Wohn- und Geschäftshäuser am Ostmarkt in Bielefeld

Aufwertende Stadtreparatur

Architekten Wannenmacher + Möller
12. Dezember 2018
Das neue Ensemble am Ostmarkt Bielefelds (Bild: Csaba Mester)
Wannenmacher + Möller Architekten haben am Ostmarkt in Bielefeld ein Ensemble aus Wohn- und Geschäftshäusern fertiggestellt. Nils Kutzera-Austermann und Andreas Wannenmacher erläutern das Projekt.
Worin liegt das Besondere dieser Bauaufgabe?
Das Grundstück, auf dem die drei Häuser liegen, befindet sich im Bielefelder Osten, einem begehrten Innenstadtbereich, der durch eine intakte Bebauung mit überwiegender Wohnnutzung und vereinzelten kleinen gewerblichen Einheiten gekennzeichnet ist. Direkt angrenzend an das Grundstück befinden sich im Osten die Kirche und im Westen ein Wochenmarkt, also öffentliche Nutzungen, die durch ihre Frequentierung den Bauten eine starke Exponiertheit verleihen. Das seit den 1960er-Jahren auf dem Grundstück angesiedelte Veterinär- und Lebensüberwachungsamt stellte städtebaulich wie architektonisch einen Bruch mit dem weitgehend homogenen baulichen Umfeld dar. Mit der Bauaufgabe bestand nun die Möglichkeit, hier ein Stück Stadtreparatur zu leisten und mit einer einfühlsamen Architektur zur Konsolidierung des Quartiers beizutragen.
Das Eckgebäude ist mit fünf Etagen ein Geschoss höher als die beiden angrenzenden Gebäude. Zudem springt es aus der Straßenflucht hervor und betont auf diese Weise die Ecke an der Einmündung der Fritz-Reuter-Straße in die Oststraße. (Bild: Csaba Mester)
Welche Inspirationen liegen dem Projekt zugrunde?
Die städtebauliche wie architektonische Grundidee des Entwurfs wurde aus den Gegebenheiten des Ortes hergeleitet. Insbesondere die nördlich angrenzenden freistehenden Mehrfamilienhäuser mit ihren Walmdächern waren für uns der Bezug, den wir aufnehmen und bis zur Fritz-Reuter-Straße weiterführen wollten. Und auch das äußere Erscheinungsbild der Häuser orientiert sich an dem, was wir vor Ort anfanden: Lochfenster, hell verputzte Fassaden und Tonziegel. Ein zusätzlicher Mehrwert entsteht durch einen kleinen Platz, um den sich die drei Gebäude entlang der Oststraße gruppieren. Dieser bildet als halböffentlicher Außenraum nicht nur das Entree zu den einzelnen Häusern, sondern ist auch, bereichert durch die hier angesiedelte Außengastronomie der Bäckerei im Eckhaus, Treffpunkt für andere Bewohner des Quartiers.
Der organische Oberputz mit Besenzug verleiht den Gebäudeoberflächen ein lebendiges Erscheinungsbild. Durch die geschossweise umlaufenden Gesimsbänder werden die Fassaden angenehm Gliederung. (Bild: Csaba Mester)
Wie reagiert der Entwurf auf den Ort?
Der entwurfliche Ansatz verfolgt das Ziel, die neuen Baumassen städtebaulich und architektonisch harmonisch in das vorhandene bauliche Umfeld einzufügen. Zu diesem Zweck wurden statt eines, das gesamte Grundstück überdeckenden großen Gebäudevolumens, drei Baukörper realisiert, die sich in ihrer Größe und Form an der unmittelbar angrenzenden Bebauung entlang der Oststraße orientieren. Dabei nimmt der im Norden gelegene viergeschossige Baukörper die Flucht der Nachbarbebauung auf und der östliche, ebenfalls viergeschossig, die Flucht der Kirche entlang der Fritz-Reuter-Straße. Der Baukörper an der Einmündung Fritz-Reuter-Straße / Oststraße hat fünf Etagen. Er springt aus den Fluchten der angrenzenden Gebäude heraus und betont so die Ecke im Einmündungsbereich der beiden Straßen. Durch die Anordnung der Baukörper konnten zudem alle auf dem Grundstück vorhandenen Bäume erhalten werden. Sie markieren den Anfang eines das Wohnquartier durchquerenden Grünzugs und tragen zur Bereicherung der Wohnqualität bei.
Sämtliche Wohnungen sind mit bodentiefen Holzfenster, Wintergärten und Parkettböden hochwertig ausgestattet. (Bild: Csaba Mester)
Wie hat sich das Projekt vom ersten Entwurf bis zum vollendeten Bauwerk verändert?
Das Projekt, so wie man es heute antrifft, entspricht fast genau dem ersten Entwurf, den wir dem Bauherrn vorgestellt haben. Das lag auch sicher daran, dass die verantwortliche Person auf Seiten der Bauherrin, die selbst Architektin ist, von Anfang an bis in alle Einzelheiten hinter dem Entwurf stand. Geändert hatte sich im Laufe der Bearbeitung die gewerbliche Nutzung im südlichen und östlichen Haus. Hier war ursprünglich eine Filiale der Volksbank vorgesehen, die jedoch durch Umstrukturierungsmaßnahmen innerhalb der Bank dann doch nicht ausgeführt wurde und durch eine Bäckerei im südlichen und eine Büronutzung im östlichen Baukörper ersetzt wurde. Diese Änderung begrüßten wir, versprach sie doch eine Belebung des kleinen Vorplatzes durch die von der Bäckerei betriebene kleine Gastronomie.
Geringfügige Änderungen gab es bei einzelnen Wohnungen noch durch die Käufer, leider nicht immer zum Besseren. Dies hatte allerdings keinen Einfluss auf das äußere Erscheinungsbild des Gebäudes, sodass wir damit einigermaßen gelassen umgehen können.
Unmittelbar vor den Gebäuden beginnt ein das Wohnquartier durchlaufender Grünzug, dessen Bäume durch die Anordnung der Häuser erhalten werden könnten. Im Osten grenzt die katholische Liebfrauenkirche an. (Bild: Csaba Mester)
Welche speziellen Produkte oder Materialien haben zum Erfolg des vollendeten Projektes beigetragen?
Der Bauherrin war es wichtig, dass die Gebäude eine große Wertigkeit ausstrahlen, um damit ihre Vermarktungschancen zu erhöhen. So fiel die Entscheidung für die Verwendung von Holz als Material für Fenster und Fußböden. Insbesondere in den Wohn- und Essbereichen besitzen die Wohnungen große Fensterflächen, die viel Licht in die Innenräume lassen und eine hohe Aufenthaltsqualität erzeugen. Zudem sind sämtliche Wohnungen mit Wintergärten ausgestattet, die nach Westen und Süden ausgerichtet sind. Deren äußere Fenster sind bodentief, Faltelemente lassen sich komplett an die Seite fahren, was die Wintergärten zu Loggien transformiert.
Ein weiteres wichtiges Merkmal, das den Häusern eine besondere Ausstrahlung verleiht, ist die Art des Außenputzes. Dieser sollte eine gewisse Wolkigkeit aufweisen, um ihm ein lebendiges Erscheinungsbild zu verleihen. Erreicht haben wir das mit der Verwendung eines organischen Oberputzes mit Besenzug. Zusätzlich wurden geschossweise umlaufende Gesimsbänder angebracht, welche den Fassaden eine angenehme Gliederung verleihen.
Mit Lochfenstern, hell verputzten Fassaden und Tonziegeln übernehmen die neuen Gebäude Gestaltungsmerkmale, die in der unmittelbaren Nachbarschaft vorherrschen. Fensterläden aus Holz bilden den außenliegenden Sonnenschutz. (Bild: Csaba Mester)
Schwarzplan
Grundriss Erdgeschoss
Schnitt
Wohn- und Geschäftshäuser am Ostmarkt in Bielefeld
2018

Oststraße 57
33604 Bielefeld

Auftragsart
Direktauftrag

Bauherrschaft
Private Immobiliengesellschaft

Architektur
Architekten Wannenmacher + Möller, Bielefeld
Projektleiter: Nils Kutzera-Austermann
MitarbeiterInnen: Christian Falke, Gerd Quetschke, Ivko Rakic

Fachplaner
Figge Ingenieure, Bielefeld

Ausführende Firmen
Rohbauarbeiten: AKD-Bau GmbH, Herford
Tiefbauarbeiten: Quakernack Straßen-und Tiefbau GmbH & Co. KG, Bielefeld
Aufzugsanlage: Dralle Aufzüge GmbH & Co. KG, Bielefeld
Zimmerarbeiten: Holzbau Vorderwisch, Gütersloh
Dachdeckerarbeiten: Rudolf Peter & Sohn GmbH, Bielefeld
Bodenbelag: Nattkemper + Brummel GmbH, Bielefeld
Fliesen: Fliesen Nolte Handels GmbH, Bielefeld
Fenster: Michels Fenster-Türen GmbH & Co.KG, Rheda-Wiedenbrück
Fassadenarbeiten: Nattkemper + Brummel GmbH, Bielefeld
Metallbau: BSS Metallbau - Schiffsausbau GmbH und Co. KG, Lemgo

Energiestandard
EnEV

Bruttogeschossfläche
4.655 m²

Gebäudevolumen
15.651 m³

Kubikmeterpreis
230 €/m³

Gebäudekosten
3.600.000 €

Gesamtkosten
4.200.000 €

Fotos
Csaba Mester

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