Einfach günstig

 Carsten Sauerbrei
22. May 2018
Zehn doppelgeschossige Wohneinheiten entstanden am Rande des elsässischen Illzach. (Bild: Achim Birnbaum)
Die Wohnanlage im elsässischen Illzach wirkt trotz ihrer günstigen Baukosten keineswegs billig. Kuhn und Lehmann Architekten, Freiburg erreichten dies durch eine geschickte Materialauswahl, eine einfache Konstruktion und eine kleinteilige Gliederung.
Kostengünstig zu bauen, ohne Ansprüche an die ästhetische und funktionale Qualität aufzugeben, das gelingt immer noch bei nur wenigen Wohnungsbauprojekten. Eines der positiven Beispiele entwarf und realisierte das Freiburger Büro Kuhn und Lehmann Architekten jüngst mit der Wohnsiedlung «Rue Hoffet/Rue des Sitelles» am Rande des elsässischen Illzach, das sich im Einzugsgebiet von Mulhouse befindet. Dessen Baukosten beliefen sich exklusive der Kostengruppe 1 gerade mal auf 1.568 Euro pro Quadratmeter.
Über einen gemeinsamen Vorhof werden jeweils zwei Häuser erschlossen. (Bild: Achim Birnbaum)
Kuhn und Lehmann Architekten entwarfen für das Grundstück, das als nur unrental bebaubar galt und von der Stadt Illzach für den Bau von Sozialwohnungen an eine Wohnungsbaugesellschaft in Erbpacht vergeben wurde, eine kleinteilig gegliederte und abwechslungsreich wirkende Anlage aus 10 doppelgeschossigen Wohneinheiten, wie die Fotos Achim Birnbaums deutlich zeigen. Für die Baukörper mit insgesamt drei 3-Zimmer- und sieben 4-Zimmerwohnungen mit 65 bzw. 95 qm entwickelten sie eine Typologie, die das Doppelhaus mit dem Reihenhaus vereint.
Je zwei Wohnhäuser und ein dazwischenliegender, ortstypischer Schuppen umschließen einen kleinen Vorhof, der durch die gegenüberliegenden Eingänge Begegnung ermöglicht. Die Notwendigkeit günstig und damit schlicht zu bauen, machten Kuhn und Lehmann zu einer Tugend, indem sie verschiedene Materialien mit einer einfachen und dennoch im Detail qualitätvoll ausgeführten Konstruktion kombinieren. Daher besteht das Tragwerk auch aus Betonfertigteildecken, die auf Hochlochziegelwänden mit mineralischer Außendämmung liegen, und die Fassade aus einer Metall-Wellplattenverkleidung.
Einfache Materialien und Konstruktion, dennoch Qualität im Detail sowie eine lebendige Gliederung zeichnen die Siedlung aus. (Bild: Achim Birnbaum)
Wie gekonnt Kuhn und Lehmann bei der Baukörpergestaltung mit Konstruktion und Material umgingen, wird vor allem bei den markanten Wintergärten der Häusergruppe deutlich, deren Holzkonstruktion hinter den Hüllen aus gewellten Doppelsteg-Acrylplatten durchschimmert. Weniger lebendig, simpler und funktionaler wirken dagegen die Innenräume, die sich in Küchen und Wohnräume in den Erdgeschossen und Schlafzimmer in den oberen Etagen gliedern und über stählerne Bogen- oder Wendeltreppen miteinander verbunden sind.
In den doppelgeschossigen 3- bis 4-Zimmer-Wohnungen befinden sich unten Küche und Wohnräume und oben die Schlafzimmer. (Bild: Achim Birnbaum)

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