Im Wiederaufbau

Katinka Corts
27. November 2019
Bild: Filmstill aus Teaser zu „Talking about Trees“

In Brechts „An die Nachgeborenen“, enstanden im Pariser Exil, kommt es vor, das Gespräch über Bäume – als Warnung in einer Zeit, in der über Einfaches gesprochen wird um grausames nicht zu thematisieren. Mit „Talking about Trees“ geht Filmemacher Suhaib Gasmelbari auf die Suche nach der Geschichte des Kinos im Sudan. 

In dem nordafrikanischen Land mit etwa 40.5 Mio. Einwohnern gab es bis in die 1980er-Jahre eine reiche und vielfältige Kinokultur, die Produktionen des Landes wurden regelmäßig bei internationalen Filmfestspielen gezeigt. Mit dem Militärputsch Omar al-Baschirs und der aufkommenden Macht der islamistischen Muslimbrüder wurden die zahlreichen Kinos des Landes geschlossen. Einzig das Kino „Star“ konnte 2004 wieder mit Filmvorführungen beginnen, jeweils mit separaten Kassen für Frauen und Männer sowie Sittenwächtern, die im nur halb abgedunkelten Raum patrouillieren. In „Talking about Trees“ begleitet Gasmelbari die vier Freunde Eltayeb, Ibrahim, Manar und Suliman, die in den 1970er-Jahren in Deutschland und Russland studierten, in ihrem Projekt: Mit ihrer in Omdurman gegründeten Sudanese Film Group (SFG) zeigen sie afrikanische Klassiker oder Chaplin-Filme bislang in sudanesischen Hinterhöfen. Nun wollen sie das damals geschlossene und mittlerweile stark beschädigte Kino „Theater der Revolution“ wiedereröffnen. 

Der 1979 geborene Suhaib Gasmelbari, der Film in Paris studiert hat, ist für seinen ersten Langfilm bereits mehrfach ausgezeichnet worden. Eines seiner Herzensprojekte ist, das sudanesische Filmarchiv – früher das größte des Kontinents – zu digitalisieren und so tausende archivierte Filme vor dem Vergessen zu bewahren. Der Film wurde bereits an der diesjährigen Berlinale und dem Zürich Film Festival gezeigt und ist nächstes Jahr im Mai zum DOK.fest in München zu sehen. Möglicherweise nimmt das eine oder andere Spartenkino ihn dann auch ins reguläre Programm auf.

Talking about Trees, 2019
– Genre: DOK: Gesellschaft & Politik 
– Land: Frankreich, Sudan, Tschad, Deutschland, Katar
– Länge: 93 Min 
– Sprachen: Arabisch, Englisch mit englischen Untertiteln
– Regie: Suhaib Gasmelbari 
– Drehbuch und Kamera: Suhaib Gasmelbari
– Produzentin: Marie Balducchi 
– Co-Produzent*in: Melanie Andernach, Mahamat Saleh Haroun 
– Produktionsfirmen: Agat Films & Cie / Ex Nihilo, Sudanese Film Group, Goï Goï Productions, Made in Germany Filmproduktion GmbH, Vidéo de Poche, Doha Film Institute 
– Weltvertrieb: Wide House

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