Solider Stoff

 Martina Metzner
9. Mai 2018
Nur 25% der weltweiten Textilabfälle werden – wie hier – wiederaufbereitet. (Bild: Matteo Girola)
Unter Really vermarktet der dänische Stoffspezialist Kvadrat nun zwei neuartige Textilfaserplatten, die aus Textilabfällen bestehen. Zur Milan Design Week zeigten Designer, was man aus den „Solid Textile Boards“ gestalten kann.
Der dänische Stoffhersteller Kvadrat setzt auf Kreislaufwirtschaft und Textilrecycling mit seinem neuen Unternehmen Really – ein Joint Venture des Stoffspezialisten mit Klaus Samsøe, dem Modedesigner und Inhaber der Modemarke Samsøe & Samsøe, seit jeher auf nachhaltige Prozesse und Materialien bedacht. Textilabfälle, die bei der Produktion, aber auch bei Wäschereien übrig bleiben, werden bei Really zu zwei neuartigen Paneelen wieder aufbereitet: dem „Solid Textile Board“ und dem „Acoustic Textile Felt“. Bei den Boards kann man zwischen Baumwolle und Wolle wählen, sowie zwischen den Farben Weiß und Blau (Baumwolle) sowie Schiefer und Natur (Wolle). Das akustisch wirksame „Acoustic Textile Felt“ ist etwas größer und dicker (Maße: 3050 auf 1180 mm, Stärke: 10 mm) als das „Solid Textile Board“ (Maße: 3000 auf 1100 mm, Stärke: 7,6 mm). Die Boards können mit üblichen Holzwerkzeugen bearbeitet werden, lassen sich sägen, bohren, schrauben und mit Holzleim auch kleben.
Bitte biegen: Jonathan Olivares hat für die Paravents die „Solid Textil Boards“ durch eine spezielle Nut-und-Feder-Verbindung gebogen. (Bild: Kvadrat/Really)
Das junge Kopenhagener Unternehmen zerkleinert die Textilreste, vermengt sie mit  30% Polypropylen und presst sie. Zur Mailänder Design Week zeigten Benjamin Hubert, Front, Jo Nagasaka, Christien Meindertsma, Raw Edges, Jonathan Olivares und Claesson Koivisto Rune (und damit das Who-is-who der Design-Szene), wie man diese neuartigen Textilfaserplatten verarbeiten kann.

So verleiht Benjamin Hubert dem „Solid Textil Board“ durch eine spezielle Fräsung Elastizität – ganz ohne Scharnier. Der US-amerikanische Designer Jonathan Olivares dagegen setzt auf schwungvolle Paravents, dessen leichte Krümmung er durch eine spezielle Nut-und-Federverbindung erzielt. Christien Meindertsma, bekannt für nachhaltige Materialien, verzauberte die Besucher mit ihren filzartigen „Spaghetti“, die aus dem noch unverpressten Rohstoff bestehen und dank integriertem Magneten an der Wand hingen. Sicher, Kvadrat/ Really sind nicht die einzigen, die auf Recycling von Textilabfällen und Textilfaserplatten setzen. Sie vermarkten das Material allerdings ungewohnt attraktiv.
Benjamin Hubert erreicht durch feine Fräsungen eine elastische Beweglichkeit der Boards. (Bild: Kvadrat/ Really)

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