Wohnen im Holz-Hybrid-Haus

Fink+Jocher
18. mars 2020
Foto: Roland Halbe

Fink+Jocher Architekten haben den Heilbronner Neckarbogen um ein Wohnhaus ergänzt. Ivan Grafl beantwortet unsere Fragen zum Projekt.

Worin liegt das Besondere an dieser Bauaufgabe?

Bei der Konzeption der Bundesgartenschau 2019 in Heilbronn war ein zentraler Bestandteil die Stadtausstellung „Neckarbogen“ innerhalb des Geländes der Bundesgartenschau. Dort realisierte Kruck + Partner in einem der drei hierfür bereitgestellten Baufeldern insgesamt fünf Neubauten. Eines dieser Neubauten, ein fünfgeschossiger Holz-Hybrid-Haus, wurde von unserem Architekturbüro geplant. Die gewählte Konstruktion, gewählten Materialien und Gestaltungselemente zeigen deren städtebaulichen und architektonischen Potenziale.

Foto: Roland Halbe
Wie reagiert der Entwurf auf den Ort?

Das Haus bildet einen Baustein der Blockrandbebauung an der Nordostecke des Baufelds. In östlicher Richtung zeigt sich das Haus durchgängig fünfgeschossig und ist das Gesicht des Qaurtiers zur Promenade entlang des ursprünglichen Neckarlaufes. Die räumliche Fassung des gemeinschaftlichen Innenhofs erfolgt durch die L-Form des Hauses im Grundriss. Jede Wohnung hat mindestens einen gedecken Freibereich als Loggia, welche sich durchgängig in die Grünräume des Innenhofs oder zur Altneckar-Promenade orientieren.

Inwiefern haben Bauherrschaft, Auftraggeber oder die späteren NutzerInnen den Entwurf beeinflusst?

Die meisten Bewohner wünschen sich auch im Alter in ihrer vertrauten Umgebung zu wohnen. Aber die wenigsten Wohnungen sind auf die veränderten Bedürfnisse im Alter vorbereitet. Hierfür sind flexible und zugleich kostengünstige, sowie praktikable Standards für ein barrierearmes Wohnen im Alter erforderlich. Der Bauherr unterstützte von Beginn an die Intention – über die Anforderungen der Bauordnung hinaus – sämtliche Wohnungen nach den Vorgsben des „Ready© Wohnen“ zu planen.

Foto: Roland Halbe
Foto: Roland Halbe
Wie hat sich das Projekt vom ersten Entwurf bis zum vollendeten Bauwerk verändert?

Die frühen Entwurfsideen, wie die Holz-Hybrid-Bauweise, die konkav geschwungenen Geschossabschlüsse und Holzschindeln als Fassadenmaterial, entstanden bereits in der Wettbewerbsphase. Diese Ideen wurden im gesamten Planungsverlauf unverändert beibehalten und zur Ausführungsreife weiterentwickelt. Maßgeblich wirkte hierbei auch die ausführende Firma der Holzfassade mit, die im Vorfeld anhand eines geschosshohen Fassadenausschnitts als Prototyp im Maßstab 1:1 die Gestalt und Umsetzbarkeit überprüft hatte. 

Beeinflussten aktuelle energetische, konstruktive oder gestalterische Tendenzen das Projekt?

Die Decken, Stützen, Wohnungs- und Treppenauswände der Holz-Beton-Hybridkonstruktion bestehen aus Stahlbeton. Die standardisierten Fassadenelemente mit fertiger Schindeloberfläche und fertig eingebauten Fenstern wurden zeitgleich im Werk witterungsunabhängig und mit hoher Präzision vorgefertigt und nach Fertigstellung des Rohbaus montiert. Die Stahlbeton-Skelettkonstruktion steht für einen sparsamen Einsatz der statisch wirksamen Bauteile. Sie führt einerseits zum sparsamen Umgang mit wertvoller Wohnfläche. Zum Anderen ermöglicht sie in der Planung eine flexible Grundrissgestaltung und gwährleistet im späteren Gebrauch eine hohe Nutzungsfglexibilität. 

Foto: Roland Halbe
Welche speziellen Produkte oder Materialien haben zum Erfolg des vollendeten Bauwerks beigetragen?

Die jeweils positiven Eigenschaften beider Baustoffe, Beton und Holz, werden in der Hybrid-Konstruktion gepaart. Mit Hilfe des vorbereitetend Energiekonzepts im Quartiers und der gewählten Konstruktion erreicht das Gebäude einen KfW 55-Standard nach der ENEV 2016. Sämtliche Ausführungsdetails wurden für die Anforderungen an Wärmedämmung, Feuchteschutz, Schallschutz, Brandschutz und Sicherheit wurden in enger Zusammenarbeit mit Fachplanern und Beratern für den Geschoßwohnungsbau optimiert. 

Foto: Roland Halbe
Schwarzplan (Zeichnung: Fink+Jocher)
Grundriss Erdgeschoss (Zeichnung: Fink+Jocher)
Grundrisse 1. - 3- Obergeschoss (Zeichnung: Fink+Jocher)
Grundriss 4. Obergeschoss (Zeichnung: Fink+Jocher)
Schnitt (Zeichnung: Fink+Jocher)
Neckarbogen Baufeld „I“, Haus 7
2019
Theodor-Fischer-Straße 30
74076 Heilbronn
 
Nutzung
Wohnhaus
 
Auftragsart
Planungsauftrag Objektplanung, Leistungsphasen 1-6 
 
Bauherrschaft
Kruck + Partner, Wohnbau und Projektentwicklung GmbH & Co. KG, Heilbronn
 
Architektur
Fink+Jocher, Gesellschaft von Architekten und Stadtplanern mbH, München
Projektleitung: Felix Haberstumpf, Rebecca Farina Arnold
Mitarbeit: Beate Zimmermann, Stefan Kwasnitza, Ester Escolano, Matilde Negri
 
Fachplaner
Landschaftsarchitekt: Pfrommer+Roeder GbR, Freie Landschaftsarchitekten BDLA IFLA, Stuttgart
Tragwerksplanung: Kraft Baustatik, Besigheim
Heizungs-, Lüftungs- und Sanitärplanung: Bunse GmbH, Heilbronn
Elektroplanung: SIB GmbH & Co.KG, Heilbronn
Brandschutzberatung: Bauart Konstruktions GmbH & Co. KG, München
Bauphysik: CD Gebäude- & Umwelttechnik, Kirchberg an der Jagst
 
Bauleitung
Eigenleistung Bauherr

Ausführende Firmen
Holzfassade: Schlosser plan.Projekt GmbH & Co. KG, Jagstzell
 
Energiestandard 
KfW 55 nach der ENEV 2016 
 
Bruttogeschossfläche
2.025 m²

Gesamtkosten
k. A. 

Fotos
Roland Halbe

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