Campusbau als Technikschnittstelle

heinlewischer
3. August 2022
Eine neue Adresse mit starker Aussenwirkung auf dem Uni-Campus im Freiburger Norden. (Foto: Brigida González)
Worin liegt das Besondere an dieser Bauaufgabe?

„IMBIT – Institute for Machine-Brain Interfacing Technology“ bedeutet übersetzt so viel wie „Schnittstelle zwischen Mensch und Maschine“. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler arbeiten also daran, die Interaktion zwischen technischen Instrumenten und dem menschlichem Gehirn zu ermöglichen. Dies können beispielsweise robotische Assistenzsysteme für Menschen mit körperlichen Einschränkungen sein, die mental, über sogenannte Neuroimplantate, angesteuert und bedient werden können.

Diese Forschungsarbeit zwischen Neurologie, Informatik, Robotik und Medizin erfordert ein extrem breites Spektrum an Funktionsräumen im Gebäude. Dazu gehören chemische und physikalische Speziallabore, erschütterungsfreie Räume für EEG-Experimente, große Werkhallen für Robotikversuche und die klassischen Büro- und Kommunikationsflächen.

Werkhalle für Robotikversuche im Erdgeschoss (Foto: Brigida González)
Welche Inspirationen liegen diesem Projekt zugrunde?

Die Fachbereiche des Forschungsinstitutes unterscheiden sich im Raumbedarf und der dazugehörigen Infrastruktur in vielen Teilen. Für den Entwurf haben wir dies zum Thema gemacht und das heterogene Raumprogramm in der Fassade und im Innenraum erlebbar gemacht. Die alternierenden Bänder, die sich in den unterschiedlichen Geschossen auflösen oder schließen, spiegeln die Funktion der Räume wider. 

Analog haben wir im Innenausbau die Materialien gewählt: Glatte Flächen wie die Holzvertäfelungen in den Büro- und Kommunikationsbereichen und die raue Oberfläche des Sichtbetons sind gezielt eingesetzt und haptisch erlebbar gemacht. 

Kombination von verschiedenen Materialien im Innenraum: Sichtbeton, Glas und silbergrau gebeizte Eiche (Foto: Brigida González)
Großzügige Kommunikationsflächen für den interdisziplinären Austausch (Foto: Brigida González)
Wie reagiert der Entwurf auf den Ort?

Bekannt geworden ist der Norden Freiburgs vielleicht durch das neue Fußballstadion für den DFB-Pokal-Finalisten, doch vor allem sind hier in den letzten Jahren die ersten Bausteine für den neuen, 40 Hektar großen Campus der Albert-Ludwigs-Universität entstanden. Auf vier Baufeldern werden verschiedene Nutzungen für die Technische Fakultät realisiert, darunter vor allem Forschungsinstitute, aber auch Wohnheime, ein Startup-Zentrum und eine neue Mensa.

Das IMIBIT mit seiner klaren, orthogonalen Kubatur markiert die äußere Kontur des bisher nur wenig erschlossenen Baufeldes 2 und lässt die Form des neuen Campus erahnen. Der Haupteingang wendet sich zum Inneren des Gebietes und dem künftigen zentralen Platz des Gebäudeensembles.

Innenhof mit der Skulptur „Shift“ von André Wischnewski (Foto: Brigida González)
Inwiefern haben Bauherrschaft, Auftraggeber oder die späteren NutzerInnen den Entwurf beeinflusst?

Forschung ist nicht statisch, sie entwickelt sich stetig weiter. Synergien zwischen neuen Instituten werden geschaffen, Fachbereiche erweitern sich, neue Forschungsthemen kommen über die Jahre hinzu. Ein Laborgebäude muss diesen Anforderungen gerecht werden und flexibel reagieren können. Also haben wir den Bauherr und die Nutzer von Anfang an in die Entwurfsphase eingebunden und mit ihnen gemeinsam drei Standard-Labortypen erarbeitet, die sich im Gebäude verteilen und eine maximal langfristige Nutzung ermöglichen.

Ein weiterer Punkt ist die Kommunikation im Gebäude, ein wesentlicher Teil, um interdisziplinäre Arbeit zu gewährleisten. Von Seiten der Nutzer war dieser Teil des Gebäudes besonders wichtig; Austausch, Außenwirkung und Kommunikation standen hier im Fokus. Entstanden ist ein Foyer, das sich über drei Ebenen verteilt und das Gebäude als markante, nach außen hin identitätsstiftende Adresse für die Universität wahrnehmbar macht.

Labore mit viel Tageslicht (Foto: Brigida González)
Wie hat sich das Projekt vom ersten Entwurf bis zum vollendeten Bauwerk verändert?

Der Entwurf hat sich im Wesentlichen nicht geändert. Aus dem Entwurfsprozess heraus wurden Räume und deren Zuordnung nochmals mit den Nutzern abgestimmt und neu verortet. Durch den robusten und flexiblen Entwurf war dies aber problemlos möglich.  

Lageplan (Zeichnung: heinlewischer)
Grundriss Erdgeschoss (Zeichnung: heinlewischer)
Grundriss 1. Obergeschoss (Zeichnung: heinlewischer)
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, Forschungsgebäude IMBIT – Institute for Machine-Brain Interfacing Technology
2021
Georges-Köhler-Allee 201
79104 Freiburg i.Br.
 
Auftragsart
VOF-Verfahren mit Projektskizze
 
Bauherrschaft
Land Baden-Württemberg vertreten durch Landesbetrieb Vermögen und Bau Baden-Württemberg, Universitätsbauamt Freiburg
 
Architektur
heinlewischer, Stuttgart
Team: Hanno Chef-Hendriks (verantwortlicher Partner), Davide Di Gaetano (Projektleitung), Imke Kraschinski, Long Lee, Anna Marie Michaeli, Wolfgang Pfisterer, Christian Schlameuß, Witali Suchan, Dominik Wielpütz
 
Fachplaner
HLS: Planungsgruppe M+M AG, Böblingen
ELT: Schindler Consult Ingenieurgesellschaft mbH, Stuttgart-Vaihingen
Laborplanung: Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, D 4.6. Bau- und Entwicklungsplanung
 
Kunst am Bau
Skulptur „Shift“ von André Wischnewski, Mannheim
 
Ausführende Firmen
Fassade: NR-Metallbau GmbH, Straelen
Rohbau: Implenia Bau GmbH, Rümmingen
Sanitär, Heizung, Kälte: Walter-Lutema GmbH, Schallstadt-Mengen
Lüftung: Zimmer & Hälbig GmbH, Ludwigsburg
 
Hersteller
Pfosten-Riegel-Fassade: Schüco System
Akustikelemente und Stoffe: Kvadrat
Teppichböden: Carpetconcept
PVC-Belag: Tarkett
Abhangdecken: F30 Decke, Lindner
Streckmetalldecke, Durlum 
Leuchten Foyer: Nimbus
Systemwände und Vorsatzschalen: Strähle
 
Energiestandard 
EnEV 2016 – Unterschreitung Primärenergiebedarf um 64,4 %
 
Bruttogeschossfläche
8.150 m²

Gebäudekosten
16.600.000   €
 
Gesamtkosten
42.100.000  €
 
Auszeichnung
„best architects 22” Winner Kategorie Bildungsbauten
 
Foto
Brigida González

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