Studio Ippolito Fleitz Group

Stuttgart
Foto © Zooey Braun
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Innenarchitekten
Ippolito Fleitz Group – Identity Architects
Standort
Stuttgart
Jahr
2009

In sechs erfolgreichen Jahren ist die Mitarbeiterzahl des Designbüros Ippolito Fleitz Group mit seinen Aufgaben gewachsen. Architekten, Innenarchitekten, Produkt- und Kommunikationsdesigner haben deshalb gemeinsam in der Etage eines alten Bürogebäudes ihren neuen Arbeitsort geschaffen. Die Gestaltung der Räumlichkeiten folgt dem eigenen Anspruch als „Identity Architects“ – das Büro wird zum identitätsstiftenden Markenzeichen gegenüber den Kunden wie für die eigenen Mitarbeiter.

Für die neuen Räumlichkeiten ist das Büro in einer alten Fabrik für Regeltechnik im Stuttgarter Westen fündig geworden. Der fünfgeschossige Gründerzeitbau wurde um die Jahrhundertwende als Großwäscherei gebaut, jedoch nach schweren Kriegsschäden in seiner Architektur wesentlich verändert. In der ersten Etage zeigt er noch seinen ursprünglichen Charakter als einstige Produktionsstätte. Die vier Meter hohe Decke wird von gusseisernen Stützen getragen, was den Räumen einen fast romantischen Charakter gibt und in dieser Form in Stuttgart nur selten zu finden ist. Mit fast 500 m² Grundfläche verfügt das Studio zudem über eine Großzügigkeit, die dem kreativen Denken die dafür notwendige Freiheit einräumt. Der Grundriss ist bedingt durch die Gebäudehistorie: Die einzelnen Raumeinheiten organisieren sich rund um den Treppenhauskern. Daraus entstand die Idee, jedem Bereich eine eigene Gestalt zu geben, die in ihrer Gesamtheit eine zusammenhängende Geschichte erzählen.

Schon das Betreten der Büroräume wird zur bewussten Inszenierung. Eine schwere Metalltür trennt diese vom nüchternen, gefliesten und eher dunklen Treppenhaus. Umso strahlender erscheint dem Besucher der ganz in Weiß gehaltene Empfangsbereich, in dem dieser zunächst mit einer Arbeit des Künstlers Robert Steng gegenüber der Eingangstür konfrontiert wird. Steng schafft aus gefundenem Holzmaterialien zweidimensionale Objekte, die dreidimensionale Raumperspektiven abbilden. Durch seinen kreativen Umgang mit den Themen Re-Use und Raumanalyse findet er die passende künstlerische Position für wichtige Arbeitsprinzipien des Studios. In die weiße Eingangswelt fügt sich der kubische Tresen nahtlos ein, den zwei große Leuchtteller zusätzlich verorten. Den eher reduzierten Charakter dieses Bereich brechen zwei Elemente auf. Sozusagen als Wegweiser in Richtung Kreativabteilung dient die abstrakte Wandgrafik am Durchgang zum Studio. Im auffälligen Kontrast zum Weiß der Wände steht der Boden mit dem violetten Teppich, der ein selbst entworfenes Karomuster zeigt. Der präzisen Klarheit des Empfangs verleiht er zusätzlich ein weiches, wohnliches Ambiente.

Durch eine Glasscheibe getrennt schließt sich an den Empfang der große Besprechungsraum an. Hohe Fenster an zwei Seitenwänden sorgen für viel Tageslicht, dass durch weiße Vorhänge gefiltert wird. Über dem ovalen Besprechungstisch schwebt eine Wolke aus filigranen, kugelförmigen Leuchten. Eine Gusseisenstütze, die offen verlaufenden Versorgungsleitungen und die Bestandsdecke sind lediglich weiß gestrichen, sodass auch hier der Charme der einstigen Industriearchitektur erhalten bleibt. Der sich anschließende kleine Besprechungsraum ist dann das genaue Gegenteil und dient für intime, konzentrierte Gespräche: Im Zentrum des in einem tiefdunklen Violett gehaltenen Raums steht ein runder weißer Tisch, über dem eine überdimensionale Leuchtglocke schwebt. Seine Wände sind raumhoch mit einem Raster aus gerahmten Projektbildern überzogen. Das darauffolgende Gäste-WC überrascht mit einem Fenster, das sich einst in den Erweiterungsbau öffnete und jetzt verspiegelt und hinterleuchtet neue Einsichten bietet.

Herzstück der Büroräume ist das Studio. Bei seiner Gestaltung stehen Philosophie und Selbstverständnis von Ippolito Fleitz Group im Vordergrund. In dem interdisziplinär arbeitenden Gestaltungsbüro wird meist parallel an einer Vielzahl von Projekten aus verschiedenen Designdisziplinen gearbeitet. Die Kommunikation über Projektgrenzen hinweg gibt dabei wichtige kreative Impulse in die einzelnen Teams und fördert einen lebendigen Gestaltungsprozess. Bewusst wird deshalb auf abgeschlossene Büros verzichtet; die Raumgestaltung ist ganz darauf ausgerichtet, maximalen Austausch untereinander zu gewährleisten. Die Arbeitsplätze organisieren sich entlang dreier Workbenches. An einer ersten, kleineren Einheit arbeiten die beiden Geschäftsführer. Ganz im Sinne großer Transparenz und flacher Hierarchien ist die längste Workbench mit 12 Arbeitsplätzen gerade eine Armlänge von dieser entfernt. Parallel dazu steht die zweite große Arbeitseinheit mit weiteren 10 Plätzen. Über jedem einzelnen Arbeitsplatz hängt eine Pendelleuchte als Individualbeleuchtung von der Decke, die durch das sie flankierende Stoffband aktiviert werden kann. Die immer unterschiedlichen Stoffbänder stammen aus einer Sammlung von Dekorationsstoffen der vergangenen 40 Jahre. Hinter den Arbeitsplätzen befinden sich mit Magnetwänden verkleidete Regale. Die hier angepinnten Materialien, Skizzen und Konzeptideen dienen u.a. zur internen Projektpräsentation und als Diskussionsangebot für die Kollegen. Zur Unterstützung des gemeinsamen Austausches stehen im gesamten Büro viele und ganz unterschiedliche Besprechungsmöglichkeiten zur Verfügung. Im Studioraum sind das eine kleine Besprechungsecke mit Gartenbestuhlung sowie das aus dem alten Büro übernommene und neu verkleidete Mittelmöbel. Letzteres ist zwar eher unauffällig, aber seit Gründung des Büros der beliebte Treffpunkt für kurze informelle Besprechungen, wie für das Anstoßen mit dem Geburtstagssekt und musste selbstverständlich auch in den neuen Räumen seinen Platz finden. Ein großer, gemeinsamer Arbeitsraum stellt außerdem eine akustische Herausforderung dar. So sorgen hochflorige Teppiche für gute Akustik und entspannte Atmosphäre. An der Decke über den Arbeitstischen wurden lange, digital bedruckte Teppichbodenstreifen mit Paradiesvogelmotiven angebracht. Zwischen den beiden Unterzügen entlang der zentralen Raumachse zieht sich eine Raster aus weißen Schallabsorbern, das mit den in den Zwischenräumen installierten Leuchtstoffröhren mit Tageslichtqualität zugleich als virtuelles Oberlicht fungiert.

Ein wichtiger Punkt der Arbeit des Büros ist die Beschäftigung mit Materialien. Dem trägt eine große Regalwand mit der Materialbibliothek Rechnung, die den Raum zur einen Seite hin abschließt. Die Muster für die einzelnen Projekte werden gern auf dem langgestreckten Mittelregal entlang der zentralen Achse ausgelegt. In Kombination mit den hier gezeigten Skizzen, Renderings und Plänen wird dieses zur permanenten Präsentationsfläche und Gradmesser für den temporären Stand der Arbeiten. Hinter der Regalwand erstreckt sich das Backoffice mit Werkstatt, Druckstation und Archiv. Rechts von der Materialbibliothek führt eine Tür zur Mitarbeitertoilette, an deren Wänden großformatige Illustrationen die Motive der Deckenteppiche wieder aufgreifen. Hier wurde außerdem ein Durchbruch ins Freie geschaffen, wo eine Terrasse unter einem großen, alten Kirschbaum Asyl für die Raucher und die Chance für kleine Fluchten hinaus in die „Natur“ bietet.

Für Entspannung wird aber auch im Inneren gesorgt. Während das Studio ein Ort mit konzentrierter Arbeitsatmosphäre ist, steht der sich anschließende Salon ganz im Zeichen von Kommunikation und Inspiration. Letztere holt man sich unter anderem aus den Zeitschriften und Büchern der Bibliothek, die in einem wandfüllenden Regal untergebracht ist und vor dem ein großer, dreiflügeliger Spiegel hängt, der sich zur Seite schieben lässt. Vor dem Regal steht eine gepolsterte Leseinsel, die gern für intime Gespräche und Telefonate genutzt wird. Wichtigster Ort des Raumes ist jedoch die Küche, der viel Bedeutung, und deshalb auch Raum zugemessen wird – eine Erfahrung, die das Büro bereits bei zahlreichen Wohnprojekten ausgezeichnet hat. Die offene Küche steht orthogonal zur Fensterfront, entlang der sich eine lange Tafel erstreckt. Diese erfreut sich nicht nur mittags reger Benutzung, sondern hier finden auch Cook-Ins mit Kunden und größere Besprechungsrunden statt. Einen weiteren Bereich des Salons nimmt ein großer Projekttisch ein, der mit Materialsammlungen und Collagen den Ideenpool für laufende Projekte bildet. Darüber geben eine sternförmige Leuchtstoffröhrenlampe optimales Licht für Gedankenblitze und von der Decke hängende Grünpflanzen das Gefühl, mit einem Problem nie allein zu sein.

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Magazin

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