Im Kontrast

dichter + GKL
20. septembre 2023
Das lang gestreckte Eingangsfoyer öffnet sich zum Campus. (Foto: Naumann | Friedel Architekturfotografen)
Worin liegt das Besondere an dieser Bauaufgabe?

Das Erlangen Centre für Astroparticle Physics (ECAP) ist ein Forschungsgebäude der Friedrich Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. Das Bauwerk wurde aufgrund der überregionalen Bedeutung dieses Instituts gemeinsam vom Bund und Freistaat Bayern gefördert. Das Institut betreibt Grundlagenforschung im Bereich der Astroteilchenphysik an Gamma- und Röntgen-Astronomie, Neutrino-Astronomie und die Neutrinophysik. Hierfür werden im Rahmen internationaler Großkollaborationen vor Ort Teile von Großgeräten entwickelt, gebaut und getestet. Die Daten der Experimente, an denen zum Teil mehreren Hundert Personen mitwirken, werden am ECAP ausgewertet und wichtige Erkenntnisse in der Grundlagenforschung gewonnen. Die Besonderheit der Bauaufgabe liegt schon allein darin, die vielfältigen Herausforderungen (Flexibilität in der Entwicklung, Präzision in der Fertigung, Innovation in der Analyse) möglichst kompakt miteinander zu verknüpfen sowie darüber hinaus eine Außenwirkung zu unterstützen und attraktive, räumliche Möglichkeiten für internationale Konferenzen zu bieten.

Unter den 5,2m auskragenden Obergeschossen rahmt ein heller Betonsockel den Haupteingang. (Foto: Naumann | Friedel Architekturfotografen)
Ob Wasserspeier oder Fluchttreppe – alles wird im durchlaufenden Fassadenraster integriert. (Foto: Naumann | Friedel Architekturfotografen)
Haben Sie den Auftrag über einen Wettbewerbsbeitrag oder direkt erteilt bekommen?

Der Auftrag basiert auf einem 2017 gewonnenen nicht-offenen Wettbewerb gemäß RPW mit vorgeschaltetem Bewerbungsverfahren. Wir haben uns mit dem befreundeten Architekturbüro Glass-Kramer-Löbbert beworben und wurden mit anderen 19 Teilnehmer zugelassen. 

Die zentrale Kommunikationszone schafft Blickbeziehungen quer durch das Gebäude und darüber hinaus. (Foto: Naumann | Friedel Architekturfotografen)
Betonwände, Stahlwangen, Holzwolldämmplatten, Glas und Holz prägen das helle Innenleben. (Foto: Naumann | Friedel Architekturfotografen)
Wie reagiert der Entwurf auf den Ort?

Der Neubau wurde in der nord-östlichen Ecke des FAU-Südcampus errichtet und schafft dort den Auftakt (oder auch Schlussstein) des Areals. Teil der Wettbewerbsaufgabe war es, die bestehende Rahmenplanung des Südgeländes um das ausgewiesene Grundstück zu ergänzen. Hierfür sollte über das ECAP hinaus auch die Positionierung eines zweiten Neubaus festgelegt werden. Im Wettbewerbsbeitrag wurde von uns vorgeschlagen, drei quadratische Bauformen so anzuordnen, dass gemeinsam mit einem Parkhaus und dem Physikum ein gefasster Freiraum als Treffpunkt für die Studierenden geschaffen wird. Die windmühlenartige Anordnung ermöglicht Wege und Blickbeziehung zum Campus und darüber hinaus. Der Außenraum soll durch die verglasten Foyers der Neubauten erweitert und belebt werden.

Terrassen aus allen drei Geschossen als Erweiterung der Forschungswelt im Außenraum (Foto: Naumann | Friedel Architekturfotografen)
Inwiefern haben Bauherrschaft, Auftraggeber oder die späteren Nutzer*innen den Entwurf beeinflusst?

Die von Nutzern und Bauherrschaft erarbeitete Auslobung war eine gute Grundlage für den daraus entstandenen Entwurf. Hier wurde schon früh der Wunsch formuliert, eine für die Forschung eher unüblich offene Struktur zu schaffen. Das Institut sollte einen Treffpunkt für Mitarbeiter und Interessierten im Zentrum des Bauwerks erhalten – mit Blickbeziehungen zu den umliegenden Büros, Laboren und einer großen Werkhalle. 

Zum einen haben wir eine zentrale Haupttreppe mit informellen Sitzmöglichkeiten, Besprechungsmöglichkeiten und Teeküchen ausgestattet. Die Kommunikationszone befindet sich zwischen zwei Patio und profitiert vom natürlichen Licht, den Außenbezügen und dem Zugang zu Außenbereichen auf jedem Geschoss. 

Darüber hinaus haben wir fast das gesamte Gebäude in brandschutztechnischen Nutzeinheiten geteilt und diese, wie auch die notwendigen Treppen, vorwiegend mit für den täglichen Gebrauch unsichtbaren Brandschutztoren unterteilt. Das Resultat sind offene breite Flure, die uneingeschränkt genutzt werden dürfen.

Notwendige Treppen als Gestaltungselement (Foto: Naumann | Friedel Architekturfotografen)
Blick in die große Montagehalle (Foto: Naumann | Friedel Architekturfotografen)
Wie hat sich das Projekt vom ersten Entwurf bis zum vollendeten Bauwerk verändert?

Natürlich hatten wir das Projekt nicht im Wettbewerb gelöst und auch nicht jede Anforderung in Gänze verstanden. Wir brauchten ein zusätzliches Treppenhaus, mehr Schächte und deswegen zusätzliche Flächen. Jedoch kamen die Änderungen nicht vom Bauherr oder Nutzer, sondern aus dem Planungsprozess. Die ursprüngliche Wettbewerbskonzeption wurde jedoch nicht geändert oder geschwächt, sondern eher noch gestärkt.

Büros, Werkstätte und Labore mit gerahmten Panorama Blick in den angrenzenden Wald (Foto: Naumann | Friedel Architekturfotografen)
Farbtupfer in den Sanitärräumen (Foto: Naumann | Friedel Architekturfotografen)
Welche Überlegungen stecken hinter den Entscheidungen für die eingesetzten Materialien?

Die Fassade ist ein Ausdruck der im Institut vorherrschenden mathematischen Rationalität, das lichtschluckende Schwarz eine Verwandtschaft zur angewandten Wissenschaft. Der helle Sockel schafft eine einladende Geste, die dann durch die hellen Materialien im Innenraum und den Höfen fortgesetzt werden.

Städtebau (Skizze: dichter + GKL)
Lageplan (Zeichnung: dichter + GKL)
Erschließung (Skizze: dichter + GKL)
Grundrisse und Schnitte (Zeichnungen: dichter + GKL)
Erlangen Centre for Astroparticle Physics
2022 
Nikolaus-Fiebiger-Straße 2
91058 Erlangen
 
Nutzung
Forschungsbau Grundlagenforschung
 
Auftragsart
nichtoffener einstufiger Realisierungswettbewerb mit vorgeschalteten Bewerbungs-/Auswahlverfahren auf der Grundlage der RPW 2013
 
Bauherrschaft
Staatliches Bauamt Bayern Erlangen-Nürnberg
 
Nutzer/Betreiber
Friedrich Alexander Universität
 
Architektur
ARGE dichter + Glass Kramer Löbbert Architekten, Berlin | Raoul Kunz, Johan Kramer, Johannes Löbbert
Team: Benjamin Villén Paskoff (Projektleiter), Michael Nieke, Clarissa Dorsch, Michèle Görhardt, Paul Gössler
 
Fachplaner
Tragwerksplanung: Krebs und Kiefer Ingenieure GmbH, Darmstadt
HLSK: Dickert Beratende Ingenieure GmbH, Sinzing 
ELT: Gnuse Ingenieurbüro für Krankenhaustechnik GmbH & Co. KG, Erstenfeld
Laborplanung: Deru Planungsges. f. Energie-, Reinraum- und Umwelttechnik mbH, Dresden
Bauphysik: Wolfgang Sorge Ingenieurbüro für Bauphysik GmbH & Co. KG, Nürnberg
Landschaftsarchitektur: EGL – Entwicklung und Gestaltung von Landschaft GmbH, Erlangen
Brandschutz: hhpBerlin Ingenieure für Brandschutz GmbH, Berlin
Tiefbau: Tiefbautechnisches Ingenieurbüro Glückert, Nürnberg
 
Bauleitung
Rohbau: Staab Bauleitung GmbH, Berlin/München
Baugrube, Fassade: Architekturbüro Hennemann, Bad Staffelstein
Ausbau: Architekturbüro Jürgen Meyer, Wendelstein
 
Kunst am Bau
Titel »Lichtgewicht«
Künstler: Axel Anklam & Thomas Henninger
 
Ausführende Firmen
Verbau/Tiefbau: PST Spezialtiefbau GmbH, Nürnberg
Baumeister/Rohbau: Leonhard Weiss GmbH Co.KG, Nürnberg
Fassade: Starz Metallbau GmbH Co.KG, Aalen-Ebnat
Dach: Mieth Bedachungen und Bau GmbH, Leipzig
Trockenbau: Kaefer Construction GmbH, Fürth
Glas-Systemwände: Rienth GmbH & Co. KG, Winnenden
Estrich: Freese Fußbodentechnik GmbH, Rudolstadt
Tischler (Türen): Heppt Design in Holz GmbH & Co. KG, Haßfurt
Tischler (Möbel): Crottendorfer Tischlerhandwerk GmbH, Crottendorf
Metallbau Brüstungen: Fa. Vorndran Metallbau GmbH & CoKG, Kleinwenkheim
Laborausstattung: Waldner Laboreinrichtungen GmbH & Co. KG, Wangen/Allgäu
Außenanlagen: Kolb GmbH & Co. KG, Nürnberg

Hersteller
Fenster Außenfassade: Wicona / Hydro Building Systems Germany GmbH
Fenster Hoffassaden: Schüco International KG
Rundschiebetüren: Geze GmbH
Sonnenschutz: Warema Renkhoff SE
Holztüren: neuform-Türenwerk Hans Glock GmbH & Co. KG
Bodenbeschichtungen: MC-Bauchemie Müller GmbH & Co. KG
Akustikbekleidungen: Knauf AMF GmbH & Co. KG.; HeraDesign
 
Bruttogeschossfläche
8.630 m²
 
Gebäudevolumen
43.300 m³
 
Kubikmeterpreis
681,29 €/m³ (KG 300-400 brutto)
 
Gebäudekosten
29.500.000 € (KG 300-400 brutto)
 
Fotos
Naumann | Friedel Architekturfotografen

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