Gutshaus, Remise, Orangerie

Carsten Sauerbrei
11. July 2017
Die neuen Gebäude, Orangerie und Remise, ordnete Max Dudler in einer Linie mit der Längsachse des spätbarocken Gutshauses an. (Bild: Stefan Müller, Berlin)
In Kanzem bei Trier sanierte Max Dudler ein spätbarockes Gutshaus und ergänzte es um zeitgenössisch gestaltete Remise und Orangerie. Vor der imposanten Kulisse eines Weinbergs entfaltet das Ensemble aus Alt und Neu eine faszinierende ästhetische Wirkung.
Historische Gebäude zu sanieren und zu ergänzen, ist eine der Alltagsaufgaben von Architekten. Dies jedoch mit Sensibilität vor lokalen Traditionen zu tun und dennoch das Heutige der Gestaltung nicht zu verleugnen, ist eine Herausforderung, die nur selten so gut gelingt wie in Kanzem bei Trier. Das Ensemble, das seit Spätsommer letzten Jahres zum Wohnen, für Gästezimmer und als Vinothek genutzt wird, befindet sich auf einem langgestreckten Grundstück zwischen Weinberg und Bahnlinie auf der einen Seite und Hauptstraße und Saar auf der anderen.
Die monolithisch wirkende Remise nimmt die Technikräume des zum Wohnen und als Gästehaus sowie Vinothek genutzten Anwesens auf. (Bild: Stefan Müller, Berlin)
Auf Lage und Form des Grundstücks reagierte Max Dudler, indem er die ergänzenden Neubauten, Remise und Orangerie, in einer Linie mit der Längsachse des Gutshauses «Cantzheim» anordnete und so das barocke Anwesen zusammenfasste. Er platzierte diese jedoch auch in respektvollem Abstand vom 1740 errichteten Gebäude und betonte so dessen gewünschte, solitäre Wirkung. Bei der Sanierung des Gutshauses rekonstruierte Dudler die barocke Bausubstanz vollständig und ließ daher alle fremde Anbauten entfernen.
In den handwerklich gearbeiteten Stampfbetonschichten spiegeln sich die erdfarbenen Töne der umgebenden Landschaft wider. (Bild: Stefan Müller, Berlin)
Im Inneren des Gutshauses modernisierte Max Dudler die Räume für eine zeitgemäße Nutzung, ohne jedoch deren ursprüngliche Struktur anzutasten. Bei der Gestaltung der neuen Remise, die die Technikräume des Anwesens aufnimmt, orientierte er sich in Form und Materialität an der landschaftlichen Kulisse. In den handwerklich gearbeiteten Stampfbetonschichten der zwei Geschosse hohen Remisenaußenwände und auch ihres Daches spiegeln sich die erdfarbenen Töne der umgebenden Hügel wider.
Das filigrane Stahltragwerk der Orangerie greift die Vertikalität der Rebstöcke auf. (Bild: Stefan Müller, Berlin)
Die offen und transparent gestaltete Orangerie aus Stahl und Glas auf der Westseite des Hauses konzipierte Dudler dagegen gewissermaßen als Gegenstück zur monolithischen Remise. Ihre filigrane Struktur nimmt die Vertikalität der die Landschaft dominierenden Rebstöcke auf und setzt damit einen Kontrapunkt zur horizontalen Parallelität von Saar, Hauptstraße, Gutshaus und Bahnlinie.

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