Denkmalgeschützter Bauernhof

Nesselwang
Zwei Höfe bilden ein Ensemble
Foto © Rainer Retzlaff
Klassische Eingangssituation
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Nordansicht
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Hausgang, neue Großzügigkeit durch Loggien
Foto © Rainer Retzlaff
Solar, Schrankeinbau anstelle Bretterwand zur Tenne
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Arbeitszimmer in Holz - alt und neu
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Sommerküche oder Gästezimmer
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Bad in klassischem "Fremdenzimmer" um 1920
Foto © Rainer Retzlaff
Architekten
F64 Architekten PartGmbB
Adresse
privat, Nesselwang
Jahr
2018
Bauherrschaft
privat

Umbau und Generalsanierung eines denkmalgeschützten Bauernhofes in Nesselwang

Ausgangspunkt

Der Ständer-Bohlen-Bau, dessen Haupttragwerk nach dendrochronologischer Untersuchung aus dem Jahre 1616/1617 stammt, wurde im Bereich des Wohnhauses um 1850 generalsaniert. Das heißt, dass in dem Gebäude, das nach den ersten 230 Jahren schon eine gewisse Schräglage erlangt hatte, Decken und Innenwände neu und lotrecht eingebaut, Raumhöhen vergrößert und die Außenwände mit neuen Bohlen ausgefacht wurden. Dies erfolgte wie üblich teils mit gebrauchtem Baumaterial. Aus der Zeit stammen Fenster, Türen und Wandverkleidungen des Wohnteiles. Seitdem wurde die Tenne um eine Achse verlängert, der Stall neu gemauert und zuletzt 1970 ein Bad eingebaut. In den letzten 100 Jahren ist wenig passiert - so war die Gebäudesubstanz zwar teilweise in einem schlechten Zustand, aber frei von sonst üblichen negativen Veränderungen.

Konzept

Im Vordergrund stand die Sanierung des Wohnhauses zu Wohnzwecken. Der Rest des Gebäudes sollte hauptsächlich statisch ertüchtigt und die Dachhaut erneuert werden, um den sicheren Erhalt für die nächste Zeit zu sichern. Die Grundrissstruktur des Wohnhauses erfuhr kleine Modifikationen. Das Versetzen der neuen Trennwand zur Tenne um 60cm schafft Stauraum und gibt den großen Fluren in EG und OG eine zusätzliche Funktion. Der neu erstellte Stall dient als Keller-Ersatz, da der Naturkeller nur als Lager für Gemüse und Wein funktionieren kann. Auf der Südseite des Stalls und auf der Nordseite des Flures wurden neue Loggien in das Bauvolumen integriert. Sie bieten überdachte Freibereiche und großzügige Belichtung der angrenzenden Räume. Die Flächen sind ohnehin groß genug.

Historische Baumaterialien wurden wo möglich an Ort und Stelle belassen, in einigen Fällen aus- und wieder eingebaut, schadhafte Teile in gleicher Weise mit neuem Material ergänzt. Das Gebäude wurde großteils unterfangen, die Außenwände außenseitig mit Zellulose gedämmt. Die ehemals verschindelten Schauseiten des Wohnhauses erhielten neue Rundschindeln, alle anderen Seiten, die eher landwirtschaftlich geprägt waren, sind mit sägerauhen Brettern verkleidet. Hier konnten auch größere Öffnungen geschaffen werden, die sich zwar in den Duktus einfügen, aber auch eine Spannung zu den feingliedrigen anderen Bauteilen aufbauen. Neue einfach verglaste Vorfenster verbessern die historischen Fenster.

Energie

Die Wärmeerzeugung erfolgt mit einem Gas-Brennwertkessel. Die Wärmeübertragung ist an die Bauteil-Temperierung nach Großeschmidt angelehnt, wurde jedoch mit etwas höherem Komfort ausgeführt.

Beurteilung durch die Jury des Denkmalschutzpreis 2020 des Landkreises Ostallgäu

(…) Im Kern von 1616 stammt das heutige Erscheinungsbild aus der Zeit von 1846 und Anfang 20. Jh. Es zeigt das typische Bild eines geschindelten Hofes der Allgäuer Kulturlandschaft. (Die Bauherren) haben diesen historischen Hof 2016 bis 2018 durch ihre fachgerechte und auch architektonisch anspruchsvolle Sanierung vor dem drohenden Verfall gerettet und ihm eine nachhaltige Zukunft gegeben. Er vereinigt Ortsgeschichte und Moderne und kann Vorbild sein für Umnutzungen von Bauernhäusern.

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