Verdichtung auf dem Kasernengelände Potsdam-Krampnitz

Manuel Pestalozzi
10. 5月 2022
Die vorgesehenen Neubauten sollen sich mit Bedacht in den Bestand mit seinen charakteristischen Walmdächern einfügen. (Visualisierung: © Bollinger+Fehlig Architekten)

Das Areal der ehemalige Heeresreitschule Krampnitz liegt im unteren Bereich der Havelseen, einige Kilometer nördlich von Potsdam. Die rund 120 ha große Anlage wurde ab 1937 errichtet, nach Plänen des Architekten Robert Kisch, damals angestellt bei der Heeresbauverwaltung. Locker angeordnete, zweigeschossige, mit Walmdächern gedeckte Sichtbacksteinvolumen, meist verwinkelt und Hofräume umschließend, legen Zeugnis ab über einen eigenartigen Mix modernistischer Städteplanung und einem traditionalistischen Formenvokabular. Die Gebäude stehen unter Denkmalschutz, sie gelten als typisch für die Militärarchitektur der 1930er-Jahre. Von 1945 bis 1992 war die Sowjetarmee in der Heeres-Reitschule stationiert, nachher verkaufte sie das Land Brandenburg für rund 4,1 Mio. Euro an die TG Potsdam Entwicklungsgesellschaft. Seit 2011 besteht ein Masterplan, der den Bau und die Sanierung von knapp 400 Gebäuden mit 1651 Wohnungen auf 75 ha vorsieht. Das stark überwucherte Areal gilt als „Lost Place“ – was sich nun möglicherweise ändern wird.

Denn das Berliner Architekturbüro Bollinger+Fehlig Architekten (BFA) hat einen mit mehreren Architekturbüros geführten städtebaulichen Fachdiskurs zur Verdichtung von Teilen der historischen Kasernenanlage für sich entscheiden können. Das von BFA gemeinsam mit Nolte Gehrke Partnerschaft von Landschaftsarchitekten erarbeitete Konzept überzeugte die Verantwortlichen aus Politik und Verwaltung in Potsdam, die heutige Eigentümerin Deutsche Wohnen SE und die Quarterback Immobilien AG, die als Projektentwickler im Auftrag der Deutsche Wohnen in Krampnitz aktiv ist.

Die baulichen Ergänzungen sollen auch die monumentalen Höfe der Kaserne redimensionieren. (Visualisierung: © Bollinger+Fehlig Architekten)

Der Entwurf von BFA interpretiert die ehemaligen Kasernen als historischen Rahmen für individuelles Wohnen und Leben, das zu kreativem Arbeiten im Grünen animieren soll. Die denkmalgeschützten Bestandsbauten der Deutsche Wohnen SE, die derzeit von Müller Reimann Architekten für Wohnnutzungen umgeplant werden, sollen lesbar bleiben und den Genius Loci der Klinkerhöfe bilden. Die monumentalen Innenhöfe werden vor allem durch L-förmige Wohnbauten behutsam neu zoniert und zur zentralen Allee der Anlage hin stärker abgegrenzt. Die Allee kann so zugleich durch gewerblich nutzbare Erdgeschosszonen belebt werden, was in den Bestandsgebäuden nicht möglich ist. Damit soll der städtebauliche Masterplan im Bereich des südlichen Alleenrings im Sinne einer Urbanisierung qualitativ weiterentwickelt werden, während sich die neu gegliederten Höfe zu angemessen dimensionierten öffentlichen Räumen für Spiel und Erholung verwandeln können. Alle neuen Baukörper sind mit einer Basishöhe von drei Geschossen geplant. Die Traufkante liegt damit unwesentlich höher als die des Bestands. Zur Markierung von besonderen Stadträumen sowie am Übergang zu den höheren Gebäuden des Masterplans im Westen kommen ein- bis zweigeschossige Aufsätze hinzu. Diese sollen mit einem kleinen Gemeinschaftsraum auch die Zugänge zu den gemeinschaftlich genutzten Dachgärten bilden. Für diese Weiterentwicklung ist noch eine Anpassung der Masterplanung und des Bebauungsplans erforderlich. Neben den rund 300 zusätzlichen Wohneinheiten verspricht das Konzept auch 4500 Quadratmeter Erdgeschossflächen zur gewerblichen und gastronomischen Nutzung.

Im Erdgeschoss der Neubauten besteht Raum für Gewerbe und Gastronomieangebote. (Visualisierung: © Bollinger+Fehlig Architekten)

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