entwurfsverfasser, LP1-5: Gustav Düsing, Berlin & Max Hacke, Berlin
Team: Gustav Düsing, Max Hacke, Janos Bergob, James Cosgrave
 
Bauleitung
iwb Ingenieure Generalplanung GmbH & Co. KG, Hamburg
 
Fachplanung
Tragwerksplanung: knippershelbig, Berlin
TGA-Planung, Akustik, Energieplanung: energydesign, Braunschweig
Brandschutz: Dehne, Kruse Brandschutzingenieure GmbH & Co. KG, Braunschweig
 
Hersteller
Fassade: Raico
Holzdecken: LignoTrend
Vorhänge, Pinnwände: Création Baumann AG
Dämmschichtbildner F30: Sika Deutschland GmbH
Innentüren: Reinhaerdt Türen GmbH
Türenbeschläge: HAFI Beschläge GmbH
Rundleuchten: XAL GmbH
Einbauleuchten in Trägern innen: Zumtobel Lighting GmbH
Einbauleuchten in Trägern außen: iGuzzini illuminazione S.p.A.
 
Energie
Primärenergiebedarf: 46,6 kWh/m²a nach EnEV 2016
Jahresheizwärmebedarf: 114,87 kWh/m²a nach PHPP/EnEV 2016
 
Nutzfläche
1 000 m²
 
Baukosten
nach DIN 276, gesamt brutto
5.200.000 € 
 
Fotos
Iwan Baan

Vorgestelltes Projekt

Benjamin von Pidoll | Architektur

Villa Mau

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