Harmonie in Holz

Martina Metzner
18. 三月 2020
In Holzbauweise vor Ort konstruiert: die Erweiterung der Ludwig-Schwamb-Schule von Walter Huber Architekten in Darmstadt-Eberstadt. (Foto: Zooey Braun)

Für die Erweiterung der Ludwig-Schwamb-Schule in Darmstadt durch zwei Holzpavillons wählte Walter Huber Architekten nur drei Holzprodukte.

Mit der Erweiterung der Ludwig-Schwamb-Schule in Darmstadt-Eberstadt schlägt man gleich zwei Fliegen mit einer Klappe: Denn die Förderschüler der auf dem gleichen Gelände beheimateten Mühltalschule können Räume des Erweiterungsbaus der Grundschule nun mitnutzen. Südlich vom Haupthaus aus den 1950er-Jahren gelegen erscheinen die beiden zweigeschossigen Holzbau-Pavillons mit insgesamt 2.620 Quadratmetern, die über ein Treppenhaus aus massivem Beton verbunden sind. Geplant hat den Doppelpavillon Architekt Walter Huber aus Stuttgart, der sich in einem offenen Wettbewerb 2014 durchsetzen konnte. Huber wollte mit den beiden separaten Pavillons den langen Riegel des Haupthauses erhalten und sich in Formensprache anpassen – so kam es mitunter auch zum Holzbau, der eine feingliedrige Fassade ermöglichte.

Konsequent nachhaltig: Für die beiden Holzbaupavillons kamen insgesamt 800 Kubikmeter Holz zum Einsatz. (Foto: Zooey Braun)
Die Mensa im östlichen Pavillon kann mit einem weiteren Saal zu einer Mehrzweckhalle zusammengeschaltet werden. (Foto: Zooey Braun)

Maßgeblich für die offene und transparente Atmosphäre ist viel Tageslicht, einerseits durch dreifach verglaste Fenster, andererseits durch die zentralen Oberlichter in Form eines Trägerrosts im östlichen Pavillon und durch einen zentralen Innenhof im westlichen Pavillon. Durch Lüftungsklappen können die Pavillons im Sommer, wenn sich der Holzbau aufwärmt, nachts auskühlen. An den weitläufigen Fluren, die offene „Möglichkeitsbereiche“ für Bewegung und für Gruppen- oder Einzellernen bieten, ordnen sich die Klassenräume clusterförmig an. Aufgrund der vielen offenen Verkehrsflächen sei der Brandschutz eine besondere Herausforderung gewesen, sagt Huber.

Der Polymotorikraum im Obergeschoss des westlichen Pavillons grenzt an den zentral gelegenen Innenhof an. (Foto: Zooey Braun)
Das Treppenhaus aus Sichtbeton verbindet gelenkförmig die beiden Pavillons und steift sie aus. (Bild: Zooey Braun)

Für die Holz-Skelettbauweise sprachen aber nicht nur die formalen Aspekte, sondern auch die verkürzte Bauzeit und vor allem der Baugrund. Da das Gebiet sandig ist, wollte Walter Huber hier mit einem leichten Baukörper arbeiten. Obendrein ist Holz natürlich für eine Grundschule ein gutes, angenehm duftendes Material. Walter Huber hatte bereits zuvor eine Kita in Holzbau entwickelt, allerdings in Ständerbauweise. Holzmodule kamen für die Ludwig-Schwamb-Schule aufgrund des Raumkonzeptes mit den großen offenen Räumen nicht in Frage. Der Vorteil der kurzen Bauzeit wiegt sich allerdings mit einer längeren Planungszeit auf: Maßgeblich an dem Bau sind die Tragwerksplaner und die Holzbauer beteiligt, die jeweils eigene Pläne erarbeiteten. Walter Huber arbeitete für das Projekt mit dem Holzbauwerk MüllerBlaustein und dem Vorarlberger Statikern merz kley partner zusammen. Fichte, Tanne und Buche kamen für den Skelettbau der beiden zusammenhängenden Pavillons, die jeweils über einen gleich großen quadratischen Grundriss verfügen, zum Einsatz. Die hinterlüftete Fassade mit ihren kräftigen Lisenen besteht aus Lärche.

In drei Monaten wurde die beiden Pavillons der Ludwig-Schwamb-Schule von Zimmermännern vor Ort errichtet. (Foto: Walter Huber Architekten)
BauBuche bildet das Deckentragwerk mit Unterzügen im Erdgeschoss aus, da sie höhere statische Lasten tragen kann. (Foto: Walter Huber Architekten)

Nur drei Holzprodukte verwendete das Plaungsteam für die Konstruktion. Für die Ausbildung von Dach, Decke und Wänden wurden Platten aus Brettsperrholz eingesetzt. Brettschichtholz kam für die Dachträger, die Balkenlage in der Geschossdecke und die Stützen zum Einsatz. Zusätzlich wurde überall eine Akustikholzdecke eingezogen. Ungewöhnlich ist der Einsatz von BauBuche, die für die Deckenträger im Erdgeschoss verwendet wurde, da dieser Baustoff höhere statische Lasten aushält und man damit die Trägerhöhe begrenzen kann. Insgesamt wurde damit eine Spannweite von acht Metern bei einer Trägerhöhe von 56 Zentimetern erreicht. Bei BauBuche handelt es sich um ein Furnierschichtholz aus regionalem Buchenholz, für das drei Millimeter starke Schälfurniere faserparallel beziehungsweise kreuzweise verklebt werden. Zur Aussteifung des Tragwerks dienen einzelne Wand-, Dach- und Deckenscheiben, in denen Brettsperrholz besonders stark verankert eingesetzt wurde. Die außenliegenden Holzrahmenwände kamen vorgefertigt mit einer Dämmung aus Mineral- und Holzwolle auf die Baustelle und wurden dort in die Ständer eingesetzt.

Der Trägerrost im Obergeschoss des östlichen Pavillons dient als Oberlicht, darunter ein „Möglichkeitsraum“ für die Schüler. (Foto: Walter Huber Architekten)
Dreifach verglaste Fenster, die sich durch Klappen öffnen lassen, spenden viel Tageslicht für die Innenräume. (Foto: Walter Huber Architekten)

Eine Besonderheit stellt die Mensa im Erdgeschoss des östlichen Pavillon dar, die mit einer Mehrzweckhalle zusammengeschaltet werden kann. Durch die Anforderung, diese stützenfrei zu gestalten, musste das Decken-Holztragwerk um drei kräftige Stahlträger ergänzt werden. Dadurch sind auch notwendige Freiräume für die Lüftungsinstallation entstanden. Insgesamt habe man mit allen drei Partnern – Architekt, Statiker und Holzbauer – harmonisch und integrativ zusammengearbeitet, sagt Walter Huber. Das sei insbesondere im Holzbau von entscheidender Bedeutung. Drei Monate haben die Zimmerleute gebraucht, bis der Rohbau stand. Für den Einsatz der BauBuche musste ein zusätzliches Notdach als Witterungsschutz aufgebaut werden, da BauBuche leicht Nässe zieht.

Wer in Holz baut, der baut nachhaltig. Bei der Ludwig-Schwamb-Schule in Darmstadt-Eberstadt sind das genau 800 Kubikmeter Holz in Form von Stützen, Decken, Trägern, Holzfaserdämmung. Mit dem energetischen Konzept liegen die Pavillons laut Huber 40 Prozent unter der Energieeinsparverordnung. Nachhaltigkeit sei aber schon vor dem ganzen Hype eine Grundhaltung des Büros gewesen, so Huber. Das beträfe aber nicht nur das Energiekonzept und die Baustoffe, sondern vor allem auch das soziale Konzept. Auch wenn derzeit viele Schulen in Holz(modul)bauweise entstehen, weil das Material als besonders nachhaltig gilt, so muss man die Erweiterung der Ludwig-Schwamb-Schule anders verorten. Walter Huber wählte die Holzskelettbauweise als pragmatische Lösung für die örtlichen Gegebenheiten. Vor allem aber zeigt die Verbindung aus dem natürlichen Material und dem außerordentlichen Raumkonzept hier beispielhaft, wie sich konstruktive, bautechnische mit sozialen Aspekten befruchten können und Inklusion dadurch gefördert werden kann.

Die beiden Erweiterungspavillons (links im Bild) grenzen im Süden an den Riegel des Haupthauses (Baujahr 1958) an. (Plan: Walter Huber Architekten)
Im EG der beiden Pavillons befinden sich Mensa und Mehrzweckhalle sowie Büros. (Plan: Walter Huber Architekten)
Schnitte der beiden Pavillons mit verbindendem, aussteifendem Treppenhaus. (Plan: Walter Huber Architekten)
Bautafel
Bauherr: Wissenschaftsstadt Darmstadt
Bauzeit: 2016-2018
Kosten: 5.760.000 €
Architektur: Walter Huber Architekten, Stuttgart - Leistungsphasen: 2 – 8, Zeitraum: 2014 - 2018
Tragwerk: merz kley partner, Dornbirn
Statik: PWW-Ingenieurbüro für Bauwesen, Darmstadt
Bauphysik: GN Bauphysik, Stuttgart
Heizung, Lüftung, Sanitär: HLS: IWP Ingenieurbüro für Systemplanung, Stuttgart
Elektro: Steinigeweg, Darmstadt
Brandschutz: CSZ Ingenieurconsult, Darmstadt
Baugrund: Geotechnik Gündling, Darmstadt
Vermesser: Vermessungsbüro G. Gonschorek, Darmstadt
Küchenplanung: Edgar Fuchs, Aschaffenburg
Prüfingenieur: Prof. Dr.-Ing. Leander A. Bathon
SiGeKo: Thurm Sicherheitstechnik
Landschaftsarchitektur: Büro Hink, Schwaigern + AG37 Landschaftsarchitekten
 
Ausführende Firmen
Bauzaun: MKI, Seeheim
Abbruch: CDM Consult, Alsbach
Rohbau: Bauunternehmung Streib, Mannheim
Beton- Sichtbetonkosmetik: Kopp, Emerkingen
Holzbau: Müllerblaustein Holzbauwerke, Blaustein
Fenster: Etter Fenstertechnik, Rosenfeld-Leidringen
Dach: W. Müller, Weinstadt-Endersbach
Leckortung: PROGEO Monitoring, Großbeeren
Trockenbau: K. T. Trockenbau, Offenbach
Brandschutz: GZ Innenausbau
Bekleidungen, Mühltal
Blitzschutz: Püschel, Dieburg
Kampfmittel- Tauber Explosive, Weiterstadt
Elektro: Mauer Elektrotechnik, Darmstadt
Elektro: Dornhöfer, Darmstadt
MSR - SAUTER Deutschland, Heusenstamm
Lüftung: OTTO, Weiterstadt
Heizung, Sanitär: Konrad Kohl, Darmstadt
Estrich: Celar Estrichbau, Dieburg
Boden Linoleum: Manfred Hofmann, Bickenbach
Schreiner/ Decke: Rittersberg-Holzbau, Bensheim-Gronau
Schreiner / Wand/Türen Türenfertigung + Innenausbau: Göbes, Hardheim-Schweinberg
Schreiner / Einbaueinrichtungen: Entedimension,  Darmstadt
WDVS: Wilhelm Klein Stuck-Putz-Malerei, Darmstadt
Raumausstattung: Buttmi Raumausstattung, Darmstadt
Fliesen: Mertens Fliesen, Büttelborn
Beschichtung: Epo-Pur Bodenbeschichtungen, Waldstetten
 
Produkte
PV-Anlage: ENTEGA NATURpur
Aufzug: ThyssenKrupp Aufzüge
Mobilwände: abopart mobilwände, Wiesbaden
Möblierung: VS

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