Marc Dittrich – Schnittmengen

Warum machen Architekten Kunst? Warum setzen sich bildende Künstler mit Architektur auseinander? Wie schafft man Kunst am Bau, wie entstehen ortsspezifische Kunstwerke?
In der neuen Ausstellungsreihe Kunst und/im/am Bau werden ausgewählte zeitgenössische „architektur-künstlerische“ Positionen präsentiert, in Gruppen- ebenso wie in Einzelausstellungen. Themen sind dabei Kunstwerke, die sich mit architektonischen Fragestellungen beschäftigen, aber auch Arbeiten, die sich direkt mit Architektur-Situationen auseinandersetzen – Kunst am Bau und Kunst im öffentlichen Raum.

Mit den Mitteln der Kunst kann die Aufmerksamkeit aus einer anderen Perspektive auf Architektur, Baukultur und ihre vielfältigen Einflüsse gelenkt werden. Eine künstlerische Herangehensweise eröffnet mehr Freiheiten in der Auseinandersetzung mit der Architektur, als es klassische akademische Methoden ermöglichen, und ermutigt so zum Denken „off the beaten tracks” – für Fachleute und Laien gleichermaßen. Ohne sich mit Fragen der Funktionalität und Realisierbarkeit aufhalten zu müssen, kann die künstlerische Perspektive frei reflektieren und beobachten, sie kann kritische Statements machen und auf Missstände hinweisen, sie kann visionäre Ideen entwickeln und Spielraum für Kreativität und Ideen bieten.

Die erste Ausstellung Schnittmengen, kuratiert von Simone Kraft, widmet sich einer Werkschau des Stuttgarter Künstlers Marc Dittrich (1976), der sich in seiner Arbeit mit der vielschichtigen Darstellung von Architektur in Fotografie und Skulptur beschäftigt. Gezeigt werden auch jüngste Arbeiten des Künstlers, die eine neue Facette in Dittrichs Schaffen markieren.

Es ist eine ungewöhnliche Art, Architekturfotografie zu präsentieren. Marc Dittrichs „Flechthäuser“ sind, der Name deutet es an, „Fotoskulpturen“, die der Künstler aus Fotoprints verwebt. Das Foto wird zum Arbeitsmaterial: Aus dem Abbild, der Fotografie eines Hauses, wird das Baumaterial für ein neues Abbild dieses Hauses, eine Art Modell, das wiederum die charakteristischen Merkmale der Hausfassade aufweist – Rasterung, kubische Form. Er baut ein Haus aus dem Foto eines Hauses.


Die Motive für diese Arbeiten sind anonyme moderne Hochhausfassaden. Die Aufnahmen hat Dittrich selbst gemacht oder auch als Fundstücke aus dem Internet gezogen. Im Laufe der Jahre ist eine umfangreiche Sammlung von solchen Aufnahmen entstanden, ein Fundus, aus dem er immer wieder schöpft: Nicht nur die „Flechthäuser“, an denen er seit 2010 arbeitet , sondern auch schon in früheren Werkgruppen wurden diese Motive mehrfach verarbeitet.

Auch wenn es so aussieht: Die Streifen sind nicht von einer Maschine gemacht, sondern vom Künstler selbst – mit Hilfe eines Roll-Messers, eines Lineals, viel Können und Geduld. Durch das Ineinander-Verweben der Streifen bricht Marc Dittrich das starre und monotone Muster der Wand- und Fenster-Elemente auf. Bei seinen neuesten Werken übertr.gt Dittrich fotografierte Fassaden mittels eines Fototransferverfahrens auf die Oberflächen von vermeintlich temporär zusammenund nebeneinandergestellten Holzbrettern und verwandelt diese in Haus-Skulpturen.


Dr. Simone Kraft (*1980) ist Gründerin und Chefredakteurin von deconarch.com, dem ersten deutschsprachigen eMagazin, das sich der Schnittstelle von Kunst und Architektur widmet. Seit 2014 leitet sie die Geschäftsstelle des Architekturschaufensters.
 

Wann
24. September bis 19. Oktober 2018
Wo
Architekturschaufenster e.V.
Waldstraße 8
76133 Karlsruhe
Organisator
Architekturschaufenster
Links
www.architekturschaufenster.de